Jerusalem

Netanjahu reiste offenbar wegen Berichten über Hamas-Warnung nach Abu Dhabi

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist am Sonntag überraschend in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP ging es bei dem Treffen mit Präsident Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan unter anderem um Berichte, wonach der Emirati den israelischen Regierungschef bereits vor dem 7. Oktober 2023 vor einem bevorstehenden Angriff der Hamas gewarnt haben soll. Netanjahu soll seinen Gesprächspartner dabei gebeten haben, diese Darstellung zurückzuweisen.

Netanjahus Büro bestätigte das Treffen, wies die von AP genannte Begründung jedoch als »Fake News« zurück. Auch die staatliche Nachrichtenagentur der Emirate bestätigte die Zusammenkunft. Sie erklärte, im Mittelpunkt hätten die bilateralen Beziehungen sowie Möglichkeiten zu deren Ausbau gestanden.

Nach Angaben von Kanal 12 war Netanjahu am Sonntag gegen Mittag mit einem Privatflugzeug nach Abu Dhabi geflogen und hielt sich dort rund vier Stunden auf. Mit Mohammed bin Sajid soll er sich etwa eine Stunde lang getroffen haben. Das Gespräch fand dem Bericht zufolge auf dem Flughafen statt.

Streit über Warnungen vor dem 7. Oktober

Der Besuch fällt in eine innenpolitisch heikle Debatte in Israel. Im Raum steht die Frage, welche Informationen die Regierung und die militärische Führung vor dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 erhalten hatten. Neben den Berichten über eine Warnung aus den Emiraten gibt es auch Darstellungen zu Hinweisen aus Ägypten.

Eine mit dem Besuch vertraute Person sagte AP, die Warnung des Emirati habe bei dem Gespräch eine zentrale Rolle gespielt. Die Person sowie ein weiterer regionaler Vertreter, der über das Treffen informiert worden sei, äußerten sich unter Zusicherung der Anonymität. Nach ihrer Darstellung forderte Netanjahu Mohammed bin Sajid ausdrücklich auf, den Bericht zu dementieren.

Das Außenministerium der Emirate wollte sich zu den konkreten Berichten über das Gespräch nicht äußern. Es erklärte lediglich, Abu Dhabi unterhalte »offene und direkte Kommunikationskanäle« mit Israel und teile »alle relevanten Geheimdienstinformationen«.

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Kanal 12 berichtete zudem, Netanjahus Büro habe wiederholt auf ein persönliches Treffen gedrängt, um eine Zurückweisung der Vorwürfe zu erreichen. Die emiratische Führung betrachte die Angelegenheit demnach als Teil der israelischen Innenpolitik und wolle sich insbesondere mit Blick auf die bevorstehende Wahl nicht einmischen.

Nach dem Gespräch mit dem emiratischen Präsidenten nahm Netanjahu laut dem öffentlich-rechtlichen Sender Kan an einer erweiterten Zusammenkunft mit hochrangigen Vertretern weiterer Staaten des Nahen Ostens teil. Darunter sollen auch Länder gewesen sein, die keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhalten.

Mehrere Regierungs- und Militärmaschinen seien zeitgleich in Abu Dhabi eingetroffen, darunter ein libysches Regierungsflugzeug, eine Hercules-Maschine aus Marokko, ein Militärflugzeug aus Katar sowie eine Maschine der emiratischen Regierung aus Riad. Der Bericht von Kan musste nach Angaben des Senders zuvor die israelische Militärzensur passieren. Bei dem erweiterten Treffen soll es um regionale Zusammenarbeit gegen den Iran gegangen sein.

Beschwerde gegen Kanal 12

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Veröffentlichung eines Berichts über die Reise, während Netanjahu noch auf dem Rückweg nach Israel war. Das Büro des Ministerpräsidenten teilte anschließend mit, der Inlandsgeheimdienst Schin Bet habe beim Militärzensor Beschwerde gegen Kanal 12 eingelegt. Der Sender habe mit der vorzeitigen Veröffentlichung die Sicherheit des Regierungschefs und seiner Delegation gefährdet.

Zur Delegation gehörten nach Angaben des Ministerpräsidentenbüros unter anderem Netanjahus Ehefrau Sara, Mossad-Chef Roman Gofman, der Leiter des Nationalen Sicherheitsrats Schmu’el Ben-Ezra, Militärsekretär Generalmajor Guy Markizeno sowie der Leiter der Sicherheitsabteilung des Schin Bet. Weshalb Sara Netanjahu an der Reise teilnahm, wurde nicht erklärt. Netanjahu weist Berichte über ägyptische Warnungen zurück

Parallel zu den Berichten über die Reise griff Netanjahu am Montag weitere Darstellungen über angebliche Warnungen vor dem Hamas-Angriff auf. In einem Beitrag auf X bestritt er, dass Abbas Kamel, der damalige Chef des ägyptischen Geheimdienstes, ihn wenige Tage vor dem 7. Oktober persönlich kontaktiert habe. im

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