Die israelische Luftwaffe hat am Sonntag Ziele im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut bombardiert. Nach Angaben der Armee galt der Angriff einem Hauptquartier der Hisbollah im Stadtteil Dahiyeh, der als Hochburg der schiitischen Terrororganisation gilt. Israelische Publikationen berichteten. Libanesischen Medien zufolge kamen bei den Angriffen zwei Menschen ums Leben, mindestens elf weitere wurden verletzt.
Auslöser der Attacke war nach israelischen Angaben ein Raketenangriff der Hisbollah auf Nordisrael am Sonntagmorgen. Die Geschosse seien abgefangen worden, nachdem in mehreren Grenzorten Alarm ausgelöst worden sei. Es handelte sich um die ersten Raketenabschüsse auf Israel seit mehreren Tagen und um einen weiteren Verstoß gegen die zuletzt erneuerte Waffenruhe im Libanon.
Die israelische Armee erklärte später, sie habe nicht nur das Hauptquartier der Terrororganisation getroffen, sondern zuvor auch die Abschussvorrichtungen zerstört, von denen die Raketen abgefeuert worden seien.
Iran kündigt Reaktion an
Fotos vom Ort des Geschehens zeigen schwer beschädigte Wohngebäude. Nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur wurden Wohnungen in zwei verschiedenen Gebäuden getroffen.
Die Angriffe lösten scharfe Reaktionen in Teheran aus. Ebrahim Rezaei, Sprecher des außen- und sicherheitspolitischen Ausschusses des iranischen Parlaments, drohte mit Vergeltung. Auf der Plattform X schrieb er: »Dieser tollwütige Hund (Israel, Anm. d. Red.) muss diszipliniert und an seinen Platz verwiesen werden. Beobachtet heute Nacht den Himmel der besetzten Gebiete.« Auch das den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenportal Saberin berichtete von einer bevorstehenden iranischen Antwort. Diese erfolgte wenig später.
Die ebenfalls vom iranischen Regime unterstützte Terrororganisation Hamas hatte Israel am 7. Oktober 2023 mit Hunderten Raketen angegriffen während Mitglieder Massaker im Süden des jüdischen Staates anrichteten, bei denen 1200 Menschen getötet wurden. Zugleich entführten sie 251 Menschen. Am nächsten Tag begann die Hisbollah mit Raketenangriuffen auf Israel, die seither nie aufhörten.
»Legitime Ziele«
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte zudem, die amerikanische Seeblockade gegen den Iran sowie die angebliche Zustimmung Washingtons zu den Angriffen auf Beirut hätten US-Stützpunkte und israelische Einrichtungen in der Region zu legitimen Zielen gemacht. »Sie halten sich weder an eine Waffenruhe noch glauben sie an Dialog. Mit der Seeblockade und der Verletzung der Vereinbarungen zum Libanon haben sie gezeigt, dass sie nur die Sprache der Stärke verstehen«, schrieb er.
Wenige Stunden vor weiteren Angriffen veröffentlichte die israelische Armee erneut eine Evakuierungsaufforderung für die südlibanesische Küstenstadt Tyros. Bewohner zahlreicher Stadtviertel und Vororte wurden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen und sich nördlich des Flusses Zahrani in Sicherheit zu bringen.
Armeesprecher Avichay Adraee begründete die Maßnahme mit anhaltenden Aktivitäten der Hisbollah. »Angesichts der Verstöße der Hisbollah gegen die Waffenruhe ist die Armee gezwungen, mit Nachdruck gegen die Organisation vorzugehen«, erklärte er. Wer sich in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern, deren Einrichtungen oder Waffen aufhalte, bringe sein Leben in Gefahr.
Reservisten verletzt
Tyros war bereits mehrfach Ziel solcher Warnungen. Zehntausende Menschen haben die Stadt in den vergangenen Wochen verlassen. Nach libanesischen Berichten halten sich jedoch weiterhin mehr als 100.000 Einwohner dort auf.
Die Armee teilte außerdem mit, dass am Vortag vier israelische Reservisten durch eine mit Sprengstoff beladene Drohne der Hisbollah verletzt worden seien. Der Angriff ereignete sich im Südlibanon. Die Soldaten wurden in Krankenhäuser gebracht. Ihr Zustand wurde als mittelschwer beschrieben. Zuvor waren Berichten zufolge zwei IDF-Soldaten bei Kämpfen in derselben Region gefallen.
Vor den Angriffen auf Beirut hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der wöchentlichen Kabinettssitzung angekündigt, Israel werde auf jede Attacke während der Waffenruhe entschlossen reagieren.
Intensivierter Druck
»Wir werden nicht zulassen, dass auf unser Territorium oder unsere Gemeinden geschossen wird, und wir werden entsprechend handeln«, sagte Netanjahu. Gleichzeitig verwies er auf die laufenden Operationen gegen die Infrastruktur der Hisbollah in den grenznahen Dörfern des Südlibanon.
»Wir treffen sie mit großer Härte, und wir wissen, dass sich die Hisbollah auf dem Rückzug befindet«, erklärte der Regierungschef. Allein in der vergangenen Woche seien 350 Terroristen getötet worden. Zudem hätten israelische Truppen den strategisch wichtigen Beaufort-Höhenzug eingenommen und dort ein umfangreiches unterirdisches Tunnelsystem entdeckt.
Auch zum Krieg im Gazastreifen äußerte sich Netanjahu. Israel verstärke den Druck auf die Hamas von allen Seiten. Nach seinen Angaben kontrolliert die Armee inzwischen mehr als 60 Prozent des Küstengebiets. »Bald werden wir 70 Prozent erreichen«, sagte er.
Generalstabschef Eyal Zamir kündigte an, die Armee werde sowohl die Angriffe auf die Hisbollah weiter intensivieren als auch den militärischen Druck auf die Hamas aufrechterhalten. im