Rund zwei Jahre nach der spektakulären Pager-Aktion gegen die Hisbollah sind weitere Einzelheiten des israelischen Geheimdiensteinsatzes bekannt geworden. Der frühere israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant äußerte sich in einem bislang zensierten Interview zu den Umständen der Operation im September 2024. Seine Angaben bestätigen laut »The Jerusalem Post« wesentliche Details.
Gallant war während der Aktion Verteidigungsminister. Nach seinen Angaben geriet der Einsatz im August 2024 unerwartet unter Zeitdruck. Die israelische Seite habe damals festgestellt, dass ein Hisbollah-Mitglied den Verdacht geschöpft hatte, mit den Pagern könne etwas nicht stimmen.
»Anfang August 2024 entdeckten wir, dass es jemanden gab, der die Pager verdächtigte«, sagte Gallant dem Sender Kanal 12. Damit sei die ursprüngliche Planung vor ein erhebliches Problem gestellt worden.
Auslösen oder auffliegen
Nach Gallants Darstellung stellte sich im weiteren Verlauf heraus, dass die Pager tatsächlich untersucht wurden. Damit musste Israel entscheiden, ob die geplante Operation vorzeitig ausgelöst werden sollte oder ob man riskierte, dass die Hisbollah die präparierten Geräte entdeckte.
»Mitten in der Operation stellte sich heraus, dass die Pager irgendwo untersucht wurden«, sagte Gallant. Israel habe dadurch vor der Wahl gestanden, zu handeln oder eine Entdeckung zu riskieren. »Es gibt nur eine Frage, die auf dem Tisch liegt: Wenn man irgendwie damit herumspielt, könnte man am Ende die gesamte Operation durchführen, angefangen bei den Funkgeräten und so weiter.«
Der frühere Verteidigungsminister bestätigte damit einen entscheidenden Punkt aus einem Gespräch, das die »Jerusalem Post« im Mai mit einem Mossad-Agenten geführt hatte. Der Mann trat unter dem Decknamen »Adam Feyn« auf und war nach eigenen Angaben an der Vorbereitung und Durchführung der Aktion beteiligt. Auch in seinem Buch »Hoda’ah Goralit« (»Schicksalhafte Nachricht«) schilderte er Einzelheiten des Einsatzes.
»Feyn« hatte bereits im Mai erklärt, Mossad-Verantwortliche und ein Oberst der israelischen Luftwaffe hätten über einen Hisbollah-Mann gesprochen, der der Entdeckung der präparierten Pager gefährlich nahegekommen sei. Nach dieser Darstellung wurde sogar erwogen, den Mann durch einen Luftangriff zu töten, um die Geheimdienstoperation nicht zu gefährden.
Weitere Einzelheiten betreffen die Versuche der Hisbollah, den Ursprung der ungewöhnlichen Pager zu überprüfen. Eine neue Dokumentation mit dem Titel »Paging Hezbollah« soll am 30. Oktober veröffentlicht werden und Interviews unter anderem mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dem damaligen Mossad-Chef David Barnea und dem damaligen Kommandeur des Nordkommandos der israelischen Armee, Generalmajor Ori Gordin, enthalten.
Dem Film zufolge ließ der Iran eigens ein Röntgengerät einsetzen, um die Pager auf mögliche Sprengsätze untersuchen zu können. Auch Netanjahu äußerte sich in einer Rede, die bis Montag nicht veröffentlicht werden durfte, zu diesem Teil der Operation.
Ausführung im September 2024
»In der dritten Septemberwoche erfuhren wir, dass die Hisbollah drei Pager zur Untersuchung in den Iran geschickt hatte«, sagte Netanjahu. Zuvor habe Israel einen entsprechenden Scanner zerstört, der in die Region gebracht werden sollte. »Wir haben ihn beseitigt und auch die Person, die ihn bediente.« Auch diese Information steht im Zusammenhang mit den Angaben des Mossad-Agenten »Adam Feyn«.
Die Pager-Aktion fand im September 2024 statt und richtete sich gegen Kommunikationsgeräte von Hisbollah-Mitgliedern. Bei der zeitgleichen Detonation der präparierten Geräte wurden nach den Angaben im Bericht rund 3500 Mitglieder der Terrororganisation getötet oder verletzt.
Die Enthüllungen von Gallant sind insofern besonders bedeutsam, als ein ehemaliger Verteidigungsminister erstmals zentrale Angaben eines an der Operation beteiligten Mossad-Mitarbeiters öffentlich bestätigte. Viele Details waren bereits zuvor bekannt geworden, doch Gallants Aussagen liefern nun eine zusätzliche Bestätigung aus der politischen und sicherheitspolitischen Führungsebene. im