Tel Aviv

Israel wirft UN massive Falschdarstellung bei Gaza-Hilfen vor

Lastwagen mit Hilfsgütern überqueren den Grenzübergang Kerem Shalom nach Gaza. Foto: picture alliance / newscom

Die für Hilfsgüter zuständige israelische Behörde COGAT hat den Vereinten Nationen schwere Vorwürfe gemacht. Demnach gebe es gravierende Unterschiede zwischen den tatsächlichen Hilfslieferungen in den Gazastreifen und den Angaben der UN. Israel spricht von rund 9200 Lastwagen, die seit Mai mit Lebensmitteln, Medikamenten und weiteren Gütern nach Gaza gelangt seien. Die UN hingegen nennen lediglich 3553 Transporte – ein Unterschied von beinahe 6000 Fahrzeugen.

COGAT warnte: »Zwischen den realen Zahlen und den Angaben der Vereinten Nationen klaffen dramatische Lücken.« Diese fehlerhaften Statistiken hätten unmittelbare Folgen, da sie die öffentliche Wahrnehmung verzerrten und sowohl politische Entscheidungsträger als auch die internationale Presse in die Irre führten.

Nach Recherchen von »ynet« basiert die UN-Darstellung auf einem Online-Dashboard, das angeblich die Gesamtheit der humanitären Hilfe abbildet. Tatsächlich berücksichtigt es jedoch ausschließlich Lieferungen, die von UN-Organisationen oder eng kooperierenden Hilfswerken abgewickelt werden.

Ein Gemüsemarkt in Gaza-Stadt am 7. AugustFoto: picture alliance / Middle East Images

Andere Hilfen – etwa ausländische Regierungsinitiativen, Lieferungen privater Unternehmen, internationale Projekte oder auch Hilfspakete, die über US-gestützte Logistikzentren und Luftabwürfe in die Region gelangen – bleiben außen vor.

»Irreführende Realität«

COGAT betreibt eine öffentliche Internetseite, auf der täglich die Zahl der Lkw-Einfahrten, die jeweiligen Grenzübergänge sowie die Art der transportierten Waren veröffentlicht werden. »Unsere Zahlen zeigen das vollständige Bild – die Vereinten Nationen hingegen präsentieren eine unvollständige und damit irreführende Realität«, betonte die Behörde.

Lesen Sie auch

Wie »ynet« berichtet, verlassen sich hochrangige UN-Vertreter bei öffentlichen Stellungnahmen oft auf ihre eigenen Statistiken und stellen diese als unanfechtbare Grundlage dar. Nach Einschätzung Jerusalems schadet dieses Vorgehen jedoch nicht nur Israels internationalem Ansehen, sondern schwächt auch das Vertrauen in die UN selbst.

Die Auseinandersetzung reiht sich in eine längere Geschichte von Streits zwischen Israel und den Vereinten Nationen ein. Immer wieder kritisierte Jerusalem die Einseitigkeit der Organisation, etwa bei Resolutionen oder bei Aussagen einzelner Sonderberichterstatter. Auch in der aktuellen Gaza-Krise sieht Israel einen systematischen Versuch, das Land als verantwortungslos darzustellen, während die Rolle der Terrororganisation die Hamas in den Hintergrund gedrängt werde.

Diplomatische Beobachter warnen, dass der aktuelle Streit das Verhältnis zwischen Israel und der UNO weiter belasten könnte. Einige westliche Regierungen stützen sich bei ihren Bewertungen der Lage im Gazastreifen stark auf UN-Berichte. Sollten diese tatsächlich gravierende Lücken enthalten, könnte dies die internationale Debatte nachhaltig verändern – zum Nachteil Israels, aber auch zum Schaden der Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen. im

Holocaust

»Unsere Rache an den Nazis ist, dass wir den Staat Israel haben«

Der Schoa-Überlebende Yehuda Widawski ist mit 107 Jahren gestorben. Jahrzehntelang suchte und restaurierte er jüdische Gräber in Polen

von Sabine Brandes  14.09.2026

Reaktionen

»Ritualmordlegende« - »Pflicht, Fragen zu stellen«: Israel streitet über »Naza«

Während Rechte den Film über den Gaza-Krieg als Verleumdung verurteilen, verteidigen Linke das Recht auf Kritik. Armee weist zentrale Vorwürfe zurück

von Sabine Brandes  14.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  14.09.2026

Dokumentarfilm

IDF übt scharfe Kritik an »Naza« und weist Vorwurf zum angeblich genehmigten Angriff auf 500 Zivilisten zurück

»Die IDF haben niemals einen Angriff geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden«, heißt es von der Armee

 14.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026