Studie

Lebenshaltungskosten in Israel übertreffen selbst wohlhabende EU-Staaten deutlich

Foto: Copyright (c) Flash 90 2016

Die Lebenshaltungskosten in Israel liegen nach einer neuen Analyse deutlich über denen selbst wohlhabender europäischer Länder – mit spürbaren Folgen für den Alltag der Bevölkerung. Die Untersuchung des Aaron Institute for Economic Policy an der Reichman University in Herzliya kommt zu dem Ergebnis, dass das Preisniveau den Lebensstandard im Land um rund 14 Prozent drückt und langfristig sogar Auswanderung begünstigen könnte. Dies geht aus Berichten von »The Jerusalem Post« und anderen israelischen Medien hervor.

Besonders stark fallen die Unterschiede im internationalen Vergleich aus: Gegenüber reichen europäischen Staaten wie Österreich oder Dänemark liegt Israel im Schnitt um mehr als ein Fünftel höher. Im Vergleich zu beliebten Reiseländern mit niedrigerem Einkommen – etwa Griechenland oder Spanien – beträgt der Abstand sogar rund zwei Drittel.

Als Haupttreiber gelten vor allem Wohnkosten und Nahrungsmittel. Gerade beim Wohnraum hat sich die Entwicklung in den vergangenen zwei Jahrzehnten drastisch gedreht: Während Israel früher günstiger war, liegen die Kosten inzwischen deutlich über denen vergleichbarer Länder. Im Vergleich zu wirtschaftlich schwächeren Staaten sind Immobilienpreise sogar um bis zu 85 Prozent höher.

Strukturelle Ursachen

Auch Lebensmittel haben sich stark verteuert. »Es ist daher kein Wunder, dass viele Israelis Wohnungen in diesen Ländern kaufen«, heißt es in der Studie mit Blick auf günstigere Märkte im Ausland. Bei Nahrungsmitteln sei die Entwicklung ähnlich: Aus einem früheren Preisvorteil sei ein deutlicher Nachteil geworden.

Die Autoren sehen die Ursachen vor allem in hausgemachten Faktoren. Ein häufiger Erklärungsansatz – Israels geografische Lage und Transportkosten – greife zu kurz. Auch im Vergleich mit anderen Insel- oder Randlagen innerhalb der OECD sei das Preisniveau in Israel außergewöhnlich hoch.

Vielmehr spielen Handelsbarrieren, ein stark regulierter Markt und hohe Importzölle eine zentrale Rolle. Besonders im Agrarsektor werde Unterstützung für Landwirte häufig indirekt über hohe Verbraucherpreise gewährt, statt über direkte Subventionen.

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Nachfrage wächst schneller als Angebot

Eine der Studienautorinnen, Sarit Menahem-Carmi, kritisiert die bestehende Praxis deutlich: »Die Regulierung in Israel ist so streng, dass sie festlegt, welches Obst oder Gemüse importiert werden darf und aus welchem Land. Bananen zum Beispiel können nicht importiert werden«, sagte sie laut »Jerusalem Post«. Im Milchsektor wirkten zudem Produktionsquoten und Preisvorgaben preistreibend.

Hinzu kommt eine wachsende Bevölkerung: Während die landwirtschaftliche Produktion in den vergangenen 20 Jahren nur moderat gestiegen sei, habe die Einwohnerzahl deutlich stärker zugenommen. Diese Lücke werde letztlich an der Supermarktkasse sichtbar.

Auch steuerliche Faktoren und religiöse Vorschriften wie die Kaschrut tragen laut Studie zum Preisniveau bei. Zusammengenommen erklären sie etwa ein Drittel des Unterschieds, während der größere Teil auf Marktstrukturen und Regulierung zurückgeht.

Reformen stocken

Zwar stand die Entwicklung der Wohnkosten zuletzt im Fokus der Politik, doch bei Lebensmitteln seien Reformen vielfach gescheitert oder gar nicht erst umgesetzt worden. Politischer Druck habe dazu geführt, dass geplante Maßnahmen zurückgenommen wurden.

Die Autoren plädieren für einen grundlegenden Kurswechsel: niedrigere Importhürden, mehr Wettbewerb und direkte Unterstützung für Landwirte nach internationalem Vorbild. Nur ein umfassender Ansatz könne die Preise nachhaltig senken.

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