Mysteriöser Fall

Drei Israelis in Ägypten verschollen

Grenzübergang Taba/Eilat zwischen Ägypten und Israel
Grenzübergang Taba/Eilat zwischen Ägypten und Israel Foto: copyright (c) Flash90 2023

Von den drei jungen Männern fehlt jede Spur. Drei israelische Beduinen aus der Negev-Wüste werden Berichten zufolge bereits seit etwa sechs Monaten unter unklaren Umständen in Ägypten festgehalten. Die Informationen gelangten erst jetzt an die Öffentlichkeit.

Bei den Vermissten handelt es sich um Bilal Massoudin (27), Bilal Salem Abu-Ayash (28) und Ahmed Adouji (25). Zwei von ihnen sind Familienväter. Ihre Familien leben in Beduinensiedlungen entlang der Route 40 in der Region Ramat HaNegev. Angehörige erklärten im israelischen öffentlich-rechtlichen Sender Kan, dass das Verschwinden in keinem Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten stehe. Sie hätten erfahren, dass es sich stattdessen um »Fragen der ägyptischen inneren Sicherheit« handele, wobei die genaue Art dieser Angelegenheiten unbekannt sei.

Die Familien machen sich große Sorgen um das Schicksal der jungen Männer, hieß es in dem Bericht weiter. Sie berichteten, dass die drei Männer im März zu einem Urlaub nach Ägypten gereist und bei ihrer Rückkehr nach Israel am Grenzübergang Taba von den Behörden festgenommen worden seien. Bis zum Zeitpunkt ihrer Festnahme standen alle drei in Kontakt mit ihren Familien, danach brach jegliche Kommunikation ab. Erst nach Intervention ihres israelischen Anwalts bestätigte das Außenministerium in Jerusalem, dass sie tatsächlich in Ägypten festgehalten werden.

Keine Möglichkeit, mit den Männern zu kommunizieren

Nach Angaben der Familien sei es ihnen während des gesamten Zeitraums nicht möglich, mit den Männern zu kommunizieren. Zudem sei den Anwälten der Zugang zu ihren Mandanten verweigert worden. Auch wüsste niemand, ob die Männer einem Richter vorgeführt wurden. Die Angehörigen haben auch angegeben, dass bislang kein israelischer Vertreter einen konsularischen Besuch abgestattet habe.

Ein Verwandter eines der Inhaftierten erklärte in Kan: »Der Anwalt hat bei den ägyptischen Behörden angefragt, wo sie festgehalten werden, doch es gab keine Antwort. Er hat Nachforschungen angestellt: Sie befinden sich weder in Polizeigewahrsam noch in einem bekannten Gefängnis. Sie liegen nicht im Krankenhaus und sind in keiner offiziellen Einrichtung untergebracht.«

Er fügte hinzu: »Keine ägyptische Stelle bestätigt ihre Festnahme, und in den ägyptischen Medien gibt es keinerlei Erwähnung des Vorfalls – ein Umstand, der die Ungewissheit über die Hintergründe ihrer Inhaftierung noch verstärkt.«

Anwalt Badran: »Es handelt sich um drei israelische Staatsbürger, von denen jeder eine Familie hat, die auf ihn wartet – eine Familie, die wissen möchte, ob er noch lebt, wo er sich aufhält und wie es ihm geht.«

In der vergangenen Woche veröffentlichte Jerusalem eine Erklärung, offenbar als Antwort auf einen Brief, den die Familien der drei Männer durch ihren Anwalt an Außenminister Gideon Sa’ar gerichtet hatten.

Aus Jerusalem hieß es: »Das Außenministerium befasst sich mit dem Fall dreier israelischer Staatsbürger, die sich derzeit in Ägypten aufhalten und zu denen der Kontakt abgebrochen ist. Das Ministerium hat sich gemeinsam mit anderen Behörden an die ägyptischen Stellen gewandt, um offizielle Informationen über deren Status zu erbitten. Bislang liegt keine zufriedenstellende offizielle Antwort vor. Das Ministerium steht weiterhin im Austausch mit den ägyptischen Behörden bezüglich der drei Israelis und hält Kontakt zu deren Familien.«

Laut Rechtsanwalt Mutlaq Badran, der mit der Vertretung der Familien beauftragt wurde, hätten die Familien in den vergangenen Monaten auch versucht, eigenständig zu handeln, unter anderem durch die Beauftragung eines Anwalts in Ägypten. Doch auch diese Bemühungen hätten keine weiteren Informationen gebracht.

Außenministerium in Jerusalem äußerte sich

»Der Staat muss alles in seiner Macht Stehende tun, um den Verbleib seiner drei Bürger zu klären«, machte Badran deutlich und forderte Sa’ar auf, bei der israelischen Vertretung in Ägypten sowie bei den dortigen Behörden tätig zu werden. Er fügte hinzu, dass der Begriff »israelischer Staatsbürger« mit praktischem Leben gefüllt werden müsse: »Der Staat Israel muss zu seinen Bürgern stehen, auch wenn sie sich jenseits der Grenze aufhalten.«

In dem Schreiben an Sa’ar schilderte Badran auch die große Notlage der Familien: »Es handelt sich um drei israelische Staatsbürger, von denen jeder eine Familie hat, die auf ihn wartet – eine Familie, die wissen möchte, ob er noch lebt, wo er sich aufhält und wie es ihm geht.« Er fügte hinzu: »Kein Anruf, keine Nachricht, keine Adresse, keine Gewissheit, keine Antwort. So leben diese Familien seit Monaten.«

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Die Chefs der Oppositionsparteien

Tel Aviv

Israels Opposition schließt Pakt

Eisenkot, Bennett, Lapid, Lieberman und Golan wollen während des Wahlkampfs auf gegenseitige Angriffe verzichten und planen eine »zionistische staatsmännische Regierung«

von Sabine Brandes  29.09.2026

Jerusalem

Gallant spricht über Details der Pager-Operation gegen Hisbollah

Offenbar schöpfte ein Mitglied der libanesischen Terrororganisation Verdacht. Israel sah sich zum Handeln gezwungen

 29.09.2026

Bloomington/Paris

Studie: Keine Grundlage für Apartheid- und Genozidvorwurf gegen Israel

Gunther Jikeli von der Indiana University Bloomington und Philippe Karpe vom französischen Forschungsinstitut CIRAD untersuchten immer wieder erhobene Vorwürfe gegen Israel

 29.09.2026

Jerusalem

Netanjahu reiste offenbar wegen Berichten über Hamas-Warnung nach Abu Dhabi

Hat der israelische Ministerpräsident den Präsidenten der VAE, Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan, gebeten, Medienberichte zurückzuweisen, wonach dieser seinen Jerusalemer Gesprächspartner vor dem 7. Oktober warnte?

 29.09.2026

Terrorismus

»Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf« - Zwei Mütter, ihre verlorenen Töchter und der 7. Oktober 2023

Ricarda Louks Tochter Shani und Sonja Bohl-Denckers Tochter Carolin wurden vor drei Jahren von der islamistischen Hamas ermordet. Ihre Mütter schildern, wie sie mit dem Verlust zurechtkommen - und was sie sich wünschen

von Nina Schmedding  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026

Jerusalem/Den Haag

Israel entzieht Niederländern Diplomaten-Pass

Die Niederlande verbieten den Import von Waren aus Siedlungen im Westjordanland. Nun zieht Israel Konsequenzen

 28.09.2026

Tel Aviv

Israel: Entführer von Noa Argamani getötet

Saher Nidal Saqr und andere an den Geiselnahmen beteiligte Terroristen seien bei einem Luftangriff im zentralen Gazastreifen tödlich getroffen worden, teilte die israelische Armee mit

 28.09.2026