Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will offenbar am Wochenende nach Washington reisen und ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump erreichen. Nach Angaben israelischer Quellen gegenüber der Publikation »Ynet« soll der Regierungschef am Samstagabend in die amerikanische Hauptstadt fliegen. Ein Termin mit Trump wurde bislang jedoch noch nicht offiziell vereinbart.
Ein wichtiges Thema der Gespräche dürfte der wieder aufgeflammte Konflikt zwischen den USA und dem Iran sein. Nach der erneuten amerikanischen Blockade iranischer Häfen und den jüngsten militärischen Auseinandersetzungen will Netanjahu nach israelischer Darstellung den direkten Austausch mit Trump suchen und die Beziehungen zwischen beiden Regierungen stabilisieren.
Im Umfeld des israelischen Regierungschefs bestehen Sorgen über eine zunehmende Distanz zwischen Jerusalem und Washington. Seit dem Krieg gegen den Iran seien aus Trumps Umfeld mehrfach Aussagen zu hören gewesen, wonach Einschätzungen Netanjahus nicht eingetroffen seien. In Netanjahus Lager bestehe deshalb die Befürchtung, der US-Präsident könne ihn teilweise für den Verlauf des Konflikts verantwortlich machen.
Raketen und Terror
Bereits in der vergangenen Woche hatte das Büro des Ministerpräsidenten versucht, ein Treffen mit Trump zu organisieren. Die beiden Politiker hatten sich zuletzt am 11. Februar im Lagezentrum des Weißen Hauses getroffen.
Neben dem Versuch, das Verhältnis zum amerikanischen Präsidenten zu festigen, will Netanjahu den USA vor möglichen Gesprächen mit Teheran über ein dauerhaftes Abkommen relevante Informationen vorlegen. Jerusalem drängt darauf, dass sich Washington nicht nur auf eine Begrenzung der iranischen Uranvorräte konzentriert, sondern weiterhin zusätzliche Forderungen erhebt.
Dazu gehört nach israelischer Position unter anderem, dass angereichertes Uran vollständig aus dem Iran entfernt wird und Teheran kein dauerhaftes Recht zur Urananreicherung erhält. Außerdem will Israel erreichen, dass ein mögliches Abkommen auch Irans ballistisches Raketenprogramm und die Unterstützung von Terrororganisationen in der Region berücksichtigt.
Trauerfeier für Graham
Ein weiterer Programmpunkt der Reise könnte die Trauerfeier für den republikanischen US-Senator Lindsey Graham sein. Netanjahu wird nach israelischen Angaben voraussichtlich an einer Gedenkveranstaltung in Washington teilnehmen. Der genaue Termin der Beisetzung steht noch nicht fest.
Die geplante Reise fällt zudem in eine Phase neuer Spannungen zwischen Netanjahu und Trump. Nach einem Bericht von »Axios« soll der US-Präsident dem israelischen Regierungschef in einem Telefonat vergangene Woche nahegelegt haben, israelische Truppen aus Gebieten außerhalb Syriens zurückzuziehen und auch im Libanon eine Verlegung von Kräften einzuleiten. im