Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Daniel Libeskind Foto: picture alliance / Maurizio D Avanzo

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026 11:21 Uhr

Architekt Daniel Libeskind hat schon viele ikonische Gebäude entworfen, mit seinen markanten Linien und schiefen Wänden, aber interessanterweise noch nie eines für sich selbst. »Ich sollte das eines Tages mal machen«, erzählt der New Yorker, der an diesem Dienstag (12. Mai) 80 Jahre alt wird und gerade in Berlin ist. Warum hat er das bisher nicht getan? »Wer hat denn Zeit für sowas? Das ist zu viel Luxus.«

Seine Gebäude stechen heraus. Der Erweiterungsbau am Jüdischen Museum in Berlin, dessen Zickzackform von oben an einen Blitz erinnert. Und dessen dunkle Betonschächte sichtbar machen, was der Holocaust hinterlassen hat. Eine vernichtende Leere.

In New York schuf Libeskind nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den Masterplan für Ground Zero. In Dresden verpasste er dem Militärhistorischen Museum eine Spitze, die weit aus dem Gebäude ragt. Und im niedersächsischen Lüneburg gestaltete er das Zentralgebäude der Leuphana Universität. Es sieht aus, als käme es aus einer anderen Welt.

Das Leben selbst

Wenn man Libeskind gegenübersitzt, trifft man einen Menschen, der gar nicht viel übers Bauen spricht. Er redet über Gesellschaft und Politik, über die Gefahren von Algorithmen, über Denker und Künstler. Libeskind wirkt wie jemand, den man gerne als Dinnergast an seinen Esstisch bitten würde.

Bis heute beginnt er neue Projekte. Angst vor dem weißen Blatt Papier habe er nicht, sagt Libeskind. Aber natürlich fange man ein Projekt nicht nebenher beim Kaffee an. Man müsse sich vorbereiten. »Das Leben selbst muss einen auf das Projekt vorbereiten.« Das passt zu seiner Geschichte.

Architekt werden, das sei sein Schicksal gewesen, erzählt Libeskind. Geboren wurde er im polnischen Lodz in einer Notunterkunft, als Kind von Holocaustüberlebenden. Später zog die Familie nach Israel und nach New York in die Bronx, die Eltern waren Fabrikarbeiter. Auf die Welt kommen ohne echtes Zuhause. Das qualifiziere ihn zum Architektendasein.

»Between the Lines«

»Ich hatte nie das Ziel, mir selbst ein Luxushaus zu bauen«, sagt Libeskind der Deutschen Presse-Agentur. Er habe schon zu viele Luxusprojekte für andere umgesetzt, er brauche nicht mehr. Das Jüdische Museum widmet ihm und seinem Erweiterungsbau, der vor 25 Jahren eröffnet wurde, nun die neue Ausstellung »Between the Lines«.

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Der moderne Anbau für das Berliner Museum, das so überhaupt erst zum Jüdischen Museum in seiner heutigen Form wurde, ist ungewöhnlich. Wenn man durchläuft, über schräge Böden und an schiefen Wänden entlang, nimmt man die Welt anders wahr. Vielleicht nimmt man auch sich anders wahr.

Libeskind trägt eine markante Brille und spricht bedacht. Seine Frau Nina - die beiden sind seit 57 Jahren verheiratet - beschreibt ihn als aufgeschlossenen, selbstkritischen und politischen Menschen. Und politisch hat er einiges zu sagen, etwa zur Lage in den USA.

Gefährliche Zeit

Präsident Donald Trump verhalte sich autoritär. »Die Demokratie wird Tag für Tag zerstört. Es ist eine sehr gefährliche Zeit in Amerika, und wir alle müssen etwas tun, um sicherzustellen, dass es nicht dazu kommt, dass Amerika zu einem weiteren Imperium mit einem Pharao wird.«

Viele Menschen hätten sich an Lügen gewöhnt, die Algorithmen der Plattformen und Künstliche Intelligenz (KI) bekämen mehr Macht. »Die Einsamkeit ist größer geworden, weil Menschen nicht miteinander interagieren, sie interagieren mit Bildschirmen. Aber kann es eine Revolution auf dem Bildschirm geben? Wahrscheinlich nicht.«

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Die politischen Entwicklungen in Deutschland sieht Libeskind ebenfalls mit Sorge. »Dieses Land hat unter dem Nazi-Regime gelebt und sollte es besser wissen«, sagt er. »Wenn ich einige Reden der AfD lese und deren Haltung zur Geschichte betrachte, sollte das die Menschen zutiefst beunruhigen.« Die Menschen, findet er, sollten die Demokratie stärker verteidigen.

Platon und Aristoteles

Wenn Libeskind über Architektur spricht, wird er philosophisch. Mit seinen Gebäuden will er auch Hoffnung machen. Zeigen, dass man etwas verändern kann. Architektur präge unsere Vorstellung von der Welt. Wenn man an das alte Griechenland denke, stelle man sich nicht zuerst Platon und Aristoteles vor, sondern den Parthenon auf der Akropolis.

Architektur sei eine mächtige Kunstform, weil sie keine Wörter brauche, sondern auf die Erde und das Licht setze. Sie kommuniziere auf einer ursprünglichen Ebene. Wie man lebe, sagt Libeskind, beeinflusse auch, wie man über die Welt denke.

Und wie lebt er selbst? Im New Yorker Stadtteil Tribeca in einem dreieckigen Gebäude, das um 1900 gebaut wurde. Vom Fenster aus könne er die ganze Pracht der Stadt sehen, erzählt er. Auch die Menschen, die jeden Morgen aus der U-Bahn strömen.

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