Ronald Lauder richtet den Blick auf die Zeit nach seiner Präsidentschaft des Jüdischen Weltkongresses (WJC). Der 82-Jährige, der 2029 nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Organisation nicht erneut kandidieren will, sucht nach einer Persönlichkeit, die seine Nachfolge antreten kann. Zugleich wirbt der Unternehmer und Philanthrop dafür, dass sich eine neue Generation wohlhabender Juden stärker für jüdisches Leben engagiert – insbesondere durch Investitionen in Bildung.
In einem ausführlichen Interview sagte Lauder, viele potenzielle Kandidaten zweifelten daran, ob sie der Aufgabe gewachsen seien. Ein möglicher Nachfolger habe ihm gesagt: »Aber ich kann nicht du sein.« Darauf habe er geantwortet: »Ich war auch nicht ich, bevor ich diesen Job übernommen habe.«
Zwar entscheidet der WJC demokratisch über seinen nächsten Präsidenten, doch Lauders Unterstützung dürfte erhebliches Gewicht haben. Namen wollte er nicht nennen. Nach seinen Angaben spricht er mit mehreren bekannten jüdischen Philanthropen aus den USA, die enge Verbindungen zu Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft pflegen.
Bildung als Priorität
Neben der Nachfolge beschäftigt Lauder vor allem die Zukunft jüdischer Bildung. Er kritisierte, dass sich viele vermögende Juden zwar philanthropisch engagierten, jedoch zu wenig Geld in Schulen investierten. »Wir verlieren eine ganze Generation von Kindern«, warnte er. Menschen in ihren Dreißigern und Vierzigern mit großem Vermögen müssten Bildung zu ihrer Priorität machen.
Lauder gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des internationalen Judentums. Als Präsident des WJC, Gründer der Ronald S. Lauder Foundation und ehemaliger US-Botschafter in Österreich hat er über Jahrzehnte jüdische Gemeinden, Schulen und Bildungseinrichtungen unterstützt. Nach eigenen Angaben flossen rund 750 Millionen Dollar in den Aufbau und Betrieb von Schulen, Ferienlagern und Senioreneinrichtungen, vor allem in Mittel- und Osteuropa.
Sein Engagement begann Ende der 1980er Jahre während seiner Zeit als Botschafter in Wien. Der Boykott der Amtseinführung des damaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim wegen dessen NS-Vergangenheit sei ein Wendepunkt gewesen. Kurz darauf entschloss sich Lauder, in Wien eine jüdische Schule für Kinder sowjetischer Einwanderer aufzubauen. Daraus entwickelte sich ein Netzwerk von rund 30 Schulen in Osteuropa.
Unzureichende Öffentlichkeitsarbeit
Inzwischen will Lauder diese Einrichtungen schrittweise unabhängiger von seiner eigenen Finanzierung machen. Eltern und lokale Unterstützer müssten künftig stärker Verantwortung übernehmen, damit die Schulen langfristig bestehen könnten.
Ein weiteres großes Anliegen ist für Lauder das internationale Ansehen Israels. Er hält die Öffentlichkeitsarbeit des jüdischen Staates für unzureichend und fordert milliardenschwere Investitionen privater Geldgeber in professionelle Kommunikationsarbeit. Israel dürfe seinen Gegnern nicht länger das Feld überlassen, wenn es um die öffentliche Wahrnehmung gehe.
Politisch hält Lauder trotz der aktuellen Lage weiterhin an einer Zweistaatenlösung fest. Er betonte, regelmäßig Gespräche mit Akteuren im Nahen Osten zu führen und sich weiterhin für eine politische Perspektive zwischen Israelis und Palästinensern einzusetzen. Gleichzeitig äußerte er sich äußerst skeptisch gegenüber dem iranischen Regime und warnte davor, dessen Bedrohung für Israel und die internationale Sicherheit zu unterschätzen.
Für Lauder bleibt jedoch die Stärkung jüdischer Identität das zentrale Zukunftsprojekt. Eine fundierte jüdische Bildung sei der wirksamste Schutz gegen Assimilation und Antisemitismus. Nur wenn junge Menschen ein starkes Bewusstsein für ihre jüdische Identität entwickelten, könne die Gemeinschaft auch langfristig bestehen. ja