Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

Szene aus der 5. Staffel von »Babylon Berlin«: Elisabeth Behnke (Fritzi Haberlandt, Mitte) versucht zwischen der KPD-Politikerin Völcker (Jördis Triebel, li.) und der SPD-Politikerin Rosa Helfers (Jenny Schilly, re.) zu vermitteln. Foto: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film

Was war das damals für eine Sensation, eine Serie aus Deutschland, über die selbst die »New York Times« berichtete. Das deutsche Fernsehen hatte bis dahin noch keine aufwendigere Produktion gesehen als »Babylon Berlin«. Kriminalkommissar Gereon Rath navigiert sich darin durch das Berlin der späten 1920-er und frühen 30er-Jahre. Nach fast einem Jahrzehnt endet die Serie nun.

Die finale Staffel kann man ab heute (10. September) in der ARD-Mediathek sehen und am 19. und 25. September im Ersten. Die Serie startete spektakulär und wurde international erfolgreich.

Warum machte »Babylon Berlin« Furore?

Als die Serie 2017 erschien, war sie mit einem Budget von fast 40 Millionen Euro für die ersten beiden Staffeln das bis dahin teuerste deutsche Serienprojekt. Die Geschichte beruht auf Romanen von Volker Kutscher und lässt den Mythos Berlin, die Zeit der Weimarer Republik mit Liebe zum Detail aufleben. Millionen Menschen schauten die Serie, die in mehr als 140 Länder verkauft wurde.

Besonders war, dass sich die Serie ungewöhnlich komplexe Handlungsstränge erlaubte und mit aufwendigen Bildern die politischen Entwicklungen bis zum Aufstieg der Nationalsozialisten erzählte. Bisher gibt es vier Staffeln, in denen die beiden Hauptfiguren Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) Kriminalfälle lösen. Nun kommt die Fünfte.Worum geht es in der neuen Staffel?

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Die neue Staffel beginnt mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler Anfang 1933 und erzählt vom Machtkampf, der zwischen seinen Gegnern und Unterstützern ausbricht. Die Ermittler stoßen dabei auf eine Reihe von Todesfällen. Bald deutet sich an, dass sie zusammenhängen könnten - und dass eine Krankengeschichte mit politischer Sprengkraft vertuscht werden soll.

Die acht neuen Folgen erzählen, wie die Nationalsozialisten das Land umbauen, wie immer mehr Menschen verschwinden und verhaftet werden. Wie gewaltig die Veränderungen sind, zeigt sich in vielen Nebengeschichten. An den Journalisten etwa, die versuchen, Hitler noch durch einen Zusammenschluss linker Parteien aufzuhalten. Oder am Polizeifotografen Reinhold Gräf (Christian Friedel), der eine ganz besondere Geschichte hat.

Die letzte Staffel beruht lose auf Volker Kutschers Roman »Märzgefallene«

Die letzte Staffel beruht lose auf Kutschers Roman »Märzgefallene«, porträtiert erneut die kompliziert schöne Stadt Berlin und nimmt einen auch mit zum Kölner Karneval und ins Pariser Nachtleben. Sie mischt dabei historische Ereignisse mit jeder Menge Fiktion. Kommissar Rath etwa begibt sich mit anderen auf eine Mission, um Hitler doch noch zu stoppen.Wer spielt sonst mit?

Schauspieler Lars Eidinger spielt erneut den Industriellen Alfred Nyssen und Fritzi Haberlandt die Zimmerwirtin Elisabeth Behnke, die diesmal besondere Pläne einfädelt. Martin Wuttke ist als Chefredakteur zu sehen und Jens Harzer übernimmt die Rolle von Anno - Raths verschwundenem Bruder, den er im Ersten Weltkrieg zurückgelassen hatte. 

Neu dabei sind Clemens Schick als Hitler und Devid Striesow als dessen Minister Hermann Göring. Nach Angaben des Filmteams sollten beide Figuren möglichst wenig gezeigt, die historischen Umwälzungen stattdessen aus der Mitte heraus oder aus ungewöhnlichen Perspektiven erzählt werden. Gezeigt wird Hitler dann auch vor allem in Rückblenden auf das Jahr 1918, in einem Lazarett für verwundete Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg.

Anders als bei den bisherigen Staffeln ist der Streaminganbieter Sky nicht mehr dabei

Anders als bei den bisherigen Staffeln ist der Streaminganbieter Sky nicht mehr dabei. Das Unternehmen hatte entschieden, nicht mehr in eigenproduzierte Fiction zu investieren. Dass die öffentlich-rechtliche ARD und der Bezahlsender das teure Projekt lange gemeinsam stemmten, war ein Novum.Ist das ein würdiger Abschluss?

Eines kann man vorwegnehmen - auch nach mehreren Jahren Pause zieht einen »Babylon Berlin« noch in seinen Bann. Die Macher Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten verpassen es nicht, an den Anfang der Serie anzuknüpfen, etwa indem das ikonische Titellied diesmal von der französischen Sängerin Zaho de Sagazan gesungen wird (»Zu Asche, zu Staub, dem Licht geraubt, doch noch nicht jetzt, Wunder warten bis zuletzt«).

Zwischenzeitlich hatte sich die Serie etwas verloren, manchmal kam man bei den vielen Parallelgeschichten nicht mehr mit. Das ist diesmal besser gelöst und manche Fäden werden zusammengeführt. Das opulente Szenenbild und die Kostüme faszinieren noch immer, auch weil sie ein zentrales Kapitel deutscher Geschichte aufleben lassen, das viele heute nur aus Schulbüchern kennen.

Plastisch wird einem vor Augen geführt, wie der Kampf um die Demokratie damals verloren ging und welche katastrophalen Folgen das hatte. Eine Botschaft, die plötzlich wieder aktuell ist. Wenn nun zum Abschluss der großen Seriensaga noch einmal der Titelsong läuft und dazu Luftaufnahmen des zerbombten Berlins eingeblendet werden, dann wird aus dem unheilvollen Blick in die Vergangenheit auch eine Mahnung an die Gegenwart.

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