Nach 78 Jahren ist die »Altalena« gefunden. Das Schiff, das im Juni 1948 auf Befehl von Premierminister David Ben-Gurion während des Unabhängigkeitskrieges bombardiert und versenkt worden war, wurde am Sonntagabend nahezu unversehrt auf dem Meeresboden geortet.
Nach einer Erklärung aus der Regierung liegt das Wrack in 503 Metern Tiefe, etwa 20 Kilometer vor der israelischen Küste auf dem Meeresboden. Das Schiff sei mithilfe eines mit Spezialsensoren und modernen Vermessungssystemen ausgestatteten Schiffes entdeckt worden, so Kulturerbeminister Amichai Eliyahu von der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit.
Das Waffenschmugglerschiff war im Juni 1948 während des israelischen Unabhängigkeitskrieges von Menachem Begins rechtsgerichteter paramilitärischer Irgun-Miliz (auch bekannt als Etzel) nach Israel gebracht worden.
Ben-Gurion stand in erbittertem Konflikt mit Menachem Begin
Da der Staat und sein Militär erst wenige Wochen alt waren, forderte Ben-Gurion, der in erbittertem Konflikt mit Begin stand, die Übergabe des Schiffs und seiner Ladung an die neu gegründeten israelischen Streitkräfte (IDF). Begin weigerte sich, was zu einer bewaffneten Auseinandersetzung führte.
Als das Schiff die Küste erreichte und auf Grund lief, kam es zu einem Feuergefecht zwischen Irgun-Kämpfern an Bord und IDF-Soldaten am Ufer. Letztere hatten den Befehl, das Schiff zu zerstören. Durch Kanonenfeuer unter dem Kommando des jungen Yitzchak Rabin wurde es in Brand gesetzt. Rabin wurde später Generalstabschef und dann Premierminister Israels. Er wurde am 4. November 1995 auf einer Friedensdemo von einem jüdischen Terroristen ermordet.
Bei dem Kampf um die »Altalena« starben 16 Mitglieder der Irgun und drei Soldaten der neu ins Leben gerufenen IDF. Die Ladung des Schiffes ging verloren. Das Wrack wurde später aufs Meer geschleppt und versenkt.
»Die Lokalisierung der ›Altalena‹ ist ein aufregender historischer Moment.« Hagai Ronen, Generaldirektor der Behörde für Meereskartierung
Die Auseinandersetzung um die »Altalena« war eines der bittersten Ereignisse in der Geschichte des jungen Staates Israel. Der Fall ist seither zu einem Symbol der israelischen Rechten geworden.
Im August 2025 hatte der öffentlich-rechtliche Sender Kan erstmals berichtet, dass Eliyahu in einer Regierungssitzung bekannt gegeben hatte, sein Ministerium prüfe die Möglichkeiten zur Lokalisierung des Schiffes. Es hieß, dass eine Million Schekel dafür investiert worden sei. Justizminister Yariv Levin erklärte in derselben Sitzung, »die ›Altalena‹ muss zu einem Denkmal und Symbol für den Heldenmut der Revisionisten« gemacht werden.
Den Fund nannte Eliyahu einen »historischen Schritt zur Erhaltung zionistischer Stätten im maritimen Raum«. Kan berichtete weiter, dass das Ministerium verschiedene Optionen für mögliche Denkmäler prüft, darunter eine schwimmende Markierung. Die Dokumentation des Schiffes unter Wasser habe bereits begonnen.
Wrack kann wahrscheinlich nicht geborgen werden
Roni Sade, Direktor der Abteilung für Meereskartierung am Kartierungszentrum hatte die Suchexpedition geleitet. Hagai Ronen, der Generaldirektor der Behörde, sagte am Montag: »Die Lokalisierung der ›Altalena‹ ist ein aufregender historischer Moment. Wissen, Technologie und fortschrittliche Kartierungsverfahren ermöglichen es uns, ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des Staates Israel zu beleuchten.«
Die Experten meinen jedoch, dass es aufgrund der Tiefe und Lage des Wracks wahrscheinlich unmöglich sei, es vollständig aus dem Wasser zu bergen.