London

Tausende demonstrieren gegen Judenhass

Im Stadtteil Whitehall protestierten 10.000 Demonstranten gegen den explodierenden Antisemitismus. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Im Londoner Regierungsviertel haben am Sonntag tausende Menschen gegen Antisemitismus und Extremismus demonstriert. Die Kundgebung nahe der Downing Street fand vor dem Hintergrund einer Serie antisemitischer Vorfälle und Angriffe in Großbritannien statt. Organisiert wurde die Veranstaltung unter anderem vom Jewish Leadership Council und dem Board of Deputies of British Jews. Britische Medien, darunter »Jewish News«, berichteten.

Bereits im Vorfeld galten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Teilnehmer mussten ähnlich wie an Flughäfen Kontrollschleusen passieren, bevor sie das Demonstrationsgelände betreten konnten. Die Veranstalter sprachen von mehreren tausend Teilnehmern. Medienberichte nannten Zahlen zwischen 7.000 und 20.000 Menschen.

Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis warnte in seiner Rede vor einer Normalisierung von Judenhass in Großbritannien. »Giftiger Antisemitismus ist in Großbritannien akzeptabel geworden«, sagte Mirvis. Dies zeige sich in der Politik, in Medien, an Universitäten, Schulen, im Gesundheitswesen und auf den Straßen. Es sei zudem »inakzeptabel«, dass antisemitische Angriffe inzwischen kaum noch öffentliche Aufmerksamkeit erhielten.

Labour-Mann ausgebuht

Auch die Vorsitzende der Konservativen Partei, Kemi Badenoch, sprach bei der Kundgebung. Sie zog Parallelen zwischen islamistischem Terror in Nigeria und dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel. »Großbritannien war ein Zufluchtsort für Juden, und es muss immer ein Zufluchtsort für Juden bleiben«, sagte Badenoch unter Applaus.

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Deutlich kritischer fiel die Reaktion auf den Labour-Politiker Pat McFadden aus. Während seiner Ansprache wurde er wiederholt ausgebuht. Aus Teilen der Menge waren Rufe wie »Schande«, »Das ist die Schuld eurer Partei« und »Wann werdet ihr handeln?« zu hören. McFadden versuchte die Zwischenrufe zu übergehen und sagte: »Freunde, ich höre euch, ich bin bei euch, ich bin hier, um Antisemitismus zu bekämpfen.«

Der stellvertretende Vorsitzende von Reform UK, Richard Tice, erhielt dagegen viel Zustimmung. Er warf Politik und Universitäten Versagen im Umgang mit Antisemitismus vor. »Die Geißel des Antisemitismus durfte in unserem geliebten Land gedeihen«, sagte Tice. Hochschulen müssten finanzielle Konsequenzen spüren, wenn antisemitische Vorfälle weiter toleriert würden.

»Teil des Problems«

Mehrere Redner warnten davor, Antisemitismus lediglich als Problem der jüdischen Gemeinschaft zu betrachten. Der Gründer der Organisation Faith Matters, Fiyaz Mughal, sagte, manche Vertreter seiner eigenen muslimischen Gemeinschaft seien »Teil des Problems«. Islamistischer Extremismus mache »uns allen das Leben schwer«. Der Kampf gegen Judenhass sei ein gemeinsamer Kampf um »die Seele Großbritanniens«.

Unter den Demonstranten waren zahlreiche israelische und britische Flaggen zu sehen, daneben auch iranische Oppositions- und kurdische Fahnen. Auf Plakaten standen Slogans wie »Britische Juden verdienen Besseres« oder »Briten gegen Antisemitismus«.

Der Sänger Boy George unterstützte die Kundgebung per Videobotschaft. Er sagte, er wolle nicht dafür gelobt werden, jüdischen Menschen beizustehen: »Ich möchte keinen Dank dafür, das Richtige zu tun.« Boy George hatte sich zuvor nach Messerangriffen auf zwei orthodoxe Juden im Londoner Stadtteil Golders Green solidarisch gezeigt und dafür nach eigenen Angaben Hassbotschaften im Internet erhalten. im

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