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Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Die eine erhält maximale Zustimmung, der andere maximale Ablehnung: Shirin David mit Bill Kaulitz (Archiv) Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Ihre Datteln kommen aus Palästina, rappt Shirin David in einem 19-sekündigen Snippet. Veröffentlicht als Ankündigung für ein neues Lied auf ihrem Instagram-Kanal mit mehr als 6,4 Millionen Followern. Statt mit ihrem typischen »Yuhhh« endet der Clip mit einem »Free«.
 
Was dieses Statement genau sagen soll und warum es jetzt kommt – erstaunlich unklar. Hatte sich die Rapperin doch bisher, was den Krieg Israels gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas im Gaza-Streifen angeht, sehr bedeckt gehalten.
 
Ihre Follower scheren sich offenbar nicht um Zeit oder Klarheit, besser spät als nie scheint das Motto. Die Kommentare sind voll mit Wassermelonen-Emojis, Palästina-Flaggen und »Free Palestine«. »Richtige und wichtige politische Message« schreibt @kierenmaurice.
 
Die Message ist klar: »Shirin David ist eine von uns.«
 
Wenige Tage später postet eine junge Israelin mehrere Videos mit Bill Kaulitz, Sänger von Tokio Hotel. Kaulitz sagt: »Tel Aviv! Love!« und: »I want to play a show!«

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Binnen Stunden wird er mit Ablehnung überschüttet. @year3class5 kommentiert: »disappointedthat you’d support zionism and israel btw«.

Aus der Sympathie für eine Stadt und dem Wunsch, dort aufzutreten, wird ein politischer Feind. Dazwischen liegen mehrere Schlussfolgerungen, die niemand für nötig hält zu begründen.

Die Message diesmal: »Bill Kaulitz ist keiner (mehr) von uns.«
 
Zwei Musiker, ein Muster. Die »Free Palestine«-Bubble springt auf jedes noch so kleine Signal an. Ob Shirin David ihre Botschaft aus Überzeugung, Kalkül oder Inszenierung sendet, ist unklar.
 
Bei Bill Kaulitz dasselbe Muster – nur landet er auf der vermeintlich bösen Seite. Dass ein offen queerer Künstler schlicht ein Konzert in Israel spielen möchte, offenbar für alle, die seine Musik mögen: ein unwichtiges Detail.
 
Und die Wassermelonen-Jünger? Einfach zu begeistern, einfach zu erzürnen. Bei Shirin reicht ein »Free« für die Verbündete, bei Bill ein »Tel Aviv! Love!« für den Gegner. Die Aussage selbst ist fast nebensächlich. Entscheidend ist, welchem Lager sie zugerechnet wird.

Die Autorin ist Journalistin, Podcasterin und Moderatorin.

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

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