Knapp drei Wochen nach einer tödlichen Konfrontation im Westjordanland hat die israelische Armee das Haus eines daran beteiligten Palästinensers demoliert. Videoaufnahmen zeigten, wie das dreistöckige Gebäude in dem Dorf Tell in der Nähe von Nablus durch Sprengung zum Einsturz gebracht wurde. Das Militär äußerte sich zunächst nicht.
Der Besitzer des Hauses war im vergangenen Monat bei Konfrontationen mit israelischen Siedlern und Soldaten getötet worden. Nach Darstellung der israelischen Armee hatte er die Waffe einer Sicherheitskraft entwendet und das Feuer auf Israelis eröffnet. Ein Offizier und ein Mitglied der Zivilverteidigung seien getötet worden. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Ramallah wurden bei dem Vorfall insgesamt vier Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten getötet.
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Immer wieder kam es zu Angriffen palästinensischer Terroristen, bei denen Israelis ermordet wurden. Nach Angaben des Außenministeriums in Jerusalem waren es seit dem 7. Oktober 2023 insgesamt 852 Terroranschläge.
Angriffe radikaler Siedler
Derzeit häufen sich auch Angriffe radikaler israelischer Siedler auf palästinensische Dörfer. Israel wird von mehreren Staaten dafür kritisiert, angeblich zu wenig gegen die illegale Selbstjustiz im Westjordanland zu unternehmen.
Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden in den vergangenen drei Jahren mehr als 1100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Weder ist diese Zahl bestätigt, noch ist klar, wie viele der im Westjordanland getöteten Palästinenser Terroristen waren.
Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), die das Ministerium kontrolliert, bezahlt sogenannte »Märtyrer« dafür, Israelis zu ermorden. Die PA hatte unlängst erklärt, diese Praxis sei eingestellt worden. Nach Erkenntnissen Israels und der USA wurden die Zahlungen aber lediglich besser versteckt.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 auch das Westjordanland erobert, das bis dahin von Jordanien besetzt gewesen war. Damals hatten Ägypten, Syrien, Jordanien und der Irak versucht, den jüdischen Staat zu vernichten. Die Angreifer verloren den Krieg.
Im Westjordanland leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen das Westjordanland für einen eigenen Staat, lehnten jedoch sämtliche Friedensvorschläge ab, die ihnen das Gebiet mitsamt Gaza und einem autonomen Ost-Jerusalem für diesen Staat zugestanden hätten. Stattdessen überzogen sie Israel mit Terror-Wellen, Kriegen und Massakern. ja/dpa