Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu stellt sich eine Woche vor der Parlamentswahl hinter ultrareligiöse jüdische Wehrdienstverweigerer. »Wir müssen die Welt der Tora bewahren, denn sie hat uns bewahrt«, sagte er am Dienstag einem religiösen Radiosender.
Die Festnahme von 40 Tora-Studenten, die sich der Wehrpflicht entziehen wollten, nannte der in einer Koalition mit Ultrareligiösen regierende Ministerpräsident »inakzeptabel«. Das Vorgehen der Justiz sei ein bewusster Versuch, ein zwangfreies Rekrutierungsverfahren zu unterlaufen.
Vergangenen Freitag waren 40 religiöse Wehrdienstverweigerer am Flughafen Tel Aviv festgenommen worden, als sie von den USA wieder einreisten. Die Militärpolizei kündigte an, die Männer vor Gericht zu bringen. Wer in den Militärdienst einwillige, solle eine Bewährungsstrafe erhalten und unmittelbar den Dienst beginnen. Wer sich weiter der Wehrpflicht entziehe, müsse in ein Militärgefängnis, hieß es.
Gefängnis oder Dienst
Nach jüngsten Umfragen ist Netanjahus Likud-Partei, um nach der Wahl am 27. Oktober erneut eine mehrheitsfähige Koalition zu bilden, auch auf strengreligiös-jüdische Parteien angewiesen. Diese wollen ihre Beteiligung aber davon abhängig machen, dass es eine Wehrdienstbefreiung für Religionsstudenten gibt. Die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden ist seit Jahren ein Streitpunkt, an der wiederholt israelische Regierungen gescheitert sind.