Nach fünf Jahren als Nahost-Korrespondentin verlässt Sophie von der Tann Ende Juli das ARD-Studio Tel Aviv und kehrt zu ihrem Heimatsender, dem Bayerischen Rundfunk, zurück. Zum 1. September übernimmt die BR-Journalistin Pia-Marie Steckelbach den Posten, die bereits seit 2023 zum Team vor Ort gehört. Verantwortlich für das Studio ist der Bayerische Rundfunk, der den Wechsel als turnusmäßig bezeichnet.
Von der Tann hatte die Stelle im Sommer 2021 angetreten. Durch ihre Berichterstattung über den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und den anschließenden Gaza-Krieg erreichte sie ein Millionenpublikum und wurde zu einem der bekanntesten Gesichter der deutschen Nahost-Berichterstattung. Für ihre Arbeit erhielt sie 2024 den Blauen Panther sowie einen Deutschen Fernsehpreis, 2025 wurde ihr zudem der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis verliehen.
BR-Chefredakteur Christian Nitsche bezeichnete sie als prägende Figur der ARD-Nahostberichterstattung, deren Arbeit mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet worden sei und die bei einem Millionenpublikum für besondere Authentizität stehe. Von der Tann selbst dankte dem Team im Studio Tel Aviv, insbesondere den lokalen Kolleginnen und Kollegen, ohne deren Einsatz die Berichterstattung aus Israel, dem Westjordanland und Gaza nicht möglich gewesen wäre.
Darstellung Israels als Aggressor
Von außen fiel die Bilanz deutlich kritischer aus. Bereits im Mai 2025 kritisierte die Publizistin Esther Schapira in der Jüdischen Allgemeinen einen Tagesthemen-Kommentar von der Tanns zum 60. Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen, in dem die Korrespondentin über die israelische Kriegsführung in Gaza sprach, ohne die Hamas zu erwähnen.
Schapira warf ihr vor, den Nachkommen der Schoa-Opfer »nassforsch die Leviten« gelesen zu haben, und kritisierte, dass sie Israels Protestbewegung »dreist als Kronzeugen ihrer Tirade« vereinnahmt habe.
Im November 2025 warf der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle der Korrespondentin eine Verharmlosung der Massaker vom 7. Oktober vor. Von der Tann soll in einem Hintergrundgespräch gesagt haben, die Massaker hätten eine »Vorgeschichte«, die bis zum Zerfall des Osmanischen Reiches zurückreiche. Im Gespräch mit dieser Zeitung ging Spaenle damals auf die von ihm erhobenen Vorwürfe ein.
Als von der Tann im Dezember 2025 schließlich mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet wurde, verschärfte sich die Debatte weiter. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, erklärte damals, es »verschlage ihr die Sprache«, dass problematische Berichterstattung nicht nur folgenlos bleibe, sondern auch noch prämiert werde.
Der Verband Jüdischer Journalistinnen und Journalisten sprach von wiederkehrenden Erzählmustern, »die sich darauf beschränken, Israel als Aggressor darzustellen«.
Warnung vor Delegitimierung
Von der Tann selbst wies die Vorwürfe zurück und betonte im ARD-Morgenmagazin, sie versuche täglich neu, »Balance zwischen Empathie und Distanz« zu halten. Zugleich erhielt sie Rückendeckung von 72 Nahost-Korrespondenten, die in einem offenen Brief vor einer Kampagne zur Delegitimierung kritischen Journalismus warnten.
Ihre Nachfolgerin Pia Steckelbach bringt nach BR-Angaben umfangreiche Regionalerfahrung mit. Sie lebt seit über sechs Jahren in Israel, spricht fließend Hebräisch und Arabisch und hat Geschichte sowie Jiddische Kultur, Sprache und Literatur in Düsseldorf und Middle Eastern Studies in Tel Aviv studiert. Vor ihrer Zeit beim ARD-Studio war sie zwei Jahre lang Korrespondentin für einen internationalen Sender und berichtete unter anderem über das Erdbeben in der Türkei Anfang 2023. im