Brüssel

Autorinnen canceln Auftritt wegen geplantem Konzert von Lahav Shani

Ist in Brüssel umstritten: Dirigent Lahav Shani Foto: IMAGO/SEPA.Media

Im November sollen Lahav Shani und die Münchner Philharmoniker im Brüsseler Konzerthaus Bozar Dmitri Schostakowitschs erstes Violinkonzert und Modest Mussorgskys »Bilder einer Ausstellung« zur Aufführung bringen. Doch weil der neue Chefdirigent des Orchesters Israeli ist und zuvor als Musikdirektor beim Israel Philharmonic Orchestra tätig war, gibt es seit einigen Monaten massiven Druck auf die Verantwortlichen in Brüssel, den Auftritt Shanis zu canceln.

Im April traten mehrere Mitglieder des Bozar-Verwaltungsrates aus Protest zurück. Anfang Mai bezeichnete der Vorsitzende der flämischen Grünen, Aimen Horch, das geplante Konzert als »völlig unangemessen« und bezichtigte den Maestro, er sei »kultureller Botschafter eines Regimes, das Völkermord begeht und illegale Kriege führt, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden«.

Louisa YousfiFoto: IMAGO/opale.photo

Jetzt wurde bekannt, dass auch andere Kulturschaffende das Bozar boykottieren wollen. Wie die Online-Zeitung »Bruxelles Today« berichtete, wollen die Journalistin und Literaturkritikerin Louisa Yousfi und die Intellektuelle und Anglistik-Professorin Maboula Soumahoro nicht wie geplant am 30. September im Bozar auftreten.

Bozar-Direktor nennt Debatte um Boykott Israels legitim

An diesem Datum sollte eigentlich eine Diskussionsveranstaltung zwischen den beiden Französinnen stattfinden zum Thema »Wie kann man sich durch das Schreiben vom vorherrschenden weißen Blick befreien?« In den sozialen Netzwerken gab Yousfi nun bekannt, sie habe sich ebenso wie Maboula Soumahoro entschlossen, dem Aufruf der BDS-Kampagne Folge zu leisten und ihr Kommen nach Brüssel Ende September abzusagen.

Maboula SoumahoroFoto: IMAGO/Bestimage

Ihrer Ansicht nach trage Lahav Shani »maßgeblich zur internationalen Ausstrahlung des Staates Israel und zur Ausübung seiner Soft Power bei. Auch wenn er hier als Dirigent eines anderen Orchesters zu Gast ist, bleibt er heute einer der wichtigsten kulturellen Botschafter seines Staates.« Ihre Entscheidung richte sich nicht gegen die Mitarbeiter des Konzerthauses, fügte sie an, sondern vielmehr »gegen eine institutionelle Entscheidung, deren politische Tragweite wir nicht ignorieren können«.

Bozar-Geschäftsführer Christophe Slagmuylder brachte sein Bedauern zum Ausdruck, dass das Konzert der Münchner Philharmoniker unter Leitung Shanis Anlass zur Polarisierung gebe. Er sprach ebenfalls von einem »Völkermord« in Gaza und bezeichnete die Debatte um einen kulturellen Boykott Israels als »legitim«.

Lesen Sie auch

Slagmuylder betonte aber: »Lahav Shani ist nicht als Vertreter Israels hier, sondern als Dirigent eines deutschen Orchesters. Wir halten es für unangebracht, ihn als einzelnen Künstler mit der Propaganda oder den politischen Positionen einer Regierung gleichzusetzen.« Er erinnerte außerdem daran, dass Shani sich wiederholt gegen Krieg und Gewalt ausgesprochen habe. mth

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

USA

Aus dem »Deep Shtetl« zur »New York Times«

Yair Rosenberg soll es richten. Der Journalist schreibt fortan über jüdisches Leben und Antisemitismus in den Vereinigten Staaten

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

Nachruf

Louise Lasser, die Frau, die Mary Hartman erfand, ist tot

Die Schauspielerin vertrat Barbra Streisand auf dem Broadway und war mit Woody Allen verheiratet. Sie wurde 87 Jahre alt

 08.07.2026

50 Jahre in Deutschland

»Die Deutschen haben aus ihrer Geschichte gelernt«

Was ist typisch deutsch, was typisch amerikanisch? Holly-Jane Rahlens kennt sich mit beiden Nationen aus. Die Autorin lebt seit mehr als 50 Jahren in Berlin

von Nina Schmedding  08.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Spanien

Bericht: Jüdische Touristen von Menschenmenge verfolgt

Erneut ist es in Barcelona zu einem antisemitischen Vorfall gekommen: Zwei jüdische Touristen wurden eigenen Aussagen zufolge von mehreren Menschen verfolgt, bespuckt und beleidigt

 07.07.2026

Religionsfreiheit

Oberrabbiner sieht religiöse Praktiken europaweit unter Druck

Bei einem Symposium in Amberg diskutierten Politiker, Vertreter von Religionsgemeinschaften und Juristen über die Einschränkungen der Religionsfreiheit

von Christoph Renzikowski  05.07.2026

Terrorismus

In diesem Land gibt es keinen Platz für Islamisten. Sie sollten konsequent abgeschoben werden

Eine Klarstellung

von Jessie Katz  05.07.2026

Ungarn

Ein Löffel Paprika, eine Prise Identität

Lili Lantos präsentiert auf Instagram ihr digitales Kochbuch mit jüdischen Familienrezepten. Dabei schafft sie Nähe, ohne viele Worte zu verlieren

von Nicole Dreyfus  05.07.2026