Nahost

Israel warnt Hamas wegen mehrerer Flugobjekte

Feuerangriffe per Drachen gab es bereits vor dem 7. Oktober (Archivbild) Foto: Flash 90

Israel verschärft den Ton gegenüber der palästinensischen Terrororganisation Hamas wegen mehrerer drachenförmiger Flugobjekte, die aus dem Gazastreifen nach Israel gelangt sind. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz erklärten laut übereinstimmenden israelischen Medienberichten am Sonntag, die israelische Armee werde ihre Angriffe im Gazastreifen ausweiten, sollten derartige Vorkommnisse nicht umgehend aufhören.

Nach einer Lagebesprechung, bei der auch die Bedrohung durch Drohnen und Ballons erörtert wurde, machten Netanjahu und Katz deutlich, dass sich mögliche Angriffe gegen diejenigen richten sollen, die für die Starts verantwortlich sind. Zugleich schlossen sie Evakuierungen aus Gebieten nicht aus, von denen aus die Flugobjekte gestartet werden.

Katz hatte die Armee bereits zuvor angewiesen, auf weitere aus dem Gazastreifen kommende Flugdrachen »sofort und mit aller Härte« zu reagieren. »Wir betrachten jeden Start in jeder Hinsicht als Kriegshandlung und sind entschlossen, die israelischen Ortschaften umfassend zu schützen«, erklärte der Verteidigungsminister. Ein Ballon werde dabei wie ein Drachen behandelt, ein Drachen wie eine Drohne - unabhängig davon, ob Sprengstoff mitgeführt werde oder nicht.

Von der Hamas angewiesen

»Wir werden nicht zulassen, dass die Realität vor dem 7. Oktober zurückkehrt«, sagte Katz. Wer die Starts organisiere, durchführe oder ermögliche, müsse »sofort und mit voller Härte« mit Konsequenzen rechnen.

Nach Angaben des Militärs wurden in der vergangenen Woche mindestens sechs Flugdrachen registriert, die die Grenze vom Gazastreifen nach Israel überquerten. Allein innerhalb von 24 Stunden waren mehrere weitere Fälle hinzugekommen. Der israelische Sender Kan berichtete unter Berufung auf eine militärische Quelle sogar von insgesamt zehn derartiger Flugobjekte in den vergangenen Tagen.

Nach Einschätzung israelischer Sicherheitskreise werden die Flugobjekte offenbar von palästinensischen Jugendlichen gestartet. Dabei soll es sich teilweise um 12- oder 13-Jährige handeln, die möglicherweise von Hamas-Mitgliedern gesteuert oder angewiesen werden.

»Nötige Ernsthaftigkeit«

Die Entwicklung sorgt insbesondere in den Gemeinden im westlichen Negev für Unruhe. Bewohner kritisieren, dass die Armee zunächst nicht unmittelbar auf die Vorfälle reagiert habe. Bereits vor dem 7. Oktober hatte die Hamas Einheiten eingesetzt, die mit Ballons und Drachen Brandmaterial nach Israel transportierten. Dabei waren Felder, Wälder, Gebäude und Infrastruktur beschädigt worden.

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Auch innerhalb der Armee gab es nach Medienberichten Kritik. Soldaten der Gaza-Division erklärten demnach, sie seien nicht ausreichend über die neue Entwicklung und mögliche Einsatzverfahren informiert worden. Hintergrund ist unter anderem die Befürchtung, dass die Drachen mit Sprengstoff oder anderen gefährlichen Vorrichtungen versehen sein könnten.

Ein israelischer Militärvertreter betonte unterdessen, die Armee nehme die Gefahr ernst. »Die IDF unterschätzt die Bedrohung nicht, beobachtet sie und behandelt jeden Vorfall mit der nötigen Ernsthaftigkeit, um zu verstehen, wer dahintersteckt, wann die Starts erfolgen und wo die Flugobjekte landen könnten.«

Keine unmittelbare Gefahr

Gleichzeitig deutete der Vertreter an, dass die Armee zunächst die weitere Entwicklung beobachten wolle. »Wir müssen abwarten und sehen, ob daraus ein Trend wird, und dann werden entsprechende Schritte erwogen«, sagte er.

Nach Angaben der Armee wurde am Samstag im Bereich des Kibbuz Nahal Oz ein weiterer Drachen entdeckt. Bei anschließenden Suchaktionen fanden Soldaten drei zusätzliche Exemplare. Gefährliche oder verdächtige Gegenstände seien daran nicht festgestellt worden. Nach militärischer Einschätzung waren die Drachen aus dem Gazastreifen gekommen. Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Die Armee erklärte zudem, sie stehe weiterhin in ständigem Kontakt mit den Gemeinden entlang der Grenze. Unabhängig von den Drachenvorfällen seien in der vergangenen Woche 13 Hamas-Mitglieder getötet worden, darunter ranghohe Feldkommandeure. Die Einsätze hätten sich gegen Hamas-Aktivisten im Gazastreifen sowie im Bereich der sogenannten Gelben Linie gerichtet.

Kein großes Vertrauen

Für die Bewohner der Grenzregion ist die Entwicklung dennoch höchst beunruhigend. Uri Epstein, Vorsitzender des Regionalrats Sha’ar HaNegev, sagte im Radio, nach dem 7. Oktober müsse die Beweislast bei Staat und Militär liegen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheitsbehörden sei ohnehin nicht besonders groß.

»Das bringt die Gefühle und das Déjà-vu aus der Zeit vor dem 7. Oktober zurück. Wir kehren zu dem Gefühl zurück, dass es nur ein Drachen ist und was zuvor geschehen ist«, sagte Epstein. Die Hamas sei auch fast drei Jahre nach dem 7. Oktober nicht zerschlagen und übe weiterhin Kontrolle über die Bevölkerung im Gazastreifen aus. »Die Menschen fragen: Was passiert hier? Kehren wir genau zu den gleichen Mustern zurück?«

Epstein warnte davor, die Vorfälle als Einzelfälle abzutun. »Das ist kein lokaler Vorfall mehr; das ist ein Phänomen, und es muss untersucht und behandelt werden.« im

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