Alon Schvut

Charedim greifen Haus des Vizepräsidenten des Obersten Gerichts an

Polizeibeamte sichern in der Garage von Richter Noam Sohlberg Beweise. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Nach Ausschreitungen ultraorthodoxer Demonstranten gegen die Verfolgung von Wehrdienstverweigerern ist das Wohnhaus des stellvertretenden Präsidenten des Obersten Gerichts Israels, Noam Sohlberg, Ziel eines Angriffs geworden. Dutzende Randalierer beschädigten nach Angaben der Polizei Fenster, Fahrzeuge und weitere Teile des Grundstücks in Alon Schvut und versuchten offenbar, in das Haus einzudringen. Alle namhaften israelischen Medien berichteten.

Sohlberg und seine Ehefrau befanden sich während des Vorfalls im Gebäude. Die Angreifer konnten zunächst fliehen, wurden jedoch später von Polizeikräften gestoppt. Zahlreiche Verdächtige wurden festgenommen.

Fotos vom Tatort zeigten zerstörte Fensterscheiben, beschädigte Blumentöpfe sowie ein Auto mit eingeschlagener Windschutzscheibe. Zudem wurden Karten mit einer israelischen Flagge entdeckt, auf der anstelle des Davidsterns ein Hakenkreuz abgebildet war.

Empörung über Angriff

Die Justizverwaltung verurteilte den Vorfall scharf und sprach von einem schwerwiegenden Angriff auf das Sicherheitsgefühl von Richtern und deren Familien. Versuche, Richter einzuschüchtern oder unter Druck zu setzen, würden die Arbeit der Gerichte nicht beeinflussen.

Auch Staatspräsident Isaac Herzog reagierte mit deutlichen Worten. Der Angriff stelle eine »gefährliche Überschreitung einer roten Linie« dar. Wer Angst in der Justiz säen wolle, greife die Grundlagen der israelischen Demokratie an.

Lesen Sie auch

»Meinungsverschiedenheiten, so tief sie auch sein mögen, dürfen nicht in Gewalt und Einschüchterung umschlagen«, erklärte Herzog. Er habe mit Sohlberg telefoniert und ihm seine Solidarität ausgesprochen. Zugleich warnte er: »Ich rufe alle auf: Hört auf, bevor es zu einer Katastrophe kommt.«

»Volle Härte des Gesetzes«

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich ebenfalls. »Ich verurteile die gewalttätigen Ausschreitungen gegen Richter Noam Sohlberg aufs Schärfste. Die Strafverfolgungsbehörden müssen die volle Härte des Gesetzes gegen die Randalierer anwenden«, erklärte er. Später teilte sein Büro mit, Netanjahu habe mit dem Richter gesprochen und eine konsequente Verfolgung der Täter gefordert.

Die Ehefrau des Richters, Meira Sohlberg, zeigte sich erschüttert über das Ausmaß der Verwüstungen. »Es kann nicht sein, dass Juden so etwas einander antun. Wir sind Kinder von Holocaust-Überlebenden. Dass Juden einander auf diese Weise verletzen – wie kann das sein?«, sagte sie vor Journalisten.

Hintergrund der Proteste ist der anhaltende Konflikt um die Einziehung ultraorthodoxer Männer zum Militärdienst. Sohlberg gehörte 2024 zu den Richtern, die die langjährigen Sonderregelungen für Jeschiwa-Studenten aufhoben. In einer weiteren Entscheidung hatte er Ende 2025 eine wirksamere Durchsetzung der Wehrpflicht gefordert, einschließlich strafrechtlicher Maßnahmen gegen Wehrdienstverweigerer.

»Vollständiges Versagen«

Zuletzt hatte Sohlberg die Regierung kritisiert und erklärt, die geringe Zahl von Festnahmen vermittle den Eindruck eines »vollständigen Versagens der Polizei«.

Mehrere ultraorthodoxe Parteien drängen derzeit auf ein neues Gesetz, das weitreichende Ausnahmen vom Militärdienst ermöglichen würde. Die Debatte zählt zu den umstrittensten innenpolitischen Themen Israels und belastet auch die Regierungskoalition. im

USA-Besuch

Netanjahu reist zu Gesprächen mit Trump nach Washington – Abflug verzögert sich

Der israelische Regierungschef soll gegenüber seinen Ministern erklärt haben, die US-Regierung wolle einen Abzug Israels Truppen aus dem Libanon, Syrien und Gaza. »Ich werde Nein sagen«, so der Ministerpräsident

 27.07.2026

Aufruf

Zwei Moscheen im Westjordanland angezündet – Siedler sprühen Parolen auf Moschee

In der Westbank ist es zu einer Serie mutmaßlicher Angriffe radikaler Siedler gekommen. Unterdessen forderten zahlreiche frühere Vertreter von Armee und Geheimdiensten Trump auf, gegenüber Netanjahu das Thema anzusprechen

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026