Glauben

Trotz Krieg: 45.000 Chassidim pilgern nach Uman

Pilger in Uman Foto: Flash 90

Nichts soll sie aufhalten. Weder der Krieg noch die Kosten. Derzeit bereiten sich mehr als 45.000 ultraorthodoxe Chassidim auf die Reise nach Uman vor, um dort am Grab von Rabbi Nachman von Breslov, dem Gründer der chassidischen Bewegung, die Feiertagsgebete zu verrichten. Doch Uman liegt in der Ukraine, und dort herrscht noch immer Krieg.

Rabbi Nachman, der vor mehr als 200 Jahren starb, zieht jedes Jahr Zehntausende an sein Grab, nachdem er zu Lebzeiten der Legende nach erklärt haben soll: »Mein Rosch Haschana übertrifft alles.«

Es wird erwartet, dass dies die größte Pilgerzahl sein wird, die die Stadt seit Beginn des Krieges in der Ukraine erreicht. Schätzungsweise 35.000 kommen aus Israel. Doch Direktflüge gibt es noch immer nicht.

Keine Direktflüge in die Ukraine

Daher ist eine umfassende und komplexe internationale Koordination gefordert, um diese Massenpilgerreise durchzuführen. Hunderte vollbesetzte Maschinen werden voraussichtlich in sechs an die Ukraine angrenzenden Ländern landen: Moldawien, Rumänien, Bulgarien, Slowakei, Ungarn und Polen. Von dort aus werden Fahrten in die Ukraine organisiert.

Die israelische Regierung werde die Pilger bei ihrer Reise unterstützen, heißt es aus Jerusalem. Laut einem aktuellen Plan sollen dafür um die vier Dutzend israelische Polizeibeamte die Reisenden begleiten und an den Grenzübergängen in der Ukraine und Rumänien sowie in Uman selbst stationiert werden. Bei Bedarf soll Verstärkung bereitstehen.

Die Präsenz israelischer Polizisten an diesen Orten soll vor allem zur Vermeidung von Konflikten mit den lokalen Behörden beitragen, die es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben hatte. Auch früher waren bereits kleinere Polizeidelegationen entsandt worden, doch dieses Mal sei der Einsatz wegen der Teilnehmerzahl und der Erfahrungen besonders umfassend.

Ukrainisches Außenministerium: »Wegen des Krieges kann die Ukraine keine vollständige Sicherheit für ausländische Besucher garantieren.«

Polizisten werden auch nicht die einzigen israelischen Beamten vor Ort sein. Dutzende Diplomaten des Außenministeriums sollen die Reisenden zudem an den verschiedenen Flughäfen begleiten und Teil des Netzwerks sein, das einen reibungslosen Ablauf gewährleisten soll.

Auch die ukrainischen Behörden arbeiten daran, die Ankunft der Breslover Chassidim in Uman zu erleichtern, heißt es aus dem Land. Vor Kurzem habe die »Breslover Union« in Uman eine Vereinbarung mit der Stadtverwaltung erreicht. Demzufolge soll die Touristensteuer bei Vorauszahlung nur 27 statt 45 US-Dollar bei der Einreise in die Stadt betragen, berichtete die Zeitung Yeshiwa World News.

Die Stadtverwaltung und die Union einigten sich außerdem auf Maßnahmen, um den Zugang zum Bereich um das Grab von Rabbi Nachman zu vereinfachen und eine Überfüllung zu vermeiden. Rabbi Natan Ben Nun, Vorsitzender der Breslover Union, traf sich dafür dem Gouverneur der Region Tscherkassy, dem regionalen Polizeichef und weiteren hochrangigen Beamten.

Touristensteuer für die Stadt verringert

Doch trotz aller Vorbereitungen bleibt die Reise riskant. Das ukrainische Außenministerium hat die Pilger ausdrücklich aufgefordert, die Gefahren abzuwägen. Wegen des Krieges, russischer Raketen- und Drohnenangriffe sowie der Gefahr von Sabotage könne die Ukraine keine vollständige Sicherheit für ausländische Besucher garantieren. Auch in Uman gelten weiterhin Kriegsrecht und nächtliche Ausgangssperren.

Der Gouverneur der Region Tscherkassy, Ihor Taburets, betonte, die Sicherheit der Einwohner und Pilger habe höchste Priorität. In Uman soll während der Feiertage eine eigene Einsatzzentrale arbeiten. Sicherheits-, Medizin-, Transport- und Ordnungsdienste seien auf einen verstärkten Einsatz vorbereitet. »Uman bereitet sich auf den Empfang der Pilger zu Rosch Haschana vor«, sagte Taburets – und erinnerte zugleich daran, dass weiterhin Krieg in der Ukraine herrscht.

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026

Hintergrund

Terror über den Wolken

Wie Pilot und Passagiere im Flug von Dubai nach Tel Aviv eine Katastrophe verhinderten

von Sabine Brandes  08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

7. Oktober

»Erinnern heißt auch, nach der Wahrheit zu suchen«

Bei der großen Gedenkveranstaltung im Hayarkon-Park standen die Opfer im Mittelpunkt – und die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchungskommission

von Sabine Brandes  08.10.2026

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026

Porträt

Nach der Musik das Essen

Der Norden war von Terror und Krieg besonders geschunden. Aber auch Absagen aus dem Ausland beendeten Shachar Bers Karriere als Drummer. Mit einer eigenen Aufstrich-Marke wagt er den Neuanfang

von Sabine Brandes  07.10.2026

Nachrichten

Massage, Kibbuz, Opposition

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026