New York

UN-Glückwünsche an Iran stoßen auf scharfe Kritik

UNO-Generalsekretär António Guterres Foto: picture alliance / Luiz Rampelotto/EuropaNewswire

Eine Glückwunschbotschaft von UN-Generalsekretär António Guterres an die Führung der Islamischen Republik Iran hat Empörung bei iranischen Regimegegnern und Menschenrechtsorganisationen ausgelöst. Anlass war der Jahrestag der islamischen Revolution von 1979, zu dem Guterres dem iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian offiziell gratulierte und den Nationalfeiertag als Gelegenheit zur Reflexion über den Weg eines Landes und dessen Rolle in der Welt bezeichnete. Amerikanische und israelische Medien berichteten.

Die Kritik kommt vor dem Hintergrund schwerer Vorwürfe gegen Teheran. Erst vor wenigen Wochen hatte ein UN-Gremium Iran wegen des gewaltsamen Vorgehens gegen regimekritische Proteste verurteilt und weitere Untersuchungen zu mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen angeordnet. Berichte über Tausende Tote stehen weiterhin im Raum, eine genaue Zahl ist bislang nicht bestätigt.

Menschenrechtsexperten und Aktivisten sehen die Botschaft als problematisches Signal. Die Iran-Analystin Banafsheh Zand sprach laut »Fox News« von einer »moralischen Fehlentscheidung« und erklärte, die Gratulation sei »völlig unsensibel«, solange die Bevölkerung weiterhin unter Hinrichtungen, Repressionen und systematischer Gewalt leide. Derartige Gesten würden die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen untergraben und die Opfer zusätzlich verletzen.

»Routinemäßiges Schreiben«

Andrew Ghalili von der National Union for Democracy in Iran wurde ebenfalls von dem amerikanischen Nachrichtensender zitiert. Er warf den UN vor, ein repressives System aufzuwerten. »Die Vereinten Nationen legitimieren ein Regime, das auf Unterdrückung, Hinrichtungen und der Zerstörung grundlegender Freiheiten basiert«, sagte er. Die Anerkennung zum Revolutionsjubiläum ignoriere Blutvergießen, die Niederschlagung von Protesten und fortdauernde Geiselnahmen unschuldiger Menschen.

Lesen Sie auch

Die Vereinten Nationen wiesen die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher von Guterres erklärte, es handle sich um ein routinemäßiges Schreiben, das jedes Mitgliedsland zu seinem Nationalfeiertag erhalte. Solche Botschaften dürften nicht als Unterstützung der jeweiligen Regierungspolitik verstanden werden. »Das Schreiben ist ein Standardbrief. Jedes Mitgliedsland erhält jedes Jahr denselben Brief mit Glückwünschen zum Nationalfeiertag und guten Wünschen für die Bevölkerung«, sagte der Sprecher. Die Haltung des Generalsekretärs zu den Menschenrechtsverletzungen im Iran habe sich dadurch nicht geändert.

Zudem betonte der Sprecher, dass die Einladung iranischer Regierungsvertreter zu UN-Gremien, etwa dem Menschenrechtsrat UNHRC, nicht vom UN-Sekretariat gesteuert werde. Die Mitgliedstaaten hätten grundsätzlich das Recht, vor den Gremien zu sprechen, und entsprechende Entscheidungen lägen in der Zuständigkeit der jeweiligen UN-Organe.

Die NGO »UN Watch« hatte die Einladung des iranischen Außenministers Abbas Araghchi durch den UNHRC scharf kritisiert. Er soll am 23. Februar vor dem Gremium sprechen. Der Minister habe das Blut Zehntausender unschuldiger Bürger an den Händen, so »UN Watch«. Araghchi müsse daher sofort ausgeladen werden. Der UN-Menschenrechtsrat ist auch dafür bekannt, vor allem Israel zu kritisieren. Seit 2006 verabschiedete das Gremium 112 Resolutionen gegen den einzigen jüdischen Staat und 76 Resolutionen gegen andere Länder. im

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026

Sanaa

Regierungstruppen im Jemen melden 181 Angriffe in 24 Stunden

Mit Drohnen und Raketen attackieren Regierungskräfte Militärstützpunkte und Waffendepots der Huthi-Terrormiliz. Wie weit eskaliert die Lage noch?

 16.08.2026

Teheran

Iran richtet Mann wegen angeblicher Israel-Spionage hin

Die iranische Justiz hat ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Menschenrechtler werfen den Behörden vor, die Todesstrafe zur Unterdrückung von Kritik einzusetzen

 16.08.2026

Berlin

Prien: Differenzierte Haltung zu Israel kann ein Wagnis sein

Der Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Gräben in der Gesellschaft verdeutlicht - und teils auch vertieft. Wer dagegen differenziert argumentiere, habe es oft nicht leicht, sagt Ministerin Prien

 16.08.2026

Magdeburg

Will AfD-Spitzenkandidat Siegmund den Verfassungsschutz abschaffen?

AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nach der Landtagswahl die Zukunft des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt prüfen lassen. Diese Optionen fasst er ins Auge

 16.08.2026

Washington/Teheran

Frist verstreicht: Iran-Krieg vor ungewisser Zukunft

Während US-Präsident Trump mit einer Übernahme der Straße von Hormus kokettiert, gehen die Angriffe auf zivile Schiffe weiter. Dabei sollte in diesen Tagen ein finales Abkommen stehen

 16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026