Wahlkampf in Israel

Opposition stellt Netanjahus Kriegsbilanz infrage

Oppositionsführer Jair Lapid Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Mit Blick auf die Wahlen in Israel am 27. Oktober verschärft sich der Ton zwischen Regierung und Opposition deutlich. Oppositionsführer Jair Lapid wirft Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, den Krieg nicht entscheidend vorangebracht zu haben. Mehrere israelische Zeitungen berichteten.

In einer Reaktion auf eine Fernsehansprache des Regierungschefs erklärte Lapid, Netanjahu sei »nicht in der Lage, eine strategische Lösung zu erreichen«. Zwar unterstütze er weiterhin die militärischen Operationen gegen Iran und im Libanon, doch müsse man erkennen, »dass er dazu einfach nicht fähig ist«.

Netanjahu hatte zuvor betont, Israel habe dem von Iran geführten Bündnis schwer zugesetzt und sprach mit Blick auf das bevorstehende Pessachfest von »zehn Plagen«, die man den Gegnern zugefügt habe. Lapid widersprach dieser Darstellung entschieden.

»Keine grundlegende Veränderung«

»Ein Wort fehlt in dieser Rede: fast«, sagte er. »Du hast den Nahen Osten fast verändert – und am Ende stellt sich immer wieder heraus, dass sich nichts geändert hat.« Zur Untermauerung verwies er darauf, dass sowohl die Hisbollah weiterhin Raketen aus dem Libanon abfeuere. Die Hamas kontrolliere nach wie vor den Gazastreifen.

Auch im Iran selbst sieht Lapid keine grundlegende Veränderung. Vor und nach Beginn des Krieges habe es jeweils einen Obersten Führer mit dem Namen Chamenei gegeben.

Lesen Sie auch

Neben der militärischen Lage griff der Oppositionsführer die Regierung auch innenpolitisch an. Netanjahu habe das Land »von innen heraus demontiert«, etwa durch geplante Mittelumschichtungen zugunsten religiöser Einrichtungen und durch Vorhaben, Ultraorthodoxe weiterhin weitgehend vom Militärdienst auszunehmen – trotz Personalmangels in der Armee.

Pflichtdienst als Koalitionsbedingung

Zugleich kritisierte Lapid das Verhalten rechtsextremer Politiker im Parlament. Es sei unangebracht, Gesetzesbeschlüsse zu feiern, während gleichzeitig Soldaten im Einsatz fielen. Zum Abschluss rief er die Bevölkerung auf, die Regierung abzulösen.

Auch der frühere Ministerpräsident Naftali Bennett positioniert sich im Wahlkampf klar. Er kündigte laut »The Jerusalem Post« an, eine künftige Regierung nur mit Parteien bilden zu wollen, deren Anhänger Militärdienst leisten. »Die nächste Regierung wird auf einem Bündnis derjenigen basieren, die dienen«, sagte er. »Wer mit mir im Panzer in Gaza sitzen kann, kann auch mit mir regieren.«

Bennett übte scharfe Kritik an der aktuellen Verteidigungspolitik und warnte vor gravierenden Folgen. Die derzeitige Linie komme einem »nationalen Selbstmord« gleich, da der Armee zehntausende Soldaten fehlten. Zugleich wandte er sich gegen Gesetzespläne, die Ultraorthodoxe faktisch vom Dienst befreien könnten.

Darüber hinaus bemängelte Bennett Defizite in der internationalen Kommunikation Israels und kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs die diplomatische Öffentlichkeitsarbeit wieder zu stärken. Seine Regierung werde unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen vereinen – religiöse und säkulare ebenso wie rechte und linke Kräfte. im

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Jom Hasikaron

Wenn Hunde heilen

Ein Projekt in Israel bringt Soldaten und traumatisierte Überlebende mit jungen Hunden zusammen – und schafft stille Rettungsräume im Alltag. Eine Begegnung im Yarkon-Park in Tel Aviv

von Sabine Brandes  20.04.2026

Israel

Herzog zeichnet Milei mit Ehrenmedaille aus

Javier Milei erhält in Jerusalem die höchste zivile Auszeichnung des jüdischen Staates. Der argentinische Präsident stellte sich im Konflikt mit dem Iran klar an die Seite Israels und der USA

 20.04.2026

Jom Hasikaron

Schmerz und Erinnerung im Herzen der Stadt

Welche Zukunft hat der Gedenkort der Terroropfer und gefallenen Soldaten am zentralen Dizengoff-Platz in Tel Aviv?

von Sabine Brandes  20.04.2026

Waffenruhe

Präsident Aoun: Libanon verhandelt alleine mit Israel

Seit ein paar Tage gilt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon eine Waffenruhe. Die Regierung in Beirut will dauerhafte Stabilität für den Mittelstaat erreichen

 20.04.2026

Nahost

Soldat schlägt auf Jesus-Statue ein. Israel kündigt harte Strafe an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Attacke »aufs Schärfste«. Das israelische Militär kündigte »angemessene Maßnahmen« gegen alle Beteiligten an

 20.04.2026

Nahost

Iran richtet zwei Männer hin

Den Verurteilten wurde vorgeworfen, für den Mossad spioniert zu haben. Menschenrechtler sprechen jedoch davon, dass es sich um politische Gefangene gehandelt habe

 20.04.2026

Nord-Israel

Kiryat Schmona: Bewohner demonstrieren gegen Waffenruhe mit Hisbollah

Die Demonstranten werfen der Regierung vor, die Sicherheitsinteressen des Nordens preiszugeben

 20.04.2026

Staatsbesuch

Milei sagt Israel Unterstützung zu – Direktflüge und Botschaftsumzug angekündigt

Neben der Politik kommt die Kultur nicht zu kurz: Für eine israelische Fernsehsendung zum morgigen Jom Haatzmaut singt der argentinische Präsident einen Song

 20.04.2026