Kommentar

Ein Schmock kommt selten allein

Gil Ofarim hat geschafft, was noch keinem gelungen ist: Zum ersten Mal in unserem Leben haben meine Mutter (85) und ich uns das »Dschungelcamp« auf RTL angetan. Schließlich wollten wir – wie noch ein paar andere Juden in Deutschland – wissen, wie der Sänger und Schauspieler sich zur »Davidstern-Affäre« im Leipziger Westin-Hotel äußern würde.

Aber was hatten wir erwartet? Dass Gil Ofarim unter Tränen eingestehen würde, dem Hotelmitarbeiter W. Unrecht getan zu haben, als er 2021 in einem Video behauptete, dieser habe ihm beim Einchecken geraten, seinen Stern wegzupacken? Stattdessen berief sich der Sänger wortkarg auf eine ominöse Verschwiegenheitserklärung und fiel unangenehm als Macker auf, als er die 22 Jahre alte Dschungel-Teilnehmerin Ariel »Mäusele« nannte. Wenig gelungen auch seine Bemerkung, das Bungee-Springen sei für ihn gewesen »wie ein Quickie im Club«.

Womöglich hat sich Ofarim eine emotionale Reue-Bezeugung bis zum Schluss der Show aufgehoben. Er wolle zeigen, was ihn wirklich ausmache, beteuerte er im Camp: Bisher wirkte er allerdings aalglatt. Meine Mutter hat die Dschungel-Prüfung nicht bestanden – sie ist nach der ersten Folge ausgestiegen.

Lesen Sie auch

Vielleicht ist Gil Ofarim einfach nur ein Schmock? Am Lagerfeuer wäre als solcher er in bester Gesellschaft. Jedenfalls ist der Sohn von Abi Ofarim kein Verbrecher, wie Reality-Star Ariel ihm in der Rolle der selbst ernannten Rächerin an den Kopf geworfen hat. Schließlich entging er durch die Zahlung von 10.000 Euro an die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig und das Haus der Wannsee-Konferenz einer Verurteilung wegen Verleumdung und Falschbehauptung. Das Verfahren wurde eingestellt.

Doch Ofarim ruft durch seinen Dschungelcamp-Auftritt erneut einen Vorfall ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, der Erlebnisse wirklicher Opfer von Antisemitismus unglaubwürdig erscheinen lassen könnte. Welche Lehren er aus seiner Lüge gezogen hat? Offenbar keine. Außer, dass sich Geld damit verdienen lässt.

goldmann@juedische-allgemeine.de

»Dschungelcamp 2026: Ich bin ein Star, holt mich hier raus!« bis 9. Februar 2026 um 20.15 Uhr auf RTL und RTL +

Heidelberg

Hüter des Gedächtnisses

Im Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden liegt alles, was jüdische Gemeinden seit 1945 in Deutschland an Dokumenten produziert haben. Jens Hoppe, der Leiter der Einrichtung, sichert die Zukunft der Bestände

von Eugen El  19.08.2026

Programm

Ein Moped-Gottesdienst, Kaffee, Kuchen und ein Zirkus-Koffer in Frankfurt: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 20. August bis zum 27. August

 19.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 19.08.2026

Film

25 Jahre »A.I.«: Odyssee eines Roboter-Jungen

Ein Vierteljahrhundert ist Spielbergs Film »A.I. – Künstliche Intelligenz« jetzt alt. Das Werk ist extrem rührselig, aber dennoch sehenswert. Und es wirft Fragen auf, die auch 2026 sehr relevant sind

von Gregor Tholl  19.08.2026

Film

Überraschend witzige Geschichte über Begehren und Scham

In der Slasher-Satire »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« von Jane Schoenbrun spritzt Blut, Gillian Anderson flirtet und eine junge Regisseurin versucht, ihre eigene Lust zu verstehen

von Shireen Broszies  19.08.2026

Frankfurt am Main

Friedenspreis: Mirjam Zadoff hält Laudatio auf Philipp Sands

Der Menschenrechtsanwalt Philippe Sands erhält eine der angesehensten Auszeichnungen Deutschlands. Nun wurde die Laudatorin bekanntgegeben

 19.08.2026

Rezension

Antidot gegen Lüge und Vernebelung

Richard Herzinger war ein lebenslanger Streiter gegen Antisemitismus jeglicher Couleur. Ein Auswahlband seiner Texte zeigt ihn nun einmal mehr als einen wortmächtig-analytischen Solitär

von Marko Martin  19.08.2026

Kino

»Hiddensee« - Ein Inselparadies, nicht frei von Widersprüchen

Punk am Strand, Kunst und Politik im Laufe der Zeit - eine Doku über die Ostseeinsel Hiddensee und ihre wechselvolle Geschichte

von Kira Taszman  18.08.2026

Filmpreis

Sophie von der Tann übernimmt Partnerschaft für »Deutschen Menschenrechts-Filmpreis«

Die umstrittene ehemalige ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann übernimmt die Patronage für die aktuelle Ausgabe des »Menschenrechts-Filmpreis«

 18.08.2026