Mehr als 40 junge Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung sind am Dienstag bei ihrer Rückkehr aus New York am Flughafen Ben Gurion festgenommen worden. Die Studenten hatten ein Jahr am Hauptsitz der Bewegung in den USA verbracht. Die Militärpolizei brachte sie anschließend zu einer Einberufungsstelle in Tel Hashomer. Dort müssen sie mit Konsequenzen rechnen, wenn sie den Wehrdienst weiterhin verweigern. »Ynet« und viele andere israelische Medien berichteten.
Nach Angaben des israelischen Militärs hängt das weitere Vorgehen davon ab, wie sich die Betroffenen verhalten. Wer sich zur Einberufung bereit erklärt, kann demnach mit einer zur Bewährung ausgesetzten Disziplinarstrafe rechnen und anschließend freikommen. Männer, deren Fälle bereits an die Militärstaatsanwaltschaft übergeben wurden, könnten allerdings anders behandelt werden. Wer als Wehrdienstentzieher eingestuft ist und sich weigert, den Dienst anzutreten, muss mit einer Überstellung in das Militärgefängnis 10 rechnen.
Die Militärpolizei hatte sich auf die Ankunft der Gruppe vorbereitet. Nach Angaben der Armee waren zusätzliche Kräfte am Flughafen eingesetzt worden. Bei einigen der jungen Männer wurden die Reisepässe eingezogen. Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie im Verdacht stehen, ihrer gesetzlichen Pflicht zur Meldung für den Militärdienst nicht nachgekommen zu sein.
Studium und Gebet
Für junge Männer aus Chabad ist ein Studienjahr in den USA ein etablierter Bestandteil ihres religiösen Werdegangs. Üblicherweise reisen sie nach drei Jahren vertiefender Tora-Studien in Israel nach New York, wo sich die Zentrale der Bewegung befindet. Dort widmen sie sich dem Studium, dem Gebet und der Auseinandersetzung mit dem Erbe des Lubawitscher Rebben. Anschließend kehren sie nach Israel zurück, bevor sie sich beispielsweise Aufgaben in der Gemeindearbeit widmen oder heiraten.
Zwischen Chabad und der Armee bestand bislang eine Vereinbarung, die es den Studenten ermöglichte, zunächst ins Ausland zu gehen und ihren Wehrdienst zu einem späteren Zeitpunkt anzutreten. Dafür sollte ein Dienstmodell genutzt werden, das Rücksicht auf die religiöse Lebensweise ultraorthodoxer Männer nimmt.
Die rechtliche Grundlage für diese Praxis ist jedoch offenbar entfallen. Entscheidend ist dabei der Status »Torato Umanuto«, der berechtigten Jeschiwa-Studenten unter bestimmten Voraussetzungen einen Aufschub des Wehrdienstes ermöglicht, solange sie sich dem Torastudium widmen. Ohne eine entsprechende formelle Anerkennung kann die bisherige Vereinbarung nicht mehr ohne Weiteres angewandt werden.
Kritik an Militärpolizei
Die Festnahmen stießen innerhalb der Chabad-Bewegung auf deutlichen Widerspruch. Auch der ultraorthodoxe Journalist Shneur Weber kritisierte die Aktion. Sein Bruder gehörte zu den Betroffenen.
»Das wurde unklug und unangemessen gehandhabt«, sagte Weber. Er selbst habe Militärdienst geleistet. Viele der aus New York zurückgekehrten Studenten hätten ebenfalls vorgehabt, in die Armee einzutreten und ihren Status zu klären. Gerade in einer derart sensiblen Phase sei das Vorgehen nicht der richtige Weg. Weber äußerte die Hoffnung, dass die zuständigen Militärjuristen und die Militärpolizei erkennen würden, dass eine solche Behandlung weder angemessen sei noch zur Lösung des Problems beitrage.
Auch Vertreter von Chabad zeigten sich verärgert. Sie verwiesen darauf, dass zahlreiche Männer aus der Bewegung bereits in den israelischen Streitkräften dienten. Ein Vertreter bezeichnete die Festnahmen als besonders enttäuschend angesichts des hohen Anteils von Chabad-Angehörigen, die sich zum Wehrdienst meldeten.
»Kaum nachvollziehbar«
Es sei beschämend, gezielt gegen junge Männer der Bewegung vorzugehen, erklärte er. Dass ausgerechnet Chabad herausgegriffen werde, obwohl so viele Mitglieder Militärdienst leisteten, sei kaum nachvollziehbar und völlig unnötig.
Die Streitkräfte verteidigten das Vorgehen mit dem Hinweis auf die gesetzliche Wehrpflicht. Die Militärpolizei kontrolliere regelmäßig, ob die Bestimmungen eingehalten würden, auch an Grenzübergängen. Dabei arbeite sie mit anderen Behörden zusammen, darunter der israelischen Bevölkerungs- und Einwanderungsbehörde.
Die am Flughafen kontrollierten Männer seien zum Dienst verpflichtet und müssten sich den gesetzlich vorgesehenen Verfahren stellen, erklärte die Armee. Das Militär werde das Wehrdienstgesetz weiterhin gleichermaßen durchsetzen und sicherstellen, dass die Dienstpflicht erfüllt werde.
Ein Militärvertreter widersprach zudem Berichten, wonach einige der Festgenommenen bereits wieder freigelassen worden seien. Dies treffe nicht zu. Die Armee bemüht sich nach eigenen Angaben darum, den Studenten zu vermitteln, dass es für Wehrwillige auch Dienstmöglichkeiten gibt, die mit den Lebensgewohnheiten der ultraorthodoxen Gemeinschaft vereinbar sind. im