Jerusalem

Haben die Raketenlieferungen nach Deutschland Israel gefährdet?

Ein Arrow-Abwehrraketenwerfer auf einer israelischen Luftwaffenbasis Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

In Israel ist eine kontroverse Diskussion darüber entbrannt, ob fortgesetzte Lieferungen von Arrow-Abfangraketen nach Deutschland während des 40-tägigen Krieges mit dem Iran die eigene Zivilbevölkerung unnötig gefährdet haben könnten. Hintergrund ist ein milliardenschwerer Rüstungsvertrag zwischen Jerusalem und Berlin, der auch während der Kämpfe erfüllt wurde.

Laut einem Bericht der »Jerusalem Post« werfen Kritiker der Regierung in Jerusalem vor, dringend benötigte Abwehrsysteme exportiert zu haben, obwohl Israel gleichzeitig massiv mit iranischen ballistischen Raketen angegriffen wurde. In mehreren Kommentaren wurde die Frage aufgeworfen, ob Todesopfer und zahlreiche Verletzte bei einzelnen Einschlägen hätten verhindert werden können, wenn mehr Arrow-Systeme im Land verfügbar gewesen wären.

Besonders verwiesen wird dabei auf Angriffe auf Dimona und Arad. Dort setzte das Militär nach Berichten das System David’s Sling ein. David’s Sling kann zwar auch ballistische Raketen bekämpfen, wurde jedoch ursprünglich eher für Bedrohungen mittlerer Reichweite wie Marschflugkörper entwickelt. Arrow dagegen wurde gezielt zur Abwehr iranischer Langstreckenraketen konzipiert, teils sogar außerhalb der Erdatmosphäre.

Milliarden aus Berlin

Israelische Stellen betonen hingegen, dass die Geschäfte mit Deutschland die Sicherheit Israels langfristig gestärkt hätten. Durch die hohen Zahlungen aus Berlin sei es möglich geworden, die Produktion der Arrow-Systeme massiv auszubauen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen habe sich die Fertigungskapazität inzwischen auf das Sieben- bis Zehnfache erhöht.

Zwei Vereinbarungen aus den Jahren 2023 und 2024 mit einem Gesamtvolumen von 6,7 Milliarden Dollar gelten demnach als entscheidend. Ohne einen finanzstarken Großkunden wie Deutschland wäre ein solcher Ausbau der Produktionslinien kaum möglich gewesen. Am Ende habe Israel deshalb sogar deutlich mehr Abfangraketen zur Verfügung gehabt, als ohne die Berliner Aufträge denkbar gewesen wäre.

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Hinzu kommt nach Angaben aus dem Umfeld des Verteidigungsapparats ein innenpolitisches Problem. Das Finanzministerium habe wiederholt zusätzliche Mittel für den schnellen Ausbau der Raketenabwehr verzögert. Teilweise seien deutsche Gelder die einzige verfügbare Finanzquelle gewesen, um Hersteller wie Israel Aerospace Industries zu höheren Produktionszahlen, Materialkäufen und Neueinstellungen zu bewegen.

Zusätzliche Ausgaben gebilligt

Erst zwei Wochen vor Bekanntwerden der Vorgänge habe ein zuständiger Knesset-Ausschuss zusätzliche Ausgaben gebilligt – zu einem Zeitpunkt, als der jüngste Iran-Krieg bereits beendet gewesen sei, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Neben wirtschaftlichen Gründen spielte offenbar auch die politische Beziehung zu Deutschland eine Rolle. Berlin hatte während des Gaza-Krieges nur begrenzte Rüstungseinschränkungen gegen Israel verhängt, und hob diese nach Kriegsende rasch wieder auf. Zudem wird auf eine enge Zusammenarbeit in Verteidigungs- und Geheimdienstfragen verwiesen.

Israels Führung habe daher möglicherweise vermeiden wollen, durch einen Lieferstopp an Deutschland langfristige Partnerschaften oder künftige Geschäfte zu gefährden. Solange die Erfolgsquote bei der Abwehr iranischer Angriffe bei rund 90 Prozent gelegen habe und die Opferzahlen vergleichsweise niedrig geblieben seien, sei man offenbar bereit gewesen, dieses Risiko einzugehen.

Trotzdem bleibt unbeantwortet, weshalb die Lieferungen nicht zumindest vorübergehend ausgesetzt wurden, bis die unmittelbare Kriegsgefahr vorüber war. im

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