Nach dem erneuten Auftauchen von Drachenfliegern aus dem Gazastreifen hat Israels Staatspräsident Isaac Herzog die anhaltende Verunsicherung der Bewohner im Grenzgebiet betont. Bei einem Besuch im schwer vom Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 getroffenen Kibbuz Nir Oz machte er deutlich, dass die Sicherheit der Gemeinden bei allen Überlegungen zur künftigen Regelung für den Gazastreifen eine zentrale Rolle spielen müsse.
Bei der Eröffnung eines Zentrums für Künstliche Intelligenz in Nir Oz sagte Herzog, Israel dürfe nach dem 7. Oktober selbst scheinbar harmlose Vorgänge nicht einfach abtun. »Nach dem 7. Oktober darf der Staat Israel kein Zeichen und keine Sorge der Bewohner an der Grenze unterschätzen, aber er kann auch nicht zulassen, dass ein Drachen den Gazastreifen wieder zum 6. Oktober zurückführt. Der Staat Israel ist hier, beobachtet, ist wachsam und verteidigt«, sagte der Präsident.
Herzog verwies dabei auch auf Gespräche mit Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump und dessen Nahost-Gesandten. Er habe Kushner für dessen Bemühungen gedankt, zugleich aber klargemacht, dass die Sicherheit der Bewohner der Grenzregion bei jeder Vereinbarung über die Zukunft des Gazastreifens im Mittelpunkt stehen müsse.
Erinnerungen an Brand-Drachen
Die jüngsten Verhandlungen über die Entwaffnung der Hamas und den Übergang zur zweiten Phase von Trumps Gaza-Plan, die unter anderem den Wiederaufbau des Küstenstreifens vorsieht, waren zuletzt ohne Durchbruch geblieben.
Für die Bewohner von Nir Oz müsse künftig gelten, dass sie nicht mehr selbst überlegen müssten, was ein Gegenstand am Himmel bedeute, sagte Herzog. »Das ist die Verantwortung des Staates. Zu sehen, zu wissen, zu verhindern und zu verteidigen.« Auch die internationale Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten des sogenannten Friedensrats müssten dieses Prinzip verstehen und verinnerlichen.
Am Wochenende waren mindestens vier Drachen aus dem Gazastreifen in Richtung des Kibbuz Nahal Oz geflogen. Nach Angaben der israelischen Armee ging von den gefundenen Exemplaren keine unmittelbare Gefahr aus. Dennoch lösten die Vorfälle bei vielen Anwohnern Erinnerungen an die Jahre vor dem 7. Oktober 2023 aus.
Hartes Vorgehen
Damals setzten palästinensische Terrororganisationen immer wieder Drachen und Ballons ein, um Brandsätze nach Israel zu transportieren und Feuer auf Feldern und in anderen Gebieten im Süden des Landes zu legen.
Die Hamas erklärte am Sonntag, bei den Flugobjekten habe es sich lediglich um »Kinderspielzeug« aus Flüchtlingslagern im Gazastreifen gehandelt. Zugleich warnte die Terrororganisation Israel davor, seine angekündigten Maßnahmen umzusetzen.
Verteidigungsminister Israel Katz kündigte dagegen ein hartes Vorgehen an. Er und Netanjahu hätten die Armee angewiesen, gegenüber dem Start von Drachen und Ballons aus dem Gazastreifen in Richtung israelischer Gemeinden im Negev eine Politik von »null Toleranz« zu verfolgen. »Ein Ballon und ein Drachen werden genauso behandelt wie eine Drohne - mit oder ohne Sprengstoff«, sagte Katz.
Politik vom 6. Oktober
Dabei grenzte sich der Verteidigungsminister erneut von seinem Amtsvorgänger Yoav Gallant ab. »Ich bin nicht Yoav Gallant, und ich werde nicht zulassen, dass sich die Politik vom 6. Oktober wiederholt, weder aus der Luft noch bei Annäherungen an die Grenze«, erklärte er.
Armee greift Hamas-Mitglieder an
Unterdessen teilte die israelische Armee mit, dass ihre Luftwaffe binnen eines Tages drei Mitglieder der Hamas angegriffen habe, die am Massaker vom 7. Oktober beteiligt gewesen sein sollen.
Bei einem nächtlichen Angriff im Raum Deir al-Balah wurde nach Angaben der IDF Mohammad Abd al-Nasser Jabr Abu Asaad getötet. Er soll der Eliteeinheit Nukhba angehört und am 7. Oktober Israel angegriffen haben. Ein weiterer an dem Angriff beteiligter Hamas-Kämpfer wurde ebenfalls zum Ziel, überlebte den Militärangaben zufolge offenbar.
Die IDF begründete die Angriffe trotz der geltenden Waffenruhe damit, dass die beiden Männer weitere Attacken auf israelische Soldaten und Zivilisten vorbereitet und versucht hätten, militärische Fähigkeiten der Hamas wiederherzustellen. Damit hätten sie die Waffenruhe »systematisch verletzt«. Der Angriff sei erfolgt, »um die Bedrohung zu beseitigen«. im