Verschwörungsmythen

Norwegens WM-Star Erling Haaland im Visier von Antisemiten

Einzelbild, Single image: Erling Haaland Norway, 9 FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball 2026: Brazil v Norway 05 July 2026, FIFA World Cup 2026: Brazil v Norway Round of 16 at New York New Jersey Stadium in East Rutherford, New Jersey, USA. *** Single image: Erling Haaland, Norway FIFA World Cup 2026: Brazil vs. Norway, July 5, 2026 FIFA World Cup 2026: Brazil vs. Norway, Round of 16, at New York New Jersey Stadium in East Rutherford, New Jersey, USA Copyright: HMBxMedia/xMarcoxBader
Erling Haaland im Norwegen-Trikot Foto: IMAGO/HMB-Media

Wenn am Samstagabend bei der Fußball-WM der Männer das Viertelfinal-Spiel zwischen Norwegen und England angepfiffen wird, wird der Israeli Omer Shem Tov nicht nur den Skandinaviern die Daumen drücken, sondern auch auf viele Tore seines Lieblingskickers Erling Haaland hoffen. Zumal er im April 2025 etwas erlebte, um das ihn viele Fans beneiden dürften: Haaland rief ihn an und erkundigte sich, wie es ihm gehe.

Omer Shem Tov hatte nämlich zu den auf dem Nova-Festival Entführten gehört und war 505 Tage lang in Gaza als Geisel festgehalten worden.

Sie sind wohl vorbei, die Zeiten, in denen es bei Weltmeisterschaften einfach nur um verpasste Chancen, Traumtore, enttäuscht weinende Stars und glücksstrahlende Außenseiter ging.

Genau deswegen wurde aus dem Anruf keine der üblichen rührenden Geschichten über einen Fan, der Schreckliches erlebte, und sein mitfühlendes Idol.

Israelis haben schließlich, findet jedenfalls die internationale Antisemiteria, keinerlei Empathie verdient, und wer es wagt, das anders zu sehen, gehört bestraft.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Und so wurde in einer eigens für die WM zurechtgefälschten Version des Videocalls aus dem gutmütigen und liebenswürdigen Fußballstar ein blutrünstiger Zionist – drunter machen sie es schließlich nicht –, der Shem Tov angeblich dazu gratulierte, als Soldat Palästinenser ermordet zu haben.

Hatte er ja aber auch verdient, der Haaland, zumal er sich im Gegensatz zu manchen propalästinensischen Mannschaftskollegen anlässlich des WM-Qualifikationsspiels gegen Israel nicht zum Gazakrieg äußern wollte. Er als Fußballer sollte dazu nichts sagen, hatte er damals erklärt. 

Lesen Sie auch

Sie sind wohl vorbei, die Zeiten, in denen es bei Fußball-Weltmeisterschaften einfach nur um verpasste Chancen, Traumtore, umstrittene Elfmeterentscheidungen, enttäuscht weinende Stars und glücksstrahlende Außenseiter ging.

Und so ist auch der Schiedsrichter in der Fußballwelt der Antisemiten nicht mehr einfach bloß unfähig oder blind. Sondern, natürlich, Jude, jedenfalls, wenn in einem von ihm geleiteten Spiel die eigene Mannschaft verliert. Kann ja schließlich nicht sein, dass der Gegner einfach besser war, nein, nein, es muss sich um eine infame Verschwörung handeln.

Die angebliche jüdische Fußballverschwörung

Entsprechend wurden nach der Achtelfinal-Niederlage des Underdogs Ägypten gegen Argentinien nicht nur Korruptionsvorwürfe erhoben, sondern der französische Schiedsrichter François Letexier kurzerhand zum Juden erklärt, der für das Weiterkommen des »Zionisten Messi« sorgte. Und sein englischer Wikipedia-Eintrag um den (mittlerweile wieder entfernten) Vermerk ergänzt, dass er »in eine jüdisch-orthodoxe Familie geboren« worden sei.

Screenshots dieser Fälschung kursieren immer noch als Beleg für die große jüdische Fußballverschwörung, mittlerweile gern versehen mit dem Hinweis, dass »die Zios« für die Löschung der Wahrheit gesorgt hätten, weil man ihnen auf die Spur gekommen sei. Fußball kann so einfach sein.

Österreich

»Die schönste Synagoge der Welt«

Nach aufwendiger Renovierung wurde der Wiener Stadttempel feierlich wiedereröffnet

von Stefan Schocher  08.10.2026

7. Oktober

London: Maskierte Aktivisten protestieren gegen jüdischen Dachverband

Antiisraelische Aktivisten haben den Jahrestag des 7. Oktober 2023 zum Anlass genommen, das Board of Deputies of British Jews verbal anzugreifen. Es gab mehrere Festnahmen

 07.10.2026

Top 50

Die einflussreichsten Juden

Wie in jedem Jahr hat die »Jerusalem Post« ihr Ranking veröffentlicht – mit mehr Frauen und Gruppenplätzen

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Meinung

Seht her, Berlin und New York: Es geht auch anders

Gerade am 7. Oktober wäre von linker Seite mehr Feingefühl zu erwarten. Zürich zeigt es diesmal vor.

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Fußball

Boykott gegen Israel – schließt sich das Schweizer Frauennationalteam den irischen Männern an?

Der Schweizerische Fußballverband reagierte offen, betonte jedoch, dass der Sport im Zentrum stehen solle

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Schweiz

Leerstellen im Mengele-Dossier

Nicht nur geschwärzte Namen sorgen im Mengele-Dossier des Nachrichtendienstes für Fragen. Auch wichtige Unterlagen fehlen – und niemand kann heute mehr genau erklären, warum.

von Nicole Dreyfus  06.10.2026

Großbritannien

»Die Grünen sind jetzt eine extremistische Partei«

Ein Parteitagsbeschluss der englischen Grünen, in dem der Zionismus als eine Spielart des Rassismus bezeichnet und zur Befreiung Palästinas aufgerufen wird, ist nicht nur in Großbritannien auf heftige Kritik gestoßen

 05.10.2026

Nachruf

Weimer würdigt gestorbene Holocaust-Überlebende Irene Butter

Eine weitere jüdische Zeitzeugin des Holocaust ist tot. Irene Butter starb im Alter von 95 Jahren in den USA. Lange hatte sie nichts von ihren Erlebnissen im KZ erzählt. Dann berichtete sie jahrzehntelang Schülern von ihrem Leben

von Christoph Arens  05.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026