Douze Points - aber nicht mehr für Israel? Wie das israelische Nachrichtenportal ynet berichtet, sei innerhalb der Europäischen Rundfunkunion (EBU) in nicht öffentlichen Gesprächen angeblich ein Vorschlag diskutiert worden, Israel aus dem europäischen Wettbewerb zu entfernen und stattdessen dem neuen »Eurovision Asia«-Format zuzuordnen.
Nach Angaben von zwei mit den Gesprächen vertrauten Quellen sei die Möglichkeit im Rahmen von Sondierungen mit asiatischen Staaten erörtert worden, nachdem die bereits an Eurovision Asia teilnehmen oder derzeit über einen Beitritt verhandeln. Die Idee sei zwar nicht auf einhellige Zustimmung gestoßen, dennoch liege sie angeblich inzwischen offiziell »auf dem Tisch«.
Die EBU verwies auf die geltenden Regeln des Wettbewerbs
Kurz nach der Berichterstattung aus Israel äußerten sich die Eurovision-Organisatoren: Die EBU verwies dabei auf die geltenden Regeln des Wettbewerbs: Teilnehmen darf jedes Land, dessen öffentlich-rechtlicher Sender Mitglied der Europäischen Rundfunkunion ist – und das ist Israel. Deshalb gehört der kleine Nahoststaat trotz seiner geografischen Lage seit 1973 zum Eurovision Song Contest, also in Europa.
Für Israel wäre ein Ausschluss aus dem europäischen ESC ein politisch wie kulturell sensibles Signal. Seit Jahrzehnten gehört das Land fest zur Eurovision-Familie und gewann den Wettbewerb bislang viermal – zuletzt 2018 mit Netta Barzilai und ihrem Song »Toy«.
Doch gerade in den vergangenen Jahren geriet Israels Teilnahme zunehmend in den Mittelpunkt politischer Kontroversen. Demonstrationen, Boykottaufrufe und heftige Debatten begleiteten zuletzt nahezu jeden Auftritt der israelischen Delegation.
EBU: »Teilnehmen darf jedes Land, dessen öffentlich-rechtlicher Sender Mitglied der Europäischen Rundfunkunion ist.«
In diesem Jahr eskalierte die Diskussion weiter. Mehrere Länder, die Niederlande, Spanien, Slowenien, Irland und Island, zogen sich zeitweise aus dem Wettbewerb zurück beziehungsweise drohten mit Konsequenzen wegen der Teilnahme Israels.
Die EBU verteidigte zwar grundsätzlich das Recht Israels auf Teilnahme, reagierte aber gleichzeitig mit neuen Regeländerungen. So wurde der Einfluss des Publikums-Votings in den Halbfinals reduziert: Künftig sollen Jurys dort 50 Prozent der Stimmen erhalten.
Rüge gegen den israelischen öffentlich-rechtlichen Sender Kan
Zusätzliche Spannungen entstanden vergangene Woche durch eine offizielle Rüge gegen den israelischen öffentlich-rechtlichen Sender Kan. Die EBU warf dem Sender vor, gegen Wettbewerbsregeln verstoßen zu haben, nachdem in einer Sendung Zuschauer dazu aufgerufen worden waren, bis zu zehnmal für den israelischen Teilnehmer Noam Bettan abzustimmen. Andere Länder hatten bereits ähnliche Aufrufe verbreitet. Daher werfen viele Israelis der EBU vor, gegenüber Israel deutlich härter zu reagieren.
Parallel dazu versucht die Rundfunkunion offenbar, mit Eurovision Asia ein neues internationales Format aufzubauen. Das Finale der ersten Ausgabe soll im November in Bangkok stattfinden. Nach bisherigen Angaben beteiligen sich unter anderem Südkorea, Bangladesch, Kambodscha, Malaysia, Thailand, Vietnam, die Philippinen und Nepal.