Walter Koenig, der als Pavel Chekov in der ursprünglichen Fernsehserie »Star Trek« bekannt wurde, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Der Schauspieler starb am Sonntag in seinem Haus in North Hollywood bei Los Angeles, wie das Branchenmagazin »Variety« berichtete. Seine Tochter Danielle und seine Nichte waren demnach an seiner Seite.
In einer Erklärung würdigten seine Vertreter Koenig als Künstler, dessen Arbeit und Persönlichkeit Generationen von Zuschauern geprägt hätten. »Heute trauern wir um Walter Koenig, dessen Talent, Herzlichkeit und unvergessliche Darbietungen bei Fans auf der ganzen Welt bleibende Spuren hinterlassen haben«, hieß es in der Mitteilung. Er sei in hohem Alter friedlich zu Hause gestorben.
Koenig gehörte zu den prägenden Gesichtern des »Star Trek«-Universums. Als Pavel Chekov, der junge Navigationsoffizier an Bord des Raumschiffs Enterprise, trat er in der zweiten Staffel der Originalserie auf. Die Figur sollte insbesondere jüngere Zuschauer ansprechen. Mit seiner Frisur erinnerte Chekov seinerzeit an Davy Jones, den Sänger der Popgruppe The Monkees.
Humoristische Funktion
Die Figur hatte auch eine humoristische Funktion: Chekov schrieb wichtige Erfindungen und historische Errungenschaften gern Russland zu und parodierte damit die sowjetische Propaganda, die den eigenen Anteil an bedeutenden Entwicklungen häufig übertrieb.
Koenig verkörperte den Offizier nicht nur in der Fernsehserie, die 1969 eingestellt wurde. Er spielte Chekov auch in sieben Kinofilmen der Reihe. Besonders viel Raum erhielt die Figur in »Star Trek II: Der Zorn des Khan« aus dem Jahr 1982, der bis heute zu den beliebtesten Filmen des Franchise zählt.
Auch Jahrzehnte nach seinem ersten Auftritt blieb Koenig der Science-Fiction-Welt treu. 2015 kehrte er in dem unabhängig finanzierten Fernsehfilm »Star Trek: Renegades« als inzwischen zum Admiral aufgestiegener Chekov zurück. Zudem lieh er der Figur in mehreren Videospielen seine Stimme. Für die Zeichentrickserie »Star Trek« schrieb er Anfang der 1970er Jahre die Episode »The Infinite Vulcan«, obwohl Chekov selbst aus Kostengründen nicht zum festen Figurenensemble gehörte.
Zwölf Episoden
Neben »Star Trek« verbanden viele Science-Fiction-Fans Koenig mit einer weiteren bekannten Fernsehserie. In »Babylon 5« spielte er zwischen 1994 und 1998 in zwölf Episoden Alfred Bester, einen skrupellosen Psi-Cop. Die Figur gehörte zu den Gegenspielern der Raumstation-Besatzung und zeigte eine deutlich dunklere Seite des Schauspielers.
Koenigs Laufbahn war jedoch keineswegs auf Science-Fiction beschränkt. Nach dem Ende der ursprünglichen »Star Trek«-Serie übernahm er Gastrollen in zahlreichen Fernsehproduktionen, darunter »Columbo«, »Der Chef« und »Die Unbestechlichen«. In einer Folge von »Columbo« spielte er an der Seite von William Shatner. Später war er unter anderem in der Comedyserie »Futurama« zu hören, in der er sich selbst sprach.
Auch auf der Theaterbühne war Koenig über Jahrzehnte aktiv. Er spielte, führte Regie und unterrichtete Schauspiel. Zu seinen Arbeiten gehörten Inszenierungen von »Becket« und »Die zwölf Geschworenen«. In den frühen 1990er Jahren tourte er mit Mark Lenard, der in »Star Trek« Spocks Vater Sarek verkörperte, in dem Stück »The Boys in Autumn«. Darin begegnen sich Tom Sawyer und Huckleberry Finn im fortgeschrittenen Alter wieder.
Psychologe als Darsteller
Walter Marvin Koenig wurde in Chicago geboren und stammte aus einer Familie russisch-jüdischer Herkunft. Der ursprüngliche Familienname lautete Koenigsberg. Zunächst studierte er am Grinnell College in Iowa und interessierte sich für Medizin. Später wechselte er an die University of California, Los Angeles (UCLA), wo er einen Abschluss in Psychologie erwarb.
Ein Hochschulprofessor ermutigte ihn, sich beruflich der Schauspielerei zu widmen. Koenig setzte seine Ausbildung daraufhin am Neighborhood Playhouse in New York fort. Zu seinen damaligen Mitschülern gehörten Christopher Lloyd, James Caan und Dabney Coleman. Lloyd sollte ihm später in »Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock« erneut begegnen, diesmal als klingonischer Gegenspieler.
Sein erster Fernsehauftritt folgte 1962 in der Serie »Combat!«, zunächst ohne Namensnennung. In den darauffolgenden Jahren sammelte er Erfahrungen in unterschiedlichen Produktionen, bevor ihm die Rolle des Chekov den internationalen Durchbruch verschaffte.
Engagierter Fanliebling
Koenig beschränkte sich nicht auf die Arbeit vor der Kamera. Er schrieb Drehbücher, veröffentlichte Bücher und entwickelte eigene Stoffe. 1980 erschien sein Bericht über die Entstehung des ersten »Star Trek«-Kinofilms unter dem Titel »Chekov’s Enterprise«. 1998 folgte seine autobiografisch geprägte Rückschau »Warped Factors – A Neurotic’s Guide to the Universe«.
Darüber hinaus verfasste er den Science-Fiction-Thriller »InAlienable« aus dem Jahr 2008, in dem er auch selbst mitspielte. Er veröffentlichte außerdem den satirischen Fantasyroman »Buck Alice and the Actor-Robot« und arbeitete an Comics und Graphic Novels. Bei einem Einpersonenstück mit dem Titel »You’re Never Alone When You’re a Schizophrenic«, das er selbst geschrieben und aufgeführt hatte, stand er 1996 im Rahmen des New York Film Festival auf dem Programm.
Seine Verbundenheit mit dem Publikum blieb bis ins hohe Alter bestehen. Bei zahlreichen Fanveranstaltungen begegnete er Anhängern der Serie und pflegte den Austausch mit der »Star Trek«-Gemeinschaft. Seine Vertreter würdigten ausdrücklich diese Nähe zu den Fans: Koenig habe verstanden, welche Bedeutung das Franchise für viele Menschen besitze, und die Gemeinschaft mit Offenheit, Humor und Dankbarkeit angenommen.
Enge Freundschaft
Auch persönlich verband ihn eine enge Freundschaft mit seinem Kollegen George Takei, der in »Star Trek« den Steuermann Hikaru Sulu spielte. Obwohl es in den Anfangsjahren zeitweise Spannungen zwischen den beiden gegeben hatte, wurden sie später enge Freunde. Als Takei 2008 Brad Altman heiratete, war Koenig sein Trauzeuge.
Koenig hinterlässt seine Tochter Danielle, die als Schauspielerin und Autorin arbeitet. Sein Sohn Andrew, Schauspieler und Filmeditor, starb bereits 2010. »Danke, Walter, für die Erinnerungen, die Inspiration und dafür, dass du dorthin vorgestoßen bist, wohin sich nur wenige vorwagen«, hieß es in der Abschiedserklärung von Koenigs Vertetern. im