Die israelische Armee hat die Errichtung neuer Außenposten israelischer Siedler innerhalb palästinensischer Ortschaften im Westjordanland scharf kritisiert. Gleichzeitig bleiben mehrere der umstrittenen Anlagen aber bestehen. Auch die Frage, warum Soldaten die Siedler trotz einer verhängten militärischen Sperrzone nicht aus den Gebieten entfernen, ließ die Armee zunächst unbeantwortet. Dies geht aus einem Bericht der »Times of Israel« hervor.
Besonders angespannt ist die Lage in Qusra südlich von Nablus. Dort hindern Siedler seit Sonntag palästinensische Familien daran, ihre Häuser zu verlassen oder zu betreten. Aufnahmen zeigen zudem Soldaten, die am Sonntag zu einem von Siedlern errichteten Gebäude kamen und dort gemeinsam mit Zivilisten beteten.
Am Dienstagabend erreichte schließlich ein Rettungswagen des Palästinensischen Roten Halbmonds das Gebiet. Die Helfer brachten ein Mädchen zur medizinischen Behandlung in Sicherheit und versorgten zwei Familien, die nach eigenen Angaben in ihren Häusern eingeschlossen sind, mit Lebensmitteln.
»Illegal, verwerflich und inakzeptabel«
Die israelischen Streitkräfte bezeichneten die Vorgänge in einer Stellungnahme als »illegal, verwerflich und inakzeptabel«. In den vergangenen Wochen habe es mehrere Meldungen darüber gegeben, dass israelische Zivilisten palästinensische Häuser und Grundstücke in Qusra und dem benachbarten Jalud betreten und unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Dies schade den Bewohnern und beeinträchtige deren Alltag, erklärte die Armee.
In Jalud kam es zu einem ähnlichen Vorfall. Dem »Times of Israel«-Bericht zufolge hatten Siedler dort im vergangenen Monat mehr als zwei Wochen lang ein Wohnhaus umstellt. Die palästinensische Familie verließ schließlich das Gebäude, das anschließend von den Siedlern übernommen wurde. Bis heute können die Eigentümer nicht zurückkehren.
Nach den Vorfällen verhängte die Armee für das betreffende Gebiet eine Sperrzone, die grundsätzlich nur von Anwohnern betreten werden darf. Zugleich erklärte sie, sie verurteile derartige Vorgänge »aufs Schärfste«. Sollten Reservisten oder aktive Soldaten an solchen Aktionen beteiligt gewesen sein, werde dies disziplinarische Konsequenzen haben.
Schutz der Bewohner
Unklar bleibt allerdings, weshalb die Siedler trotz der militärischen Sperrzone weiterhin vor Ort sind. Auch die bereits errichteten Außenposten wurden bislang nicht vollständig beseitigt. Nach einem tödlichen Zusammenstoß im vergangenen Monat im Dorf Tell waren in der Region insgesamt 13 illegale Außenposten entstanden. Zwei davon wurden inzwischen von israelischen Behörden abgerissen.
Eine militärische Quelle begründete die Abrisse damit, das Vorgehen solle »dieses ernste Phänomen eindämmen, die Bewohner schützen und die Ordnung aufrechterhalten«. Warum weitere Außenposten bislang nicht entfernt wurden, erklärte die Armee hingegen nicht. im