Ein Ex-Spion geht in die Politik. Jonathan Pollard für eine politische Partei entschieden: Am Wochenbeginn gab er in Jerusalem seinen Beitritt zur Partei »Israel zuerst« (Israel First) unter der Führung der Knessetabgeordneten Sharren Haskel bekannt. Die gemeinsame Erklärung wurde in der Nähe der Klagemauer unterzeichnet. Pollard sagte darin: »Ich glaube an Sharren. Und ich glaube an Israel.«
Vor einigen Wochen hatte Pollard zum ersten Mal seine Absicht bekundet, in die Politik einzusteigen. Pollard erklärte, seine Unterstützung für Haskel basiere auf seiner Überzeugung, Israel brauche eine »zionistische, nationale und mutige« Führung, die der Sicherheit höchste Priorität einräume, an das Recht des jüdischen Volkes auf sein Land glaube und sich nicht dafür entschuldige, dass Israel ein jüdischer Staat sei.
»Ich war keine Ausnahme. Mein Verrat und meine Verlassenheit waren keine Ausnahme. Am 7. Oktober sah ich, dass das ganze Land verlassen und verraten worden war«, sagte der 72-jährige Pollard auf Englisch und bezog sich dabei auf die Jahre, die er im Gefängnis verbracht hatte.
Pollard vergleicht seine Verlassenheit mit 7. Oktober
Viele Abgeordnete würden zwar »großspurig reden«, aber die Verantwortung für den Hamas-Angriff nicht übernehmen, betonte er und sagte zu Haskel: »Wir können uns nur dann sicher sein, dass so etwas nicht wieder passiert, wenn wir Leute wie Sie wieder in verantwortungsvolle Positionen in der Regierung bringen.«
Anfang des Jahres hatte Pollard erklärt: »Ich persönlich befürworte die Zwangsumsiedlung aller derzeitigen Bewohner des Gazastreifens, die Annexion des Gazastreifens und die Wiederbesiedlung durch uns.«
Haskel, die zuvor Mitglied der Partei Neue Hoffnung von Außenminister Gideon Sa’ar war, bezeichnete Pollards Beitritt als »bedeutende Stärkung« und erklärte, man akzeptiere dessen Überzeugung »mit Demut und Entschlossenheit«.
Jonathan Pollard: »Wir können uns nur dann sicher sein, dass so etwas nicht wieder passiert, wenn wir Leute wie Sie wieder in verantwortungsvolle Positionen in der Regierung bringen.«
Haskels neue Partei »Israel First« gehört dem sogenannten »dritten Block« der Mitte-Rechts-Parteien an, der einen Kompromiss zwischen dem Likud und den zionistischen Oppositionsparteien erzwingen will, um eine breite zionistische Einheitsregierung zu bilden. Keine der Parteien des Blocks konnte in den letzten Umfragen die Wahlhürde überwinden.
In den Monaten vor seiner Ankündigung habe Pollard verschiedene Optionen für einen Einstieg in die Politik geprüft, berichteten israelische Medien. Politische Quellen, die mit den Kontakten vertraut sind, berichten, dass Pollard Verbindungen zu etablierten Persönlichkeiten und Parteien des rechten Spektrums auslotete und gleichzeitig die Möglichkeit der Gründung einer unabhängigen Partei prüfte. Unter anderem habe er Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den rechtsextremen Parteien von Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich untersucht.
Für die Gründung einer eigenen Partei hätte ihm die notwendige Unterstützung gefehlt, hieß es weiter. Nach all diesen Versuchen entschied sich Pollard für »Israel zuerst«.
Der Fall Pollard führte zu Spannungen zwischen Israel und den USA
Der jüdische Pollard ist ein ehemaliger Geheimdienstanalyst der US-Marine. Von 1985 bis 2015 saß er in einem in einem US-Gefängnis, weil er Geheimnisse an Israel weitergegeben hatte. Dieser Fall führte zu ernsthaften Spannungen zwischen Jerusalem und Washington.
Nach seiner Freilassung 2015 blieb er aufgrund von Bewährungsauflagen bis 2020 in den Vereinigten Staaten. Erst dann hob das US-Justizministerium die Auflagen auf, und er konnte nach Israel auswandern, das ihm 1995 die Staatsbürgerschaft verliehen hatte.