Kolumbien will nach dem Amtsantritt des neu gewählten Präsidenten Abelardo de la Espriella seine Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen. Das kündigte der designierte Außenminister Omar Bola Escobar bei einem Treffen mit Israels Außenminister Gideon Sa’ar in Washington an. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums vereinbarten beide Seiten außerdem, die diplomatischen Beziehungen vollständig wiederherzustellen und die Visumpflicht zwischen beiden Ländern abzuschaffen.
Mit der Verlegung der Botschaft würde Kolumbien das neunte Land werden, das eine Botschaft in Jerusalem unterhält. Die USA, Guatemala, Honduras, Kosovo, Papua-Neuguinea, Paraguay, Fidschi und Somaliland haben ihre diplomatischen Vertretungen bereits dort eingerichtet. Weitere Staaten unterhalten Zweigstellen ihrer Botschaften in der israelischen Hauptstadt.
Die Beziehungen zwischen Jerusalem und Bogotá hatten sich unter dem scheidenden Präsidenten Gustavo Petro massiv verschlechtert. Der linksgerichtete Staatschef warf Israel im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen wiederholt einen angeblichen Völkermord vor.
Grundlegende Änderung
Im vergangenen Jahr brach Petro die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab und setzte Waffenkäufe aus. Israel reagierte darauf, indem es den eigenen Botschafterposten in Bogotá nach dem Ausscheiden des bisherigen Botschafters unbesetzt ließ.
Der Wahlsieger Abelardo de la Espriella hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, diesen Kurs grundlegend zu ändern. Er versprach, eine »strategische Allianz mit dem Staat Israel« zu erneuern, eine Botschaft in Jerusalem zu eröffnen und die »jüdisch-christlichen Prinzipien zu verteidigen, die das Fundament der westlichen Zivilisation bilden«.
De la Espriella, der sowohl die kolumbianische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, gilt als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump und ist Mitglied der Republikanischen Partei in den Vereinigten Staaten. Der Jurist übernimmt im August erstmals ein öffentliches Amt.
Widerstand gegen Regierungskurs
Der künftige Präsident kündigte zudem einen deutlich härteren sicherheitspolitischen Kurs gegen bewaffnete Gruppen in Kolumbien an. Während des Wahlkampfs erklärte er, dabei auch auf Unterstützung der USA und Israels setzen zu wollen. Gleichzeitig stellte er die Mitgliedschaft seines Landes in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen auf den Prüfstand.
Ob sich alle Wahlversprechen umsetzen lassen, ist unklar. De la Espriella übernimmt ein tief gespaltenes Land. Linke Parteien, die bei der Präsidentenwahl fast die Hälfte der Stimmen erhielten, haben bereits Widerstand gegen seine Politik angekündigt – darunter auch gegen die geplante Wiederannäherung an Israel. im