Trotz einer offiziell geltenden Waffenruhe kommt es im Süden des Libanon weiterhin zu Kämpfen zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah. Israels Generalstabschef Eyal Zamir stellte bei einem Besuch von Truppen klar, dass sich die Lage vor Ort grundlegend von der diplomatischen Darstellung unterscheide.
»An der Front gibt es keine Waffenruhe; ihr kämpft weiter, um direkte und indirekte Bedrohungen für die nördlichen Gemeinden zu beseitigen«, sagte Zamir. Die Armee werde Angriffe nicht hinnehmen und ihre Positionen im Grenzgebiet so lange halten, bis die Sicherheit für die Bevölkerung gewährleistet sei.
Nach Militärangaben setzte Israel seine Operationen im Süden des Libanon fort und griff mehrere Ziele an, darunter Waffenlager und Infrastruktur, die von der Hisbollah genutzt worden seien. Zudem seien Raketenstellungen zerstört und Drohnen abgefangen worden. Umgekehrt habe die Hisbollah erneut Sprengstoffdrohnen gegen israelische Einheiten eingesetzt, die jedoch keine Verletzten verursacht hätten.
Meinungsverschiedenheiten zwischen Israel und USA
Parallel zu den Gefechten laufen diplomatische Bemühungen, die Situation zu entschärfen. Die Waffenruhe war Mitte April unter Vermittlung der USA zustande gekommen und später verlängert worden. US-Präsident Donald Trump drängt Berichten zufolge darauf, die Gespräche mit Beirut fortzusetzen und eine erneute groß angelegte Offensive zu vermeiden.
Aus israelischen Regierungskreisen hieß es dagegen, man wolle die Verhandlungen zeitlich begrenzen und sich die Option auf eine umfassendere Militäraktion offenhalten, sollte keine Einigung erzielt werden. Trump habe jedoch dazu aufgefordert, Zurückhaltung zu üben und Schritte zu vermeiden, die die Waffenruhe gefährden könnten.
Israels Außenminister Gideon Sa’ar machte die Hisbollah für die anhaltende Eskalation verantwortlich. Die Miliz ziehe den Libanon weiter in den Konflikt hinein. »Wenn sie angreifen, müssen wir reagieren«, sagte er. Israel habe keine territorialen Ambitionen, werde sich jedoch erst zurückziehen, wenn die Terroristen entwaffnet seien. im