Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der arabisch-israelische Journalist und Aktivist Yoseph Haddad Foto: picture alliance / Jana Madzigon / picturedesk.com

Wer in Israel heute nicht weiß, wen er wählen soll, könnte bald eine neue Option bekommen: Yoseph Haddad. Der arabisch-israelische Aktivist arbeitet Berichten zufolge an der Gründung einer eigenen Partei und könnte damit mehr werden als nur ein weiterer Kandidat auf einem ohnehin überfüllten politischen Spielfeld. In einem zunehmend festgefahrenen politischen System könnte Haddad ausgerechnet das Zünglein an der Waage werden.

Haddad gehört zu den bekanntesten arabischen Stimmen Israels. Der christliche Araber aus Nazareth diente in der Eliteeinheit der Golani-Brigade und wurde im Zweiten Libanonkrieg 2006 schwer verwundet. Später gründete er die Organisation »Together Vouch for Each Other« (seid füreinander da), die sich für die Integration arabischer Israelis einsetzt.

Haddad bezog nach dem 7. Oktober klar Stellung

Vor allem seit dem Krieg nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 bezog Haddad klar Stellung für Israel und wurde zu einem der sichtbarsten Gesichter israelischer Öffentlichkeitsarbeit mit großer Reichweite in sozialen Netzwerken und regelmäßigen Fernsehauftritten.

Nun scheint der Schritt in die Politik näher zu rücken. Laut Berichten führt Haddad Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit der ehemaligen stellvertretenden Jerusalemer Bürgermeisterin Fleur Hassan-Nahoum. Menschen aus seinem Umfeld werden in israelischen Medien mit den Worten zitiert: »Große Dinge kommen.«

Auch Haddad selbst hält sich bislang alle Wege offen. Bereits im Februar sagte er: »Alle Optionen liegen auf dem Tisch.« Aus seinem Umfeld heißt es zudem, er konzentriere sich derzeit darauf, »für den Staat Israel auf jeder Bühne zu kämpfen, auf der er Einfluss nehmen kann«.

Yoseph Haddad: »Ich tue, was ich für das Richtige für Israel halte.«

Zugleich betont er in Interviews immer wieder seine politische Offenheit. Zuletzt hieß es von ihm: »Ich tue, was ich für das Richtige für Israel halte.« Das klingt zwar noch nicht nach einer offiziellen Kandidatur, aber auch nicht nach einem Nein – eher nach jemandem, der seine politische Rolle gerade erst auslotet.

Umfragen deuten darauf hin, dass aus den Spekulationen tatsächlich politische Macht werden könnte. Eine Erhebung des Midgam-Instituts sah eine von Haddad geführte Partei bereits bei vier Mandaten, genug, um die Eintrittshürde der Knesset von 3.25 Prozent zu überwinden.

Bemerkenswert ist dabei vor allem, woher seine Stimmen kommen könnten: nicht nur aus der politischen Mitte, sondern auch von Benjamin Netanjahus Likud oder sogar von Parteien am äußeren rechten Rand.

Keiner der beiden Blöcke steuert klar auf Mehrheit zu

Genau darin liegt Haddads mögliche Bedeutung. Bis spätestens zum 27. Oktober muss in Israel eine neue Knesset gewählt werden. Doch aktuelle Umfragen zeichnen erneut das vertraute Bild: Weder Netanyahus Block noch das Oppositionslager steuern klar auf eine Mehrheit zu. Schon wenige Sitze könnten deshalb entscheiden, wer am Ende regieren kann oder wer scheitert.

Vier Mandate wirken auf den ersten Blick klein. In Israels politischem System können sie jedoch den Unterschied zwischen Regierung und Opposition bedeuten. Für unentschlossene Wähler könnte Haddad zur neuen Adresse werden, für die großen Lager zur entscheidenden Figur.

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