Genf

Ronald Lauder warnt vor Entfremdung zwischen Israel und der Diaspora

Ronald Lauder Foto: Imanuel Marcus

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Lauder, hat Israel dazu aufgerufen, die Beziehungen zu jüdischen Gemeinden außerhalb des Landes dringend zu stärken. In einem Interview anlässlich des 90-jährigen Bestehens des WJC warnte Lauder davor, die Unterstützung der Diaspora als selbstverständlich anzusehen.

Diese Beziehungen müssten gepflegt, respektiert und für kommende Generationen geschützt werden. »Wir müssen bestehende Risse reparieren, bevor es zu spät ist«, sagte Lauder der »Jerusalem Post«.

Der WJC begeht derzeit in Genf den 90. Jahrestag seiner Gründung mit Veranstaltungen zu Antisemitismus, Extremismus und der Sicherheit jüdischer Gemeinschaften weltweit. Lauder leitet die Organisation seit 2007. »Ich habe sehr früh verstanden, dass der neue Antisemitismus immer stärker zu Antisemitismus wird, der sich gegen den Staat Israel richtet oder von Feindseligkeit gegenüber Israel motiviert ist«, sagte er. Diese Erkenntnis habe seine Arbeit von Beginn an geprägt.

Legitimität des Judentums

Nach Lauders Worten beschränkt sich die Herausforderung nicht auf Europa oder die Vereinigten Staaten. Deshalb habe er auch den Dialog mit Staaten im Nahen Osten und der arabischen Welt gesucht. »Die Zukunft des jüdischen Volkes zu sichern bedeutet auch, die Stellung und Legitimität des Judentums in der arabischen Welt voranzubringen«, erklärte Lauder.

Gleichzeitig sprach sich der WJC-Präsident langfristig für eine Lösung des israelisch-arabischen Konflikts aus. Ohne dauerhafte regionale Stabilität würden sich die Gefahren für Israel und jüdische Gemeinschaften verstärken.

Mit Blick auf den starken Anstieg antisemitischer Vorfälle nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 sagte Lauder, die Entwicklung habe sich bereits zuvor abgezeichnet. »Die Warnzeichen waren längst sichtbar«, betonte er. Es handle sich nicht nur um einen religiösen Konflikt. »Das geht viel tiefer.«

Wurzel des Problems

Israels Gegner würden von »radikalen extremistischen Ideologien« angetrieben, die sich auch gegen die westliche Welt richteten. »Das sind Kräfte, die Demokratie, Toleranz und Freiheit ablehnen«, sagte Lauder. US-Präsident Donald Trump erkenne diese Gefahr. »Präsident Donald Trump versteht die Bedeutung dieser Bedrohung und die weitreichenden Folgen, wenn man die Wurzel des Problems ignoriert.«

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Lauder lobte Trump zudem ausdrücklich für dessen Haltung gegenüber Israel. »Ich habe das schon früher gesagt und ich sage es wieder: Präsident Trump gehört zu den Präsidenten, die jüdische Werte und die Bedeutung des Staates Israel am besten verstanden haben«, erklärte er. »Meiner Meinung nach ist er der pro-zionistischste Präsident, den ich seit Ronald Reagan erlebt habe.«

Auch den Iran bezeichnete Lauder als zentrale Gefahr für Israel und die internationale Stabilität. »Die Mission ist noch nicht abgeschlossen«, sagte er. Teheran bleibe eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit des jüdischen Volkes. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass Trump entschlossen handeln werde. »Ich glaube von ganzem Herzen, dass er dieses Problem zu einer entscheidenden Lösung bringen wird.«

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Lauder auf jüdische Bildung. Nur Bildung könne historische Brüche überwinden und jüdische Kontinuität sichern, sagte er mit Blick auf die von ihm gegründeten und von seiner Stiftung co-finanzierten Lauder-Schulen in Osteuropa. »Als wir den ersten Lauder-Kindergarten im Osteuropa der Nachkriegszeit eröffneten, hielten viele das für unmöglich«, erinnerte er sich. Die Entwicklung lebendiger jüdischer Gemeinden zeige heute jedoch, dass Bildung die stärkste Garantie für die jüdische Zukunft sei. im

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