Wenn am Samstagabend bei der Fußball-WM der Männer das Viertelfinal-Spiel zwischen Norwegen und England angepfiffen wird, wird der Israeli Omer Shem Tov nicht nur den Skandinaviern die Daumen drücken, sondern auch auf viele Tore seines Lieblingskickers Erling Haaland hoffen. Zumal er im April 2025 etwas erlebte, um das ihn viele Fans beneiden dürften: Haaland rief ihn an und erkundigte sich, wie es ihm gehe.
Omer Shem Tov hatte nämlich zu den auf dem Nova-Festival Entführten gehört und war 505 Tage lang in Gaza als Geisel festgehalten worden.
Sie sind wohl vorbei, die Zeiten, in denen es bei Weltmeisterschaften einfach nur um verpasste Chancen, Traumtore, enttäuscht weinende Stars und glücksstrahlende Außenseiter ging.
Genau deswegen wurde aus dem Anruf keine der üblichen rührenden Geschichten über einen Fan, der Schreckliches erlebte, und sein mitfühlendes Idol.
Israelis haben schließlich, findet jedenfalls die internationale Antisemiteria, keinerlei Empathie verdient, und wer es wagt, das anders zu sehen, gehört bestraft.
Und so wurde in einer eigens für die WM zurechtgefälschten Version des Videocalls aus dem gutmütigen und liebenswürdigen Fußballstar ein blutrünstiger Zionist – drunter machen sie es schließlich nicht –, der Shem Tov angeblich dazu gratulierte, als Soldat Palästinenser ermordet zu haben.
Hatte er ja aber auch verdient, der Haaland, zumal er sich im Gegensatz zu manchen propalästinensischen Mannschaftskollegen anlässlich des WM-Qualifikationsspiels gegen Israel nicht zum Gazakrieg äußern wollte. Er als Fußballer sollte dazu nichts sagen, hatte er damals erklärt.
Sie sind wohl vorbei, die Zeiten, in denen es bei Fußball-Weltmeisterschaften einfach nur um verpasste Chancen, Traumtore, umstrittene Elfmeterentscheidungen, enttäuscht weinende Stars und glücksstrahlende Außenseiter ging.
Und so ist auch der Schiedsrichter in der Fußballwelt der Antisemiten nicht mehr einfach bloß unfähig oder blind. Sondern, natürlich, Jude, jedenfalls, wenn in einem von ihm geleiteten Spiel die eigene Mannschaft verliert. Kann ja schließlich nicht sein, dass der Gegner einfach besser war, nein, nein, es muss sich um eine infame Verschwörung handeln.
Die angebliche jüdische Fußballverschwörung
Entsprechend wurden nach der Achtelfinal-Niederlage des Underdogs Ägypten gegen Argentinien nicht nur Korruptionsvorwürfe erhoben, sondern der französische Schiedsrichter François Letexier kurzerhand zum Juden erklärt, der für das Weiterkommen des »Zionisten Messi« sorgte. Und sein englischer Wikipedia-Eintrag um den (mittlerweile wieder entfernten) Vermerk ergänzt, dass er »in eine jüdisch-orthodoxe Familie geboren« worden sei.
Screenshots dieser Fälschung kursieren immer noch als Beleg für die große jüdische Fußballverschwörung, mittlerweile gern versehen mit dem Hinweis, dass »die Zios« für die Löschung der Wahrheit gesorgt hätten, weil man ihnen auf die Spur gekommen sei. Fußball kann so einfach sein.