Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

In deutschen Talkshows ein gern gesehener Gast: Nahost-»Expertin« Helberg Foto: picture alliance / teutopress

Kristin Helberg ist ein gern gesehener Gast im deutschen Fernsehen. Vor zwei Wochen saß sie wieder bei »Markus Lanz«, um über die Lage am Persischen Golf zu beraten.

Die Politikwissenschaftlerin hat sich einen Namen als Nahostexpertin gemacht. Sie lebte sieben Jahre in Damaskus, wo sie auch ihren Mann, einen syrischen Arzt, traf. Außerdem ist sie eine engagierte Vertreterin der palästinensischen Sache. »Helberg ist Mitorganisatorin mehrerer Palästina-Solidarität-Events in Deutschland«, lautet dazu der lapidare Eintrag bei Wikipedia.

Über ihren journalistischen Ansatz hat Helberg neulich, abseits der Fernsehkameras, auf der Bühne des Berliner Kulturhauses »Spore« Auskunft gegeben. Bei Interviews habe sie Palästinenser häufig gebeten, bestimmte Sätze zu wiederholen, aber dabei auf das Wort »Jude« zu verzichten, berichtete sie. Sie habe nämlich den Eindruck gewonnen, dass die Interviewten eigentlich gar nicht die Juden an sich meinten.

Helberg kennt die Empfindlichkeit der deutschen TV-Zuschauer. Ein Palästinenser, der vor der Kamera erklärt, dass er Juden hasst, mag in linken Zirkeln ein Held sein – beim allgemeinen Publikum kommt das nicht so gut an. Also habe sie jeweils gefragt: »Können Sie das noch mal sagen?« Worauf die Interviewgäste auf ihre Intervention hin eine gesäuberte Version des Gesagten lieferten.

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Dem langjährigen »Welt«-Autor Alan Posener fiel zu diesem eigenwilligen Verständnis unvoreingenommener Berichterstattung folgende Regieanweisung ein: »Könnten Sie das wiederholen, Herr Hitler, und dabei ‚Bolschewisten‘ und ‚Kapitalisten‘ sagen, nicht ‚Juden‘? Das klingt so antisemitisch. Danke.« Manchmal muss man die Dinge zur Kenntlichkeit verzerren.

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Man sollte vielleicht hinzufügen, in welchem Rahmen Frau Helberg über ihre Arbeitsmethoden sprach. Das »Spore«, in dem die Journalistin regelmäßig als Moderatorin auftritt, gilt als Hotspot der radikalen Anti-Israel-Linken. Auf derselben Veranstaltung wurde beredt Klage darüber geführt, wie propalästinensische Proteste »drangsaliert«, »dämonisiert« und »entmenschlicht« worden seien. 

Bei anderer Gelegenheit äußerten Diskussionsteilnehmer ihr Unverständnis, dass die Hamas in Deutschland als Terrororganisation eingestuft sei. Die Gewalt der Hamas sei Selbstverteidigung und durch das Völkerrecht gedeckt. Man müsse vielmehr von der Hamas als »Befreiungsorganisation« sprechen.

Der »Tagesspiegel« hat jetzt den Scheinwerfer der Aufklärung auf dieses Amalgam aus Terrorverherrlichung und Israelhass gelenkt. Dem Blatt ist es auch zu verdanken, dass wir etwas genauer über die Pro-bono-PR-Beratung der Nahostexpertin Helberg im Bilde sind.

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Ein zweites Ereignis dieser bewegten Tage – ebenfalls aus Berlin, ebenfalls im Zusammenhang mit der Frage, was in Deutschland inzwischen normal ist und was nicht. In dem Fall handelt es sich um die Schließung eines Restaurants, eine Kapitulation vor dem Hass und das im wörtlichen Sinne.

Vor wenigen Tagen gaben die Betreiber des Restaurants »Gila & Nancy« bekannt, dass ihr hochgelobtes Speiselokal am Gendarmenmarkt aufgebe. Schon die Eröffnung im September hatte sich wegen gewaltsamer Störaktionen immer wieder verzögert. Nun ist nach nur acht Monaten Schluss. Die Angriffe auf Angestellte, die Nachstellungen, Bedrohungen und Beleidigungen ließen der Mannschaft keine andere Wahl.

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Das ist ein in jeder Hinsicht niederschmetternder und unendlich trauriger Vorgang. Der Spitzenkoch Eyal Shani brachte den Berlinern nicht nur bei, was man aus einer einzigen Tomate an Himmelsspeise zaubern kann, er stand mit seiner Crew für Vielfalt und Respekt. Aber vielleicht war genau das ja der Skandal. Ein Israeli, der jeden Tag in seiner Küche beweist, dass Juden auch gute Gastgeber sind.

Man muss die beiden Ereignisse zusammendenken. Also die auftrumpfende Hamas-Verharmlosung, für die Frau Helberg ihr Gesicht leiht. Und den stillen Rückzug von in Deutschland lebenden Juden, weil man ihnen das Leben unerträglich macht.

Ich habe vor zweieinhalb Jahren die Pro-Pali-Umzüge zum Anlass für eine Kolumne genommen, in der ich schrieb, wir müssten uns entscheiden, wen wir in Deutschland behalten wollen: die Aggro-Araber, die auf den Aufmärschen ihren Hass auf den Westen und seine Werte herausschrien – oder die jüdischen Mitbürger.

Die Entscheidung ist gefallen. Wir ziehen es nur vor, es nicht zur Kenntnis zu nehmen. Der laute, aggressive Teil der Pali-Bewegung hat gewonnen. Die strebsamen, fleißigen Leute gehen. So ist es ja meist: Es verschwinden nicht die Low Performer, die dem Staat auf der Tasche liegen, sondern diejenigen, die woanders gerne gesehen sind.

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Natürlich hat es Folgen, wenn in einem Teil der Szene jeder als Zionist beschimpft wird, der sich nicht wiederholt und ausdrücklich von Israel distanziert. Und es bleibt oft nicht bei Beschimpfungen. Die »Süddeutsche Zeitung« hat eine lange Liste von Anschlägen, Morddrohungen und Absagen von Veranstaltungen veröffentlicht, die alle eines gemeinsam haben: Die Opfer sind Opfer, weil sie Juden sind.

Selbstverständlich weisen Aktivisten wie Kristin Helberg den Verdacht, sie hätten etwas gegen Juden, entschieden zurück. Auch das gehört ja zu der neuen Menschenfeindlichkeit. Man hat nichts gegen Juden, man ist im Gegenteil ihr größter Freund. Sie dürfen halt nur nicht als Juden zu sehr in Erscheinung treten, dann wird’s ungemütlich. So wie auch die Linkspartei selbstredend nichts gegen die jüdischen Bürger hat. Sie will halt nur den Staat Israel von der Landkarte streichen.

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Es gibt sogar Geld für diese Form des unverstellten Judenhasses. Hinter der »Spore«-Initiative steht die Familie Schöpflin, die mit Versandhandel und Risikokapital reich wurde und nun Veranstaltungen finanziert, auf denen die Hamas zur Befreiungsbewegung umgedeutet wird.

Zitieren wir zum Schluss noch einmal aus dem Bericht des »Tagesspiegel« über den mit Geld von Hans und Lisl Schöpflin geförderten Hamas-Werbeverein Spore:

»Im Februar 2025 stört sich eine Podiumsteilnehmerin daran, dass Deutsche zwar die aktuelle israelische Regierung kritisieren, aber nicht den Staat. Man unterscheide ja auch nicht zwischen amerikanischem Staat und amerikanischer Regierung. ‚Damit müssen wir aufhören‘, fordert die Teilnehmerin.«

Moderatorin Helberg übernimmt: »Und das ist genau das große Problem in Deutschland, wirklich, das ist die knifflige Frage für Deutschland. Weil wir uns mit der Staatsräson wirklich klar aussprechen für das Existenzrecht des Staates Israel als jüdischer und demokratischer Staat. Das ist das große Problem in Deutschland …‘«

Wenn ich es mir recht überlege: Vielleicht hat Frau Helberg recht. Warum nicht aus gegebenem Anlass über Deutschland in den Grenzen von 1938 nachdenken? Ich bin gegen das Existenzrecht Österreichs. Und das Existenzrecht Polens ist vielen Leuten ebenfalls seit Langem ein Dorn im Auge. Das wäre doch ein gutes Thema für den nächsten TV-Auftritt!

Der Text erschien zuerst im »Focus«. Von Jan Fleischhauer erscheint demnächst das Buch »Du bist nicht allein: Das Mehrheitsparadox oder was passiert, wenn die Mitte der Gesellschaft das Gefühl hat, am Rand zu stehen« (Piper).

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