Oft wird behauptet, Kritik an Israel werde unterdrückt, obwohl wir in den Medien durchaus viel davon sehen – manchmal aus gutem Grund. Was die UNRWA betrifft, gilt jedoch das Gegenteil: Kritik fehlt fast gänzlich. Eine internationale Organisation mit einem Jahresbudget in der Größenordnung eines kleinen Landes, die seit fast acht Jahrzehnten als »vorübergehende« Einrichtung fungiert und das palästinensische Flüchtlingsproblem über Generationen hinweg aufrechterhält – und doch stößt jeder Versuch, sie genauer unter die Lupe zu nehmen, auf Ablehnung, Ausweichen oder regelrechtes Schweigen. In weiten Teilen der Medienwelt ist Kritik an Israel an der Tagesordnung; Kritik an der UNRWA wird hingegen als Sakrileg behandelt.
Diese Dynamik ist keine theoretische Angelegenheit. Seit der Veröffentlichung meines Dokumentarfilms »Unraveling UNRWA« bin ich immer wieder auf dasselbe Muster gestoßen: Anstatt sich mit Fakten auseinanderzusetzen, beschäftigen sich manche Journalisten mit Narrativen. Anstatt auf der Grundlage eingehender Recherchen kritische Fragen an die Organisation zu stellen, unterstellen sie mir bestimmte Motive. Anstatt auf die im Film präsentierten Zeugenaussagen einzugehen, versuchen sie, den Film – und mich als Filmemacher – zu delegitimieren. Glücklicherweise kann ich auf ein Werk zurückblicken, das drei Jahrzehnte international gefeierter Filme umfasst. Was ich derzeit erlebe, ist keine Filmkritik; es ist ein Mittel, um Kritik zum Schweigen zu bringen.
Flüchtlingsstatus vererbt
Nehmen wir eine grundlegende Tatsache: Das Modell der UNRWA, bei dem der Flüchtlingsstatus vererbt wird, ist im internationalen System einzigartig. Im Gegensatz zum UNHCR – der UN-Flüchtlingsagentur, die für fast 30 Millionen Flüchtlinge weltweit zuständig ist und deren Flüchtlingsstatus befristet ist und durch Rückführung, Integration oder Neuansiedlung endet – gewährt die UNRWA den Flüchtlingsstatus auf unbestimmte Zeit und gibt ihn von einer Generation an die nächste weiter. Die Folgen sind gravierend: Aus den rund 700.000 palästinensischen Flüchtlingen von 1948 sind heute mehr als 6 Millionen geworden. Keine andere Flüchtlingsgruppe weltweit wächst auf diese Weise.
Dieser Mechanismus macht den Flüchtlingsstatus zu einem dauerhaften Zustand, verschärft den Konflikt und verleiht der UNRWA eine direkte Rolle bei der Aufrechterhaltung der Forderung nach dem »Rückkehrrecht« – einer Forderung, die, würde sie umgesetzt, die Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung effektiv zunichte machen und die Existenz Israels als jüdische Heimat beenden würde. Dieses Modell als gängige Praxis darzustellen, verschleiert nicht nur die Fakten; es blendet auch die politischen Implikationen und die strukturelle Rolle aus, die die UNRWA bei der Aufrechterhaltung des Konflikts spielt.
Finanzierung des Films
Werden diese Themen jedoch angesprochen, fällt die Reaktion selten inhaltlich fundiert aus. Anstatt auf den Inhalt des Films einzugehen – die in UNRWA-Schulen verwendeten Unterrichtsmaterialien, die Neutralität des UN-Personals, die Struktur des Mandats –, wird die Diskussion auf die Finanzierung des Films gelenkt, insbesondere auf die Tatsache, dass 25 Prozent aus einem öffentlichen israelischen Filmfonds stammten. Dies ist gängige Praxis in Deutschland und den meisten europäischen Ländern, wo die öffentliche Förderung von Kultur und Kunst die Norm ist.
Die israelische »New Foundation for Cinema and TV«, einer der Geldgeber, unterstützt Projekte aus dem gesamten politischen Spektrum, darunter auch Filme, die scharfe Kritik an der israelischen Regierung üben. Öffentliche Kulturförderung dient dazu, künstlerisches Schaffen zu unterstützen, nicht dazu, ideologische Konformität durchzusetzen. Sie zu einem Instrument des Misstrauens zu machen, ist lediglich eine weitere Methode, das Werk zu delegitimieren, anstatt sich mit seinen Erkenntnissen auseinanderzusetzen.
Eine weitere immer wiederkehrende Behauptung lautet, der Film »schließe sich der Position der Regierung an«. In Wirklichkeit haben israelische Regierungen – ob links, rechts oder in der Mitte – jahrzehntelang bevorzugt, die~~bevorzugt, die~~ UNRWA aufrechtzuerhalten, anstatt sich mit den strukturellen Problemen auseinanderzusetzen, die sie verursacht. Dies ist eine Kritik, die der Film ausdrücklich anspricht. Nach dem 7. Oktober behielt die Regierung dieselbe Haltung bei. Erst nach Vorwürfen gegen UNRWA-Mitarbeiter entstand eine Gesetzesinitiative – und diese kam von der Opposition, nicht von der Regierung.
Umfassendes Phänomen
Dies ist Teil eines umfassenderen Phänomens: Wenn Institutionen unantastbar werden, werden Kritiker zur Zielscheibe. Der deutsche Wirecard-Skandal hat gezeigt, wie mächtige Institutionen jahrelang abgeschirmt werden können, während Journalisten und Filmemacher systemische Versäumnisse aufdecken, lange bevor offizielle Maßnahmen ergriffen werden. Niemand behauptete, dass Dokumentarfilme über Wirecard »der Regierung dienten«. Doch wenn es um die UNRWA geht, wird Kritik plötzlich als politisch verdächtig behandelt.
Und genau das ist das Problem: Die UNRWA ist keine marginale Organisation. Sie ist eine internationale Einrichtung mit einem Budget von fast 2,4 Milliarden Euro – finanziert größtenteils von Geberländern, wobei Deutschland eine zentrale Rolle spielt. Es handelt sich um öffentliche Gelder, die an eine Institution fließen, die eine ungewöhnliche Struktur, eine klare politische Funktion und direkten Einfluss auf die Aufrechterhaltung des Konflikts hat. Seriöser Journalismus sollte die UNRWA unabhängig, kritisch und faktenbasiert hinterfragen. Stattdessen wird Kritik an der UNRWA oft mit politischem Framing, Unterstellungen und Versuchen, sie zum Schweigen zu bringen, begegnet.
Die Öffentlichkeit verdient eine echte Auseinandersetzung – keine Narrative, die darauf abzielen, eine mächtige internationale Institution zu schützen, und keine rhetorischen Strategien, die legitime Kritik delegitimieren sollen. Wer das Thema verstehen will, sollte sich den Film ansehen. Wer darüber diskutieren möchte, ist bei öffentlichen Vorführungen und den anschließenden offenen Debatten herzlich willkommen. Die Auseinandersetzung muss auf Fakten beruhen, nicht auf Mechanismen der Unterdrückung.
Der Autor ist israelischer Filmemacher. Von ihm stammt die Dokumentation »Unraveling UNRWA« (2025) über die Geschichte des Palästinenserhilfswerks.