Der beste Fußballer der Welt hat eine Verbindung zu Israel qua Geburt. Das liegt an der Adresse seines Geburtshauses: Schließlich erblickte Lionel Messi das Licht der Welt in der Staat-Israel-Straße 409 in der Stadt Rosario im Zentrum Argentiniens. Dort lernte er Fußballspielen und Beten, denn Messi ist – anders als Online-Gerüchte unzufriedener und offensichtlich hasserfüllter Fans anderer besiegter Mannschaften immer wieder rumoren - nicht jüdisch, sondern Katholik, wie nach jedem Tor zu sehen ist, wenn er sich bekreuzigt und gen Himmel blickt.
Nichtsdestotrotz war der meistausgezeichnete Ballakrobat bereits mehrfach in Israel. Mal zum Training, mal zu Freundschaftsspielen. 2013 besucht er, damals beim FC Barcelona, sogar die Kotel, um seinen sehnlichsten Wunsch auf einem Zettel zwischen die heiligen Steine zu schieben. Sollten sie mit Fußball zu tun gehabt haben, sind sie wohl alle in Erfüllung gegangen.
Es fehlte das Logo
Doch soll es hier nicht nur um Messi gehen, sondern um die gesamte argentinische Nationalmannschaft, genauer gesagt deren Trikots. Denn bei denen hat jüdische Vorstellungskraft eine entscheidende Rolle gespielt.
Wie die »Jewish Telegraph Agency« (JTA) berichtet, war es ein Jude aus Buenos Aires, dem Mitte der 70er-Jahre auffiel, dass alle anderen Fußballteams leicht erkennbare Wappen auf ihren Spielshirts trugen, nur die Argentinier nicht. Also hat Norberto »Toto« Rud, selbst begeisterter Fußballer und Mitglied des jüdischen Clubs Náutico Hacoaj, eines erfunden.
Genauer gesagt schickte der damals 27-Jährige 1976 gleich 20 Entwürfe an den argentinischen Fußballverband mit dem Hinweis, dass so auch die argentinische Mannschaft im damals noch verbreiteten Schwarzweiß-Fernsehen besser zu erkennen sei. Laut dem Bericht von »JTA« ein Argument, das den Präsidenten und den Vorstand überzeugte. Am 28. November 1976 liefen die Argentinier im Freundschaftsspiel gegen die Sowjetunion in Buenos Aires erstmals mit dem Logo auf dem Trikot aufs Spielfeld: ein Wappenschild, von Sternen bekränzt und unten von Lorbeerzweigen umrankt, mit den Buchstaben AFA in der Mitte, für Asociación del Fútbol Argentino. Seitdem hat sich das Logo kaum verändert und wurde und wird nicht nur von Diego Maradona, Messi und der Nationalmannschaft, sondern auch von Millionen Fans auf aller Welt getragen.
Den dritten Weltmeistertitel seiner Mannschaft und Messis unaufhaltsamen Aufstieg hat Rud tragischerweise nicht mehr erlebt. Wie »JTA« berichtet, starb er 2010 im Alter von nur 61 Jahren und wurde in La Tablada in Buenos Aires beigesetzt, dem größten jüdischen Friedhof Lateinamerikas. Doch bleibt er auch wegen seines Wappens unvergesslich. »Jedes Mal, wenn ich es sehe, staune ich«, zitiert der Bericht Ruds Sohn Oliver. »Als Sohn und Mitglied der jüdischen Gemeinde sowie als Argentinier macht mich das sehr stolz.«
Der Spross erzählt auch, dass die Mutter seines Vaters einst aus der Ukraine nach Argentinien gekommen sei – ein Weg, den jüdische Einwanderer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig nahmen. Die haben im Jahr 1935 denn auch den Club Hacoaj (von hebräisch Hakoach, Stärke) gegründet, der heute rund 10.000 Mitglieder zählen soll.
Der jüdische Teil eines weltweit anerkannten Emblems
Auf dem Gelände des Clubs sei zu Ehren seines Vaters ein Baum gepflanzt worden, fährt der Sohn fort. »Für Hacoaj ist es eine enorme Quelle des Stolzes, dass eines unserer Mitglieder das Wappen des argentinischen Fußballverbands entworfen hat«, wird Vereinspräsident Osvaldo Ofman zitiert. Es gibt uns das Gefühl, dass ein kleiner Teil von Hacoaj und der jüdischen Gemeinde in einem weltweit anerkannten Emblem weiterlebt.»
Und deshalb sind die Spiele Argentiniens während dieser Weltmeisterschaft für Oliver Rud nicht nur eine Gelegenheit, um Messi anzufeuern, sondern auch um sich seinem Vater nahezufühlen.