Fernsehen

Und dann sagt Gil Ofarim: »Jetzt habe ich ein bisschen was kapiert«

Gil Ofarim (Archiv) Foto: picture alliance / ABBfoto

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Und dann sagt Gil Ofarim: »Jetzt habe ich ein bisschen was kapiert«

Am 4. Tag im Dschungelcamp spielte sich alles ab, wofür der Begriff »Fremdschämen« erfunden wurde

von Martin Krauß  26.01.2026 23:39 Uhr

Einerseits wäre Abschalten vielleicht richtig gewesen. In dem Halbkreis, den RTL für seine B-Promis in dieser Schneise im australischen Dschungel rund ums Lagerfeuer und die Hängematten und Feldbetten aufgebaut hat, spielte sich am 4. Dschungeltag alles ab, wofür der Begriff »Fremdschämen« erfunden wurde. Nacherzählen möchte ich die Streitereien auf keinen Fall, nicht einmal andeuten mag ich, worüber da gestritten wurde.

Andererseits: Dranbleiben war auch nicht falsch. Oder wenigstens sollte man nach einer Weile wieder zurück zur RTL-Show zappen. Wer sich da angebrüllt hatte, waren drei Frauen, die allesamt den Beruf »Reality-TV-Darstellerin« ausüben. Wer da nicht mitschreien wollte, zog sich zurück.

»Jetzt habe ich ein bisschen was kapiert«, sagte Gil Ofarim. Vielleicht zum ersten Mal in dieser Staffel kam uns der schon vorher so heftig angefeindete Musiker nicht als singulärer Buhmann daher, sondern als Teil einer Gruppe.

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Das Gros derer, die weggingen, waren solche, die sich als Künstler verstehen — Schauspieler, Musiker, älter als die anderen. Schaut man jedoch genau hin, sind es im Wesentlichen Prominente, deren Bekanntheit sich ihrer Familie verdankt: die Tochter von Grit Böttcher (Nicole), der Sohn Hardy Krüger (Hardy), die Ex-Frau von Sky du Mont (Mirja) und die von Michael Ballack (Simone) und natürlich auch der Sohn von Abi Ofarim (Gil).

Glatt könnte man behaupten, die hätten ja außer einem berühmten Namen nichts vorzuweisen. Ich weiß, der Vorwurf wäre falsch und ungerecht, weil doch die meisten von ihnen wirklich ihren Beruf ernst nehmen.

Aber doch drängt sich der Vergleich mit der anderen Gruppe auf, den Realitystars. Wenn man denen einmal nicht mit der handelsüblichen Verachtung gegenüber tritt, erkennt man in ihnen Menschen, die sich in einer doch anerkennenswerten Ochsentour durch merkwürdigste Sendeformate hochgearbeitet haben. Die heißen »Frauentausch« oder »Temptation Island«, »Bachelor« oder »Forsthaus Rampensau«, »Couple Challenge« oder »Das große Promibüßen«, »Das Sommerhaus der Stars« oder »Promis unter Palmen«. Das Dschungelcamp ist und bleibt aber die »Königsklasse im Reality-TV«, wie RTL selbstbewusst das Dschungelcamp bewirbt.

»Das ist wirklich ein Beruf«, sagt Nicole, und sie meint das so, wie es sich anhört: Ein wenig fremdelt sie mit den Reality-TV-Darstellern, ein wenig hat sie auch Anerkennung vor dem, was die Kandidatenkollegen da leisten. »Dass man sein Leben so öffentlich macht«, wundert sich Hardy, »mit Schauspielerei hat das nichts mehr zu tun.« Auch in seinem Satz schwingt noch ein bisschen Respekt vor dem so fremden Phänomen mit.

Wir sollten dem Dschungelcamp dankbar sein, dass es uns Wissen über diese Gesellschaft vermittelt: Wir lernen viel über einen Traum vom Lebensglück, den sich nicht gerade wenige Menschen nur in der Öffentlichkeit vorstellen können, im Fernsehen, auf dem Roten Teppich, in Followerzahlen, in dem, was medial so gerne als einzig interessantes Leben dargestellt wird.

Es stellt sich die interessante Frage: Sind die im Dschungelcamp versammelten »Reality-TV-Darsteller« wirklich eine Gruppe, auf die man hämisch hinabschauen darf? Ist es nicht viel mehr so, dass die sehr hart arbeiten müssen, für das, was sie als ihr Glück erreichen wollen?

Das mag, ich geb’s zu, ein merkwürdiger Lebensentwurf sein, einer der viel mit Narzissmus zu tun hat, aber — Hand aufs Herz — ist das bei Schauspielern, Musikern oder Fernsehmoderatoren wirklich sooooo sehr anders?

Die Show geht ja zum Glück weiter. Wir lernen weiter.

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