Jerusalem/Caracas

Israel und Venezuela nähern sich nach 17 Jahren wieder an

Der venezolanische Außenminister Félix Plasencia Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Israel und Venezuela wollen ihre seit Jahren unterbrochenen Beziehungen schrittweise wiederbeleben. Beide Länder haben sich israelischen Medienberichten zufolge auf die Wiederaufnahme konsularischer Kontakte und die Einrichtung eines offiziellen Koordinierungskanals verständigt. Damit gibt es erstmals seit 2009 wieder eine formelle Verbindung zwischen den beiden Staaten.

Die Vereinbarung wurde am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung bekannt gegeben. Vorausgegangen waren Gespräche zwischen Israels Außenminister Gideon Sa’ar und seinem venezolanischen Amtskollegen Félix Plasencia.

Künftig soll ein Mechanismus die Zusammenarbeit bei konsularischen Angelegenheiten ermöglichen. Bürger beider Länder sollen dadurch wieder Zugang zu entsprechenden Dienstleistungen und Unterstützung bei administrativen Verfahren erhalten.

Hilfe nach Erdbeben

Besondere Bedeutung hat die Entwicklung für die jüdische Gemeinschaft in Venezuela. In der gemeinsamen Erklärung wurde ausdrücklich auf die Verbindung zwischen Israel und den venezolanischen Juden hingewiesen.

Der Nationale Koordinator der Konföderation jüdischer Vereinigungen Venezuelas, Miguel Truzman, begrüßte den Schritt. Er verwies dabei auf die israelische und jüdische Unterstützung nach den schweren Erdbeben, die Venezuela am 24. Juni erschüttert hatten.

»Nach 17 Jahren ohne konsularische Beziehungen treiben Venezuela und Israel einen Prozess des Vertrauensaufbaus voran«, schrieb Truzman. Dieser habe mit dem Einsatz verschiedener israelischer und jüdischer Organisationen nach den Erdbeben begonnen, die angesichts der Zerstörungen technische und humanitäre Hilfe geleistet hätten.

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Jüdische Gemeinschaft begrüßt Annäherung

»Heute beginnt eine neue Ära, mit einem ersten Schritt im konsularischen Bereich sowie technischer Unterstützung in den benötigten Bereichen, und in naher Zukunft werden die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Nationen vollständig wiederhergestellt«, erklärte Truzman.

Auch jüdische Einwohner Venezuelas reagierten erfreut auf die Nachricht. Für viele Betroffene geht es dabei nicht allein um symbolische Diplomatie, sondern um ganz praktische Erleichterungen im Alltag. Ein jüdischer Einwohner von Caracas, der von »Walla« mit dem Kürzel A. zitiert wurde, sagte: »Diese Nachricht erfüllt uns mit Hoffnung und Freude und markiert einen bedeutenden Schritt hin zu einer Annäherung und zur Rückkehr zur Normalität für viele Menschen, die jahrelang auf praktische Lösungen gewartet haben.«

Die Wiederaufnahme des konsularischen Koordinierungsmechanismus sei weit mehr als eine diplomatische Formalität, fügte er hinzu. Vor allem könne sie Familien und Bürgern helfen, bürokratische Angelegenheiten zu regeln und dringend benötigte Dienstleistungen wieder leichter in Anspruch zu nehmen.

Katastrophenschutz und Notfallmaßnahmen

Die neue Vereinbarung steht auch im Zusammenhang mit der schweren Erdbebenkatastrophe in Venezuela. Israel hatte nach den Beben im Juni ein Hilfsteam in das südamerikanische Land entsandt. Die israelischen Helfer unterstützten nach Angaben der beteiligten Stellen Zehntausende Venezolaner bei der Rückkehr in ihre Häuser.

Beide Seiten wollen die Zusammenarbeit bei Katastrophenschutz, Notfallmaßnahmen und dem Wiederaufbau fortsetzen. Damit entsteht neben dem konsularischen Kontakt ein weiterer Bereich praktischer Kooperation.

Die Entwicklung ist besonders bemerkenswert, weil die politischen Beziehungen zwischen Jerusalem und Caracas seit 2009 vollständig abgebrochen waren. Damals hatte Venezuela unter dem damaligen Präsidenten Hugo Chávez die diplomatischen Beziehungen zu Israel gekappt.

Die nun erfolgte Annäherung deutet auf eine vorsichtige Wende hin. Eine vollständige Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen ist zwar noch nicht vollzogen, wird von Vertretern der venezolanischen jüdischen Gemeinschaft jedoch bereits als mögliches nächstes Ziel betrachtet. Die humanitäre Zusammenarbeit nach den Erdbeben könnte dabei eine wichtige Grundlage für weitere Schritte bilden.

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