Jerusalem

Charedim legen mit Massenprotest Verkehr lahm

Charedim blockieren am Montag eine Straße in Tzfat. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Tausende ultraorthodoxe Israelis haben am Montag in mehreren Landesteilen gegen die Festnahme von Wehrdienstverweigerern protestiert. Die Demonstrationen führten zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und brachten zeitweise wichtige Straßen sowie Teile des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs zum Erliegen.

Besonders betroffen waren die Umgebung Jerusalems sowie zentrale Verkehrsachsen im Landeszentrum. Demonstranten blockierten unter anderem die wichtige Fernstraße Route 4, setzten sich auf Fahrbahnen und behinderten den Verkehr über Stunden hinweg. Auch die Jerusalemer Stadtbahn musste ihren Betrieb zeitweise einstellen, nachdem Protestierer die Gleise besetzt hatten.

Die Kundgebungen wurden von der sogenannten Jerusalemer Fraktion organisiert, einer Strömung innerhalb des ultraorthodoxen Spektrums. Die Gruppe erklärte, sie protestiere gegen die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigte Inhaftierung von Jeschiwa-Studenten. Diese würden allein wegen des »Verbrechens des Tora-Studiums« verfolgt, hieß es von den Organisatoren.

Rechtswidrige Versammlungen

Die Polizei stufte mehrere Versammlungen als rechtswidrig ein und ging gegen Demonstranten vor. Dabei kam es an verschiedenen Orten zu Zusammenstößen. Nach Angaben der Behörden wurde ein Polizeibeamter leicht verletzt. In Jerusalem musste zudem ein Soldat von Einsatzkräften in Sicherheit gebracht werden, nachdem er von aufgebrachten Demonstranten umringt worden war.

Zu einem schweren Zwischenfall kam es auf der Route 4. Dort wurde ein Demonstrant von einem Motorrad erfasst und schwer verletzt. Rettungskräfte brachten ihn mit Verletzungen am Kopf und den Gliedmaßen in das Sheba Medical Center. Nach Angaben des Rettungsdienstes war der Mann bei Bewusstsein.

Auch der Bahnverkehr wurde erheblich beeinträchtigt. Demonstranten drangen auf Gleisanlagen nahe des Ganot-Knotens vor, worauf mehrere Zugverbindungen unterbrochen werden mussten. Ein Zug auf dem Weg nach Jerusalem kehrte sogar nach Tel Aviv zurück. Berichten zufolge waren auch Verbindungen zum Ben-Gurion-Flughafen betroffen, sodass einige Reisende Gefahr liefen, ihre Flüge zu verpassen.

Lesen Sie auch

Aufspürung von Wehrdienstverweigerern

Weitere Proteste fanden in Bnei Brak, Safed und Netivot statt. In Jerusalem versammelten sich Demonstranten außerdem vor dem Wohnhaus des Leiters der Verkehrspolizei, Haim Shmueli. Die Teilnehmer warfen seiner Behörde vor, Verkehrskontrollen gezielt zur Aufspürung von Wehrdienstverweigerern zu nutzen. Die Polizei löste die Versammlung schließlich auf und nahm mehrere Personen fest.

Bereits am Vorabend war die Lage in Beit Schemesch eskaliert. Nach der Festnahme eines Wehrdienstverweigerers drangen Dutzende Demonstranten in eine Polizeistation ein. Nach Angaben der Behörden wurden Steine geworfen, Straßen blockiert und Brände gelegt. Acht Verdächtige wurden festgenommen.

Aufforderungen ignoriert

Hintergrund der Proteste ist der anhaltende Streit um die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer. Nachdem der Oberste Gerichtshof im Jahr 2024 die bisherigen Befreiungen vom Militärdienst aufgehoben hatte, verschickte die Armee Zehntausende Einberufungsbescheide. Ein großer Teil der Betroffenen ignorierte die Aufforderungen jedoch, wodurch viele offiziell als Wehrdienstverweigerer gelten.

Nach Angaben der Jerusalemer Fraktion wurden am Freitag sechs Jeschiwa-Studenten wegen Wehrdienstverweigerung festgenommen. Drei von ihnen seien inzwischen wieder freigelassen worden. Die Bewegung reagierte darauf mit den landesweiten Protestaktionen.

Die israelischen Streitkräfte warnen seit Monaten vor einem zunehmenden Mangel an Soldaten. Militärvertreter berichten von wachsender Belastung der IDF und einer angespannten Personallage, die sich weiter verschärfen könnte. im

Jerusalem

Kritik an Netanjahu wegen Verzicht auf Angriff gegen Hisbollah in Beirut

Der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett sagt, die Regierung habe »die Kontrolle über die israelische Souveränität verloren«

 02.06.2026

Spione

Israels geheime Armee im Iran

Jahrelang lebten sie unauffällig als Zivilisten in der Islamischen Republik – dabei waren sie in Israel ausgebildete Agenten des Mossad

von Sabine Brandes  01.06.2026

Interview

»Die jüdische Perspektive nach Deutschland bringen«

Der Yad-Vashem-Vorsitzende Dani Dayan über die erste Außenstelle der Gedenkstätte, die Zukunft der Holocaust-Erinnerung und den Kampf gegen Geschichtsverfälschung

von Sabine Brandes  01.06.2026

Internationaler Gerichtshof

Wie Südafrika seine Genozid-Klage gegen Israel in die Länge zieht

Das Haager Weltgericht hat Pretoria eine Frist von 18 Monaten gewährt, um erneut seine Argumente für einen angeblichen Völkermord Israels in Gaza vorzubringen. Israel sieht die Klage hingegen als gescheitert an

von Michael Thaidigsmann  01.06.2026

Tel Aviv

Bericht warnt vor möglichem Einfluss Ben Gvirs auf Polizeiarbeit im Wahlkampf

Die Autoren fordern darin klare Vorgaben, die die Handlungsspielräume der Polizei im Wahlkampf deutlich einschränken

 01.06.2026

Gesundheit

Sprunghafter Anstieg: Immer mehr Israelis rauchen

Viele Konsumenten greifen offenbar verstärkt zur Zigarette, um mit der durch den Krieg verursachten psychischen Belastung umzugehen

 01.06.2026

Westjordanland

Terroranschlag an Bushaltestelle: Zwei Jugendliche verletzt

Nach Angaben der Armee steuert ein Palästinenser sein Fahrzeug in eine Bushaltestelle. Eine 17-Jährige wird schwer verletzt, eine 15-Jährige mittelschwer

 01.06.2026

Kulinarisch

Ein Michelin-Stern für die Safta

Tränen, Konfetti und ein Stück Geschichte: Das Restaurant »Mutra« des Israelis Raz Shabtai erhält als erstes koscheres Lokal weltweit die legendäre Auszeichnung

von Sabine Brandes  31.05.2026

Krieg gegen die Hisbollah

Israelische Armee nimmt Burg Beaufort im Südlibanon ein

Die strategische Höhenfestung galt einst als Symbol des Libanonkriegs – nun steht sie wieder unter israelischer Kontrolle

von Sabine Brandes  31.05.2026 Aktualisiert