Australien

»Respekt für Gil«

Gil Ofarim Foto: picture alliance/dpa

Erst kommt das Waschen, dann kommt die Moral. Was das Dschungelcamp an seinem 5. Tag zu Beginn der abendlichen RTL-Übertragung abgeliefert hat, könnte glatt schon hart an die großen Brecht’schen Dramen heranreichen. Einzige Voraussetzung für diesen gewagten Befund: Wir sollten in dem Trashspektakel ein soziales Ereignis erkennen wollen.

Fangen wir mit dem Waschen an. Ariel, die vieles in diesem Camp ganz schlimm findet, hatte sich dieses Mal über die Handtücher beschwert: Ihres rieche nach Schweiß, der nicht der ihre sei. Folglich müsse sich wohl einer der Mitcamper mit ihrem Frottee abgetrocknet haben. Vor dieser Schimpfkanonade hatte sich Ariel bekanntlich schon über viele beschwert, nicht zuletzt, dass Gil Ofarim ein »Verbrecher« sei.

Der so beschimpfte Gil gehört gleichwohl zu den Campern, die, ähnlich wie Ariel, die dauernde Nässe im Camp, die sich nicht zuletzt in den muffig gewordenen Handtüchern niederschlägt, nicht mögen. Folglich wandten sich beide unabhängig voneinander via »Dschungeltelefon« an RTL. Ariel drohte mit Abbruch, Gil bat um »eine Runde Handtücher für die gesamte Crew«. Während Ariel noch zeterte, versorgte Gil schon die Kollegen mit frisch gewaschenen Handtüchern.

Fressen vor Moral

Bei Bertolt Brecht ist es bekanntlich nicht das Waschen, sondern das Fressen, das vor der Moral kommt. Ethik, Hygiene, Ernährung — wenn das mal nicht große Themen des menschlichen Lebens sind!

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In der Campgesellschaft lässt sich tatsächlich Fortschritt feststellen. Erstmals gab es leidlich gutes Essen statt des üblichen Reis mit Bohnen. Zu dem Mahl gehörte sogar ein über dem Feuer gebratenes Ziegenbein, Tomaten und Süßkartoffeln waren auch dabei. Die Camper waren begeistert. Eine »Geschmacksexplosion« erlebte Gil, und Hubert vermisste nur noch ein Eierlikörchen.

Und Moral? Samira befragte bei der Nachtwache Gil. »Du ziehst dich sehr zurück«, meinte sie mit Blick auf dessen Verhalten im Camp. Der schaute überrascht. »Stört euch das?« Samira sah es so: »Krass, dass du dich dem ganzen so aussetzt.« Nämlich sich Vorwürfe anhören und darauf nicht antworten zu dürfen oder zu wollen — Stichwort Verschwiegenheitserklärung.

»Genügend Shit«

»Es wirkt relativ ehrlich, was er so sagt«, gab Stephen Dürr über Gil zum Besten, und es fällt wirklich schwer, ob das Wörtchen »relativ« eine Distanzierung ist oder ob es einfach nur eine umgangssprachliche Wendung ohne weitere Bedeutung ist. Simone Ballack gab über Gil zu bedenken: »Der hat echt genügend Shit mitgekriegt.« Und sie sprach ein Fazit, das in den ersten Dschungeltagen so nicht am Lagerfeuer zu hören gewesen wäre: »Es sind immer noch Menschen. Ich feier’ das nicht. Ich bin nicht mit ihm befreundet, aber ich werde ihn nicht fertigmachen.«

Das wäre ja eine Formulierung, der niemand so richtig widersprechen mag, aber dann würde ja der Kern des Sendekonzepts zu kurz kommen. Also braucht die Show Rückschritt, und der beginnt beim Essen. In der Dschungelprüfung gab es entsprechend den showüblichen Ekel, den die drei Streitprotagonisten Ariel, Eva und Gil schlucken mussten, was Gil auch gelang: Krokodilsauge, Kamelhirn, Kuhurin und Entenblut. Fortschritt sollte anders schmecken.

Diesem Fraß folgte der Rollback in Fragen der Moral. »Respekt für Gil«, sagte Ariel, nachdem der alles gegessen hatte, doch fügte hinzu: »auch wenn ich ihn nicht leiden kann.« Später sagte sie: »Ich bin froh, dass in meiner Familie kein Verbrecher ist, das ist meine Meinung.«

Es ist wie im Leben des Jahres 2026. In bestimmten Fragen waren wir schon mal weiter.

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