Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Im belgischen Gent geht die Besetzung eines Unigebäudes durch militante israelkritische Studenten in die vierte Woche. Zuletzt hatten sich am 8. Mai rund 100 teilweise mit Kufiyas vermummte Besetzer vor das Büro der Uni-Rektorin gelegt und lautstark »Yalla, yalla, Intifada« und »Free Palestine« skandiert.

Dennoch versuchte Rektorin Petra De Sutter erneut, auf die Demonstranten zuzugehen. Man werde vorzeitig aus fünf Kooperationsprojekten mit israelischen Forschungseinrichtungen aussteigen, welche mit Mitteln aus dem EU-Programm »Horizon Europe« gefördert werden, erklärte sie nach einer Sitzung des Verwaltungsrates am Mittwoch. »Das ist natürlich nicht die radikale Lösung, die die Aktivisten fordern. Aber es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung«, so die Uni-Präsidentin.

Nach Auffassung De Sutters ist ein solcher Ausstieg möglich, ohne dass die UGent einseitig Verträge kündigen und Schadenersatz leisten müsse. Dabei, auch das musste sie einräumen, spüre ihre Hochschule schon jetzt die Konsequenzen der seit zwei Jahren verfolgten Boykottstrategie gegen Israel. »Wir haben bereits viele Partnerschaften verloren.« Internationale Kooperationen würden schwieriger, da die Uni Gent gegen Kooperationen mit israelischen Einrichtungen sei.

De Sutter amtiert erst seit Oktober 2025 als Uni-Chefin. Bereits im Mai 2024 hatte die »UGent« beschlossen, aus einem Projekt zur Entwicklung von künstlichem Knochengewebe auszusteigen, an dem auch israelische Forscher beteiligt sind. Dem vorangegangen war ebenfalls eine wochenlange Besetzung eines Hochschulgebäudes.

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De Sutter ist Mitglied der flämischen Grünen. Als Ministerin in der belgischen Bundesregierung warb sie vehement für einen strikteren Abgrenzungskurs gegenüber dem jüdischen Staat. Zuletzt verlieh De Sutter gemeinsam mit zwei weiteren flämischen Universitäten der umstrittenen UN-Sonderberichterstatterin und Israel-Kritikerin Francesca Albanese die Ehrendoktorwürde.

Doch den radikalen Uni-Besetzern, die seit Ende April einen geregelten Lehrbetrieb im sogenannten UFO-Gebäude verhindern, ist selbst De Sutters Vorgehen noch viel zu zögerlich. Sie haben angekündigt, ihren Protest fortsetzen zu wollen. Es gebe noch weitere heimliche Kooperationen der UGent mit Israel.

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Bislang hat die Hochschulleitung die Aktionen toleriert. Doch ab übernächster Woche sollen im Auditorium des besetzten Gebäudes Prüfungen stattfinden. Noch wiegelt De Sutter ab. »Bis zum 26. Mai sind es noch 13 Tage. Es ist schwierig, jetzt Aussagen darüber zu treffen, was alles noch passieren wird.« Man werde weiterhin versuchen, mit den Aktivisten im Gespräch zu bleiben, sagte sie. »Sie sollen verstehen, dass das, was wir tun, bereits ziemlich außergewöhnlich und weitreichend ist«, meinte De Sutter.

Auch mit ihrer »persönlichen Meinung«, dass für Israel kein Platz mehr in der Neuauflage des »Horizon Europe«-Programms sein dürfe, hielt sie nicht hinter dem Berg. Aktuell laufen in Brüssel nämlich die Verhandlungen über die finanzielle Ausstattung des auf sieben Jahre angelegten EU-Förderprogramms. Es geht um den Zeitraum von 2028 bis 2034.

Das laufende Programm (2021-2027) hat einen Finanzrahmen von 95,5 Milliarden Euro. Israelische Forscher nehmen seit einigen Jahren an »Horizon Europe« teil. Im Zeitraum von 2021 bis 2024 konnten sie Fördermittel von mehr als einer Milliarde Euro einwerben. Allerdings zahlt der israelische Staat im Gegenzug in den Fördertopf ein.

2025 hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, wegen Israels Vorgehen in Gaza die Teilnahme israelischer Unternehmen am »EIC-Accelerator«-Programm auszusetzen. Der Vorschlag hat aber bislang keine Mehrheit unter den EU-Mitgliedsstaaten gefunden.

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Die Anti-Israel-Aktivisten in Gent sind für Kompromisse nicht zu haben. Die fünf Projekte, durch die rund 2,5 Million Euro an EU-Geldern nach Israel flössen, müssten sofort beendet werden; alle Verbindungen zu israelischen Institutionen seien problematisch und müssten beendet werden. Gegen mögliche Schadenersatzforderungen könne die Hochschule sich dann vor Gericht wehren.

Man fordere »einen vollständigen akademischen Boykott« Israels, machte auch der Sprecher der Besetzer, Youlian Burnham, deutlich. Seinem LinkedIn-Profil zufolge ist Burnham an der UGent für einen Masterstudiengang in Konfliktforschung eingeschrieben.

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