Wien

Israel holt zweiten Platz beim Eurovision Song Contest

Noam Bettan nach seinem Auftritt beim ESC-Finale in Wien Foto: picture alliance / APA-Images

Bulgarien hat mit dem Lied »Bangaranga« den 70. Eurovision Song Contest gewonnen. Die Sängerin Dara bekam die meisten Punkte, wie in der Liveshow in Wien bekanntgegeben wurde. Deutschland landete mit der Sängerin Sarah Engels in der Nacht zum Sonntag nur auf dem 23. Platz von 25 Finalisten. Israel wurde mit dem Lied »Michelle« Zweiter, es folgten Rumänien, Australien und Italien sowie Finnland.

Engels war mit der Startnummer 2 ins Rennen gegangen, was vielen als schlechtes Omen gegolten hatte. Noch nie hatte ein Beitrag von Platz 2 den Wettbewerb gewonnen. Doch es war nicht nur der vermeintliche Startnummer-Fluch, der gegen die Kölnerin sprach: Bei den Wettbüros war ihr seit Wochen keine Chance auf eine vordere Platzierung eingeräumt worden.

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Engels versuchte, die schlechten Vorzeichen mit maximaler Energie zu kontern. Ein reduziertes Intro gab ihrem Song »Fire« zunächst mehr emotionale Tiefe, danach folgte eine aufwendige Choreographie mit sehr viel Pyrotechnik. »Was haben wir alles abgebrannt«, bemerkte ESC-Kommentator Thorsten Schorn. »Jetzt geht der Spritpreis wieder hoch.« Nur: Es half nichts.

In diesem Jahr hat der Südwestrundfunk (SWR) innerhalb der ARD erstmals wieder die Federführung für den ESC übernommen. Zuvor lag die Verantwortung fast 30 Jahre lang beim Norddeutschen Rundfunk (NDR).

In der NDR-Zeit lag einerseits der Sieg mit Lena Meyer-Landrut (»Satellite«) im Jahr 2010 - unter aktiver Beteiligung von Stefan Raab. Andererseits landete Deutschland in den letzten elf Jahren auch siebenmal auf dem letzten oder vorletzten Platz. Das letzte richtig gute Resultat für Deutschland liegt mittlerweile acht Jahre zurück - 2018 holte Michael Schulte den 4. Platz.

Boykotte wegen Israel

Wie bereits in den Vorjahren war die ESC-Teilnahme Israels von politischen Spannungen begleitet. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten das Großereignis diesmal sogar, weil sie das Vorgehen Israels im Gazastreifen verurteilen. Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas und anderer Terroristen in Israel am 7. Oktober 2023.

Während des Auftritts des israelischen Sängers Noam Bettan hatte es im ESC-Halbfinale vereinzelt Zwischenrufe gegeben. Daher lag für das Finale die Erwartung nahe, dass es ähnliche Reaktionen geben könnte. Aber größere Störaktionen waren zunächst nicht bemerkbar. 

Bettan konnte souverän seinen Song »Michelle« vortragen. Das Lied hatte einen dreisprachigen Text: Teile waren auf Hebräisch und auf Englisch, der Großteil jedoch auf Französisch. Als Israel viele Punkte des Publikums erhielt, waren allerdings Rufe in der Halle zu hören.

Bei einem großen Public Viewing vor dem Wiener Burgtheater waren während der Schnelldurchlauf-Präsentationen der Songs ebenfalls deutliche Buh-Rufe zu hören, als der israelische Beitrag über den Schirm flimmerte. In der Nähe der Veranstaltungshalle wurden zudem 14 propalästinensische Aktivisten festgenommen. Sie hatten nach Angaben der Polizei eine nicht angemeldete Versammlung abgehalten und gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

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Österreichische Show wirkte etwas behäbig

Drinnen inszenierte Wien sich gewohnt nostalgisch. Passend zu Österreichs Hauptstadt war der sogenannte Green Room, in dem die Teilnehmer während der Show ihren Punkten entgegen bangten, im Stil eines plüschigen roten Wiener Kaffeehauses gestaltet.

Das Host-Duo war bemüht locker. Die »Let’s Dance«-Moderatorin Victoria Swarovski und der Schauspieler Michael Ostrowski blieben aber in den Augen vieler weit weniger lustig als letztes Jahr in Basel Sandra Studer und Hazel Brugger. Als »Professor Eurovision« etwa dozierte Swarovski in Hörsaal-Einspielern akademisch und arg zahlenlastig ESC-Expertise.

Während Vorjahressieger JJ seinen Siegersong von 2025 performte und ein neues Lied vorstellte, blieb der andere noch lebende österreichische ESC-Sieger dieser Ausgabe fern. Tom Neuwirth alias Conchita Wurst (Sieg 2014) hatte im Januar mitgeteilt, sich aus dieser Welt lösen zu wollen und nicht mehr an Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem ESC teilzunehmen.

Dafür gab es zum 70. Jubiläum aber ein Wiedersehen mit vielen anderen früheren Teilnehmern, darunter Lordi, Max Mutzke oder auch Cesár Sampson. Im ersten Halbfinale am Dienstag war zum Beispiel auch Vicky Leandros aufgetreten. dpa/ja

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