Antisemitismus

Londoner Polizei gründet Spezialeinheit zum Schutz von Juden

Die Polizei hat auch den Stadtteil Golders Green im Blick, in dem viele Juden leben. Foto: picture alliance / empics

Nach einer Serie antisemitischer Vorfälle verstärkt die Polizei in London den Schutz jüdischer Einrichtungen deutlich. Die Metropolitan Police kündigte an, eine eigene Einheit mit rund 100 Beamten aufzubauen, die sich gezielt um die Sicherheit jüdischer Gemeinden kümmern soll. Britische Publikationen berichteten.

Hintergrund ist ein spürbarer Anstieg von Hassverbrechen mit antisemitischer Motivation. Seit Ende März registrierten die Behörden mehrere Brandanschläge auf jüdische Einrichtungen.

Besonders schwer wiegt ein Messerangriff im Stadtteil Golders Green, bei dem zwei Männer verletzt wurden. Die Tat wird als Terrorakt eingestuft. Auch ein mutmaßlicher Brandanschlag auf eine ehemalige Synagoge wird inzwischen von Anti-Terror-Ermittlern untersucht.

»Zutiefst besorgniserregende Konvergenz«

Ein Sprecher der Polizei warnte vor einer gefährlichen Entwicklung: »Britische Juden stehen inzwischen auf den Feindlisten nahezu aller extremistischen Strömungen – von rechtsextremen Gruppen über islamistische Terroristen bis hin zu Teilen der extremen Linken und feindlichen Staaten.« Es handele sich um eine »zutiefst besorgniserregende Konvergenz«, deren Folgen jüdische Gemeinden täglich zu spüren bekämen.

Lesen Sie auch

Die neue Einheit soll verschiedene Kompetenzen bündeln – von Streifendienst über Personenschutz bis hin zur Terrorabwehr. Ziel sei eine »sichtbarere, nachrichtendienstlich gestützte und koordinierte Präsenz«, die speziell auf den Schutz jüdischer Einrichtungen ausgerichtet ist.

Die Polizei verwies zudem auf eine hohe Zahl an Ermittlungen: »Allein in den vergangenen vier Wochen wurden rund 50 Personen wegen antisemitischer Hassverbrechen festgenommen, acht davon angeklagt.« Hinzu kämen 28 weitere Festnahmen im Zusammenhang mit Brandstiftungen und anderen schweren Delikten. Insgesamt habe es damit mehr als 80 Festnahmen gegeben.

Zusätzliche Mittel

Die britische Regierung unterstützt die Maßnahmen finanziell. Innenministerin Shabana Mahmood erklärte: »Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um das Übel des Antisemitismus aus unserer Gesellschaft zu beseitigen.« Insgesamt wurden zusätzliche Millionenbeträge für Sicherheitsmaßnahmen und Präventionsprogramme zugesagt.

Auch die Justiz will schneller reagieren: Generalstaatsanwalt Stephen Parkinson kündigte neue Leitlinien an, um Verfahren wegen Hasskriminalität zu beschleunigen. Ziel sei es, eine klare Grenze zu ziehen und den jüngsten Anstieg antisemitischer Vorfälle zu stoppen.

Neben verstärkter Polizeipräsenz sollen künftig auch Universitäten und Kultureinrichtungen stärker in die Pflicht genommen werden, gegen antisemitische Tendenzen vorzugehen. im

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Genf

Ronald Lauder warnt vor Entfremdung zwischen Israel und der Diaspora

»Wir müssen bestehende Risse reparieren, bevor es zu spät ist«, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

 15.05.2026

Nachruf

Mann mit Prinzipien

Ein halbes Jahrhundert lang stand »Abe« Foxman im Dienst der Anti-Defamation League, die Hälfte davon als ihr Chef. Nun ist der Schoa-Überlebende im Alter von 86 Jahren gestorben

von Michael Thaidigsmann  14.05.2026

Washington D.C.

Mehr als eine Million Dollar für Schutz jüdischer Einrichtungen in Los Angeles

Das Geld fließt ins Community Security Initiative Program. Das Projekt arbeitet mit jüdischen Einrichtungen zusammen und koordiniert Kontakte zu Sicherheits- und Rettungsbehörden

 12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026