Das israelische Unternehmen Stardust Solutions will mit winzigen reflektierenden Partikeln gegen die globale Erwärmung vorgehen und sorgt damit international für heftige Debatten. Die Firma veröffentlichte nun erstmals Details zu ihrer Technologie, die Sonnenlicht teilweise zurück ins All lenken soll, um die Erde künstlich abzukühlen. Dies geht aus einem Bericht der »New York Times« hervor.
Das 2023 gegründete Unternehmen mit Laboren im israelischen Ness Ziona südlich von Tel Aviv wird von ehemaligen Mitarbeitern des israelischen Atomprogramms geführt. Dem Bericht zufolge erhielt Stardust bislang Investitionen von rund 75 Millionen Dollar und arbeitet inzwischen an Patentanmeldungen.
Im Mittelpunkt stehen mikroskopisch kleine Partikel aus amorpher Kieselsäure und Kalziumkarbonat. Letzteres kommt unter anderem in Kalkstein und Eierschalen vor. Die Stoffe sollen in großer Höhe in die Atmosphäre eingebracht werden, wo sie einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektieren würden.
Regeln und Sicherheitsgrenzen
Firmenchef Yanai Yedvab erklärte, die Technologie könne bald bereit für erste Tests sein. »Das ist ein sehr mächtiges Werkzeug, das bald für Tests bereit sein wird, und wir wollen, dass politische Entscheidungsträger ernsthaft darüber nachdenken: Was wäre praktisch nötig?« sagte er der Zeitung.
Nach Angaben des Unternehmens wurden die Materialien bisher ausschließlich im Labor untersucht. Freilufttests seien nur gemeinsam mit Regierungen denkbar, die klare Regeln und Sicherheitsgrenzen festlegen würden.
Stardust zufolge könnten rund zehn Millionen Tonnen der Partikel über mehrere Jahre hinweg ausgebracht werden, um die globale Temperatur um etwa 1,5 Grad Celsius zu senken. Die Kosten eines solchen Projekts veranschlagt das Unternehmen auf etwa zehn Milliarden Dollar. Die Partikel seien biologisch abbaubar, ungefährlich für Menschen und Tiere und würden sich nicht dauerhaft in Böden oder Ozeanen ansammeln, betont die Firma.
Internationales Verbot
Die Idee des sogenannten Solar-Geoengineerings bleibt jedoch hoch umstritten. Mehr als 600 Wissenschaftler und Akademiker fordern inzwischen ein internationales Verbot solcher Eingriffe. Kritiker warnen vor unkalkulierbaren Folgen für Wetter- und Klimasysteme.
Der Umweltforscher Prakash Kashwan von der Brandeis University warnte insbesondere vor möglichen Auswirkungen auf Monsunregen in Südasien, Ostafrika und Lateinamerika. Milliarden Menschen seien von diesen Wettersystemen abhängig. im