Hintergrund

Teurer Krieg – widerstandsfähige Wirtschaft

Foto: copyright (c) Flash90 2020

Genau eine Woche und einen Tag dauert der Krieg gegen den Iran am Sonntag. Er ist nicht nur eine militärische, sondern auch eine wirtschaftliche Kraftprobe für Israel. Denn die Kosten steigen für den Staat mit rasanter Geschwindigkeit. Nach Berechnungen des Finanzministeriums belief sich der wirtschaftliche Schaden bereits nach einer Woche auf rund 9,4 Milliarden Schekel – umgerechnet mehr als 2,6 Milliarden Euro.

Zwar wurden einige Bereiche der strengen Sicherheitsbeschränkungen der ersten sieben Tage ab Sonntag etwas gelockert, doch noch immer bestimmen Kampfflugzeuge über dem Nahen Osten und Raketenalarm den Alltag, das Land ist im Ausnahmezustand.

In einem Schreiben an den Chef des israelischen Heimatfrontkommandos habe der Direktor im Finanzministerium, Ilan Rom, bereits Mitte der vergangenen Woche um eine Lockerung der Beschränkungen gebeten, berichtete die Times of Israel. Vor allem sollten Betriebe und Arbeitsstätten schrittweise wiedereröffnet werden.

Milliarden an Kosten umfassen auch den wirtschaftlichen Stillstand

»Es besteht kein Zweifel daran, dass eine der Sicherheitslage angepasste Verteidigungspolitik notwendig ist. Gleichzeitig ist eine flächendeckende Stilllegung der Wirtschaft jedoch mit erheblichen Kosten verbunden«, warnte Rom.

Die genannten Milliarden umfassen nicht nur die direkten Militärausgaben, sondern auch den wirtschaftlichen Stillstand, der mit dem Krieg einhergeht: Schulen bleiben geschlossen, viele Unternehmen arbeiteten gar nicht und in der nahen Zukunft nur eingeschränkt, mehr als Hunderttausende Reservisten sind mobilisiert und gehen nicht zur Arbeit.

»Die Kosten entstehen auf zwei Ebenen«, erklärt der Ökonom Eyal Kimhi vom Shoresh-Institut für sozioökonomische Forschung. »Zum einen die direkten militärischen Ausgaben – Reservistentage, Flugstunden, Abfangraketen und Munition. Zum anderen der Verlust wirtschaftlicher Aktivität.«

Wie teuer der militärische Teil des Konflikts ist, zeigen einzelne Beispiele. Moderne Kampfflugzeuge wie Israels F-35-Jets verursachen Betriebskosten von rund 38.000 Dollar pro Flugstunde. Gleichzeitig verschlingen Raketenabwehrsysteme wie Arrow oder David’s Sling hohe Summen – jeder einzelne Abfangvorgang kann Hunderttausende Euro kosten.

Ilan Rom: »Eine flächendeckende Stilllegung der Wirtschaft ist mit erheblichen Kosten verbunden.«

Hinzu kommt der indirekte Schaden. Fabriken arbeiten mit reduzierter Belegschaft, Baustellen stehen still, Konsum und Tourismus sind zeitweise fast gänzlich eingebrochen. Nach Einschätzung von Finanzminister Bezalel Smotrich könnte sich der wirtschaftliche Verlust deutlich verringern, wenn die landesweiten Beschränkungen gelockert werden.

Auch politisch verschärft der Krieg die Haushaltslage. Der neue Staatshaushalt ist in der Knesset noch immer nicht verabschiedet, während die Ausgaben für Verteidigung und zivile Unterstützung täglich steigen. Finanzexperten warnen, dass sich das Haushaltsdefizit dadurch deutlich erhöhen werde. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Regierung, zusätzliche Mittel für Raketenabwehr, Reservisten und Wiederaufbau bereitzustellen.

Trotz dieser Belastungen zeigt sich die israelische Wirtschaft bislang erstaunlich widerstandsfähig. Ratingagenturen und Analysten verweisen auf strukturelle Stärken: eine große High-Tech-Industrie, hohe Produktivität und die Fähigkeit vieler Unternehmen, auch während Raketenalarm remote weiterzuarbeiten. Rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung stammen aus dem Technologiesektor, der selbst unter Kriegsbedingungen relativ stabil arbeitet.

Internationale Finanzinstitute sehen keinen dauerhaften Einbruch

Internationale Finanzinstitute sehen deshalb keinen dauerhaften Einbruch. In einer aktuellen Analyse prognostiziert JPMorgan, dass die Wirtschaft zwar kurzfristig gebremst wird, langfristig jedoch nur begrenzten Schaden nehmen dürfte. Die Bank schätzt, dass das Haushaltsdefizit im Jahr 2026 auf etwa 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen wird, gegenüber einer Prognose von 3,8 Prozent vor dem Krieg. Dies entspricht einer Erhöhung des Defizits um rund 2.5 Milliarden Euro.

Zwar erwarten die Analysten einen vorübergehenden Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten, doch gehen sie von einer relativ schnellen Erholung aus – ähnlich wie nach früheren militärischen Eskalationen. Trotz des größeren Haushaltsdefizits würden die Fundamentaldaten der Wirtschaft stabil bleiben. Israel habe in der Vergangenheit wiederholt gezeigt, so JPMorgan, dass es wirtschaftliche Schocks schnell bewältigen könne – nicht zuletzt dank einer diversifizierten Exportwirtschaft und eines starken Hightech-Sektors.

Susanne Stephan

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