Jerusalem

Gallant spricht über Details der Pager-Operation gegen Hisbollah

Der frühere Verteidigungsminister Yoav Gallant Foto: copyright (c) Flash90 2025

Rund zwei Jahre nach der spektakulären Pager-Aktion gegen die Hisbollah sind weitere Einzelheiten des israelischen Geheimdiensteinsatzes bekannt geworden. Der frühere israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant äußerte sich in einem bislang zensierten Interview zu den Umständen der Operation im September 2024. Seine Angaben bestätigen laut »The Jerusalem Post« wesentliche Details.

Gallant war während der Aktion Verteidigungsminister. Nach seinen Angaben geriet der Einsatz im August 2024 unerwartet unter Zeitdruck. Die israelische Seite habe damals festgestellt, dass ein Hisbollah-Mitglied den Verdacht geschöpft hatte, mit den Pagern könne etwas nicht stimmen.

»Anfang August 2024 entdeckten wir, dass es jemanden gab, der die Pager verdächtigte«, sagte Gallant dem Sender Kanal 12. Damit sei die ursprüngliche Planung vor ein erhebliches Problem gestellt worden.

Auslösen oder auffliegen

Nach Gallants Darstellung stellte sich im weiteren Verlauf heraus, dass die Pager tatsächlich untersucht wurden. Damit musste Israel entscheiden, ob die geplante Operation vorzeitig ausgelöst werden sollte oder ob man riskierte, dass die Hisbollah die präparierten Geräte entdeckte.

»Mitten in der Operation stellte sich heraus, dass die Pager irgendwo untersucht wurden«, sagte Gallant. Israel habe dadurch vor der Wahl gestanden, zu handeln oder eine Entdeckung zu riskieren. »Es gibt nur eine Frage, die auf dem Tisch liegt: Wenn man irgendwie damit herumspielt, könnte man am Ende die gesamte Operation durchführen, angefangen bei den Funkgeräten und so weiter.«

Der frühere Verteidigungsminister bestätigte damit einen entscheidenden Punkt aus einem Gespräch, das die »Jerusalem Post« im Mai mit einem Mossad-Agenten geführt hatte. Der Mann trat unter dem Decknamen »Adam Feyn« auf und war nach eigenen Angaben an der Vorbereitung und Durchführung der Aktion beteiligt. Auch in seinem Buch »Hoda’ah Goralit« (»Schicksalhafte Nachricht«) schilderte er Einzelheiten des Einsatzes.

Lesen Sie auch

»Feyn« hatte bereits im Mai erklärt, Mossad-Verantwortliche und ein Oberst der israelischen Luftwaffe hätten über einen Hisbollah-Mann gesprochen, der der Entdeckung der präparierten Pager gefährlich nahegekommen sei. Nach dieser Darstellung wurde sogar erwogen, den Mann durch einen Luftangriff zu töten, um die Geheimdienstoperation nicht zu gefährden.

Weitere Einzelheiten betreffen die Versuche der Hisbollah, den Ursprung der ungewöhnlichen Pager zu überprüfen. Eine neue Dokumentation mit dem Titel »Paging Hezbollah« soll am 30. Oktober veröffentlicht werden und Interviews unter anderem mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dem damaligen Mossad-Chef David Barnea und dem damaligen Kommandeur des Nordkommandos der israelischen Armee, Generalmajor Ori Gordin, enthalten.

Dem Film zufolge ließ der Iran eigens ein Röntgengerät einsetzen, um die Pager auf mögliche Sprengsätze untersuchen zu können. Auch Netanjahu äußerte sich in einer Rede, die bis Montag nicht veröffentlicht werden durfte, zu diesem Teil der Operation.

Ausführung im September 2024

»In der dritten Septemberwoche erfuhren wir, dass die Hisbollah drei Pager zur Untersuchung in den Iran geschickt hatte«, sagte Netanjahu. Zuvor habe Israel einen entsprechenden Scanner zerstört, der in die Region gebracht werden sollte. »Wir haben ihn beseitigt und auch die Person, die ihn bediente.« Auch diese Information steht im Zusammenhang mit den Angaben des Mossad-Agenten »Adam Feyn«.

Die Pager-Aktion fand im September 2024 statt und richtete sich gegen Kommunikationsgeräte von Hisbollah-Mitgliedern. Bei der zeitgleichen Detonation der präparierten Geräte wurden nach den Angaben im Bericht rund 3500 Mitglieder der Terrororganisation getötet oder verletzt.

Die Enthüllungen von Gallant sind insofern besonders bedeutsam, als ein ehemaliger Verteidigungsminister erstmals zentrale Angaben eines an der Operation beteiligten Mossad-Mitarbeiters öffentlich bestätigte. Viele Details waren bereits zuvor bekannt geworden, doch Gallants Aussagen liefern nun eine zusätzliche Bestätigung aus der politischen und sicherheitspolitischen Führungsebene. im

Bloomington/Paris

Studie: Keine Grundlage für Apartheid- und Genozidvorwurf gegen Israel

Gunther Jikeli von der Indiana University Bloomington und Philippe Karpe vom französischen Forschungsinstitut CIRAD untersuchten immer wieder erhobene Vorwürfe gegen Israel

 29.09.2026

Jerusalem

Netanjahu reiste offenbar wegen Berichten über Hamas-Warnung nach Abu Dhabi

Hat der israelische Ministerpräsident den Präsidenten der VAE, Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan, gebeten, Medienberichte zurückzuweisen, wonach dieser seinen Jerusalemer Gesprächspartner vor dem 7. Oktober warnte?

 29.09.2026

Terrorismus

»Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf« - Zwei Mütter, ihre verlorenen Töchter und der 7. Oktober 2023

Ricarda Louks Tochter Shani und Sonja Bohl-Denckers Tochter Carolin wurden vor drei Jahren von der islamistischen Hamas ermordet. Ihre Mütter schildern, wie sie mit dem Verlust zurechtkommen - und was sie sich wünschen

von Nina Schmedding  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026

Jerusalem/Den Haag

Israel entzieht Niederländern Diplomaten-Pass

Die Niederlande verbieten den Import von Waren aus Siedlungen im Westjordanland. Nun zieht Israel Konsequenzen

 28.09.2026

Tel Aviv

Israel: Entführer von Noa Argamani getötet

Saher Nidal Saqr und andere an den Geiselnahmen beteiligte Terroristen seien bei einem Luftangriff im zentralen Gazastreifen tödlich getroffen worden, teilte die israelische Armee mit

 28.09.2026

UEFA Nations League

Irlands Spieler verweigern Handschlag – Israels Kapitän Solomon: »Offensichtlich hassen sie uns«

Die irische Fußball-Nationalmannschaft hat Israel in der Nations League klar mit 3:0 besiegt. Der sportliche Wettstreit im ungarischen Debrecen war jedoch von unschönen Szenen begleitet

 28.09.2026

Jerusalem

Netanjahu wies Armee vor dem 7. Oktober 2023 an, Eskalation in Gaza zu vermeiden

Einem Medienbericht zufolge wollte Israels Ministerpräsident unmittelbar vor dem Hamas-Massaker die Aussicht auf eine Entspannung der Beziehungen zu Saudi-Arabien nicht gefährden

 28.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismus-Leugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026