Humanitäre Hilfe

Mehr als 10.000 Tote in Venezuela erwartet

Anwohner durchsuchen die Trümmer eines Wohnhauses in der venezolanischen Hauptstadt Caracas Foto: picture alliance / AP Photo/Ariana Cubillos

Und wieder sind sie als eine der ersten Hilfsorganisationen vor Ort: IsraAID, Israels größte humanitäre Hilfsorganisation, bereitet nach zwei schweren Erdbeben, die am Mittwochabend Teile Venezuelas verwüsteten, Soforthilfe vor Ort vor. Das erklärte Geschäftsführer Yotam Polizer am Donnerstagmorgen.

Kurz nach 18 Uhr Ortszeit ereignete sich ein Beben der Stärke 7,2 auf der Richterskala, nur wenige Minuten darauf erschütterte ein zweites Beben der Stärke 7,5 die Region. Die Erschütterungen, die zu den stärksten in Venezuela seit über einem Jahrhundert zählen, verursachten in mehreren Bundesstaaten massive Zerstörungen, kommen die Berichte aus dem südamerikanischen Land.

Laut der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez seien dabei mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 700 wurden verletzt. Die Behörden gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Opfer deutlich steigen wird, da Rettungsteams weiterhin in eingestürzten Gebäuden suchen und erst jetzt abgelegene Ortschaften erreichen.

Küstenstaat La Guaira zum »Katastrophengebiet« erklärt

Am schwersten betroffen ist der Küstenstaat La Guaira, etwa 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Caracas, den Rodríguez als »Katastrophengebiet« bezeichnete. Dort stürzten Dutzende Gebäude ein, was großangelegte Rettungsaktionen auslöste. Die Erdbeben beschädigten auch den wichtigsten internationalen Flughafen des Landes in der Nähe von Caracas, unterbrachen die U-Bahn- und Gasversorgung und führten zur Schließung von Schulen, von denen einige nun als Notunterkünfte genutzt werden.

Der US-amerikanische Geologische Dienst (USGS) warnte, dass die endgültige Zahl der Todesopfer in die Tausende gehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar 10.000 übersteigen könnte. Die Such- und Rettungsaktionen wurden am Donnerstag fortgesetzt. Das volle Ausmaß der Schäden ist bislang weiterhin unklar.

IsraAID-CEO Yotam Polizer: »Als Organisation sind wir eng mit Gemeinden im ganzen Land verbunden. Wir arbeiten bereits mit lokalen Partnern, um Soforthilfe vorzubereiten.«

In Israel erklärte das Außenministerium in Jerusalem, es treffe »unverzügliche Vorbereitungen« für den möglichen Einsatz einer Hilfsdelegation und prüfe, wie Israel helfen könne. Bis zum Donnerstagmittag gab es keine Informationen darüber, dass Israelis in Venezuela verletzt oder vermisst wurden.

Die israelische Katastrophenschutzorganisation ZAKA gab ebenfalls bekannt, dass sie Teams für einen möglichen Einsatz zur Unterstützung der lokalen Behörden bei den Rettungsmaßnahmen vorbereite. Auch Zaka habe bislang keine Berichte über Opfer in der kleinen jüdischen Gemeinde des Landes erhalten.

IsraAID kündigte an, ein erstes Team von Katastrophenschutzspezialisten und humanitären Experten aus dem benachbarten Kolumbien sowie aus seinem globalen Katastrophenschutznetzwerk zu entsenden. Die Organisation plant, sich auf psychische Gesundheit und psychologische Erste Hilfe, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene sowie auf die schnelle Ermittlung des humanitären Bedarfs in den betroffenen Gemeinden zu konzentrieren.

IsraAID pflegt seit Jahren enge Beziehungen zu venezolanischen Gemeinden, insbesondere durch die Arbeit mit venezolanischen Flüchtlingen in Kolumbien seit 2019.

IsraAID arbeitet mit lokalen Partnern zusammen

»Wir sind zutiefst betroffen über die Auswirkungen der beiden schweren Erdbeben in Venezuela und unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen«, so Polizer. »Als Organisation sind wir eng mit Gemeinden im ganzen Land verbunden und haben viele venezolanische Teammitglieder.« Man arbeite bereits auf Hochtouren mit lokalen Partnern zusammen, um Maßnahmen vorzubereiten.

»In dieser schwierigen Situation nutzt IsraAID die jahrelange Erfahrung der Hilfsorganisation in der Katastrophenhilfe in Lateinamerika und der Karibik, erklärte der Leiter der Organisation. «Und damit können wir unmittelbar Soforthilfe in einigen der am stärksten betroffenen Gebiete leisten.»

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