Tel Aviv

Eisenkot erhebt schwere Vorwürfe gegen Netanjahu

Gadi Eisenkot Foto: copyright (c) Flash90 2026

Der frühere Generalstabschef der israelischen Armee und Chef der Partei Jasar, Gadi Eisenkot, hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgeworfen, ihm während dessen Amtszeit als oberster Militärchef eine ungewöhnliche Anweisung gegeben zu haben. Netanjahu habe ihn gebeten, Soldaten auf den Golanhöhen in einen Schutzbunker zu schicken – in einem Gebiet, in dem sich offenbar auch sein Sohn Avner aufhielt.

Eisenkot schilderte den Vorfall in einem Interview mit dem israelischen Fernsehsender Kanal 12. Damals, während seiner Zeit als Generalstabschef (2015 bis 2019), habe ihn Netanjahu kurzfristig zu sich nach Hause gerufen und verlangt, dass Soldaten in einem bestimmten Abschnitt der Golanhöhen unterirdische Stellungen aufsuchen sollten.

Erst nachdem er die Hintergründe geprüft habe, sei ihm klar geworden, warum der Ministerpräsident diese Maßnahme gefordert habe: Avner Netanjahu habe zu dieser Zeit in genau diesem Bereich gedient. Der Sohn des Ministerpräsidenten wurde von 2014 bis 2017 in einer militärischen Einheit zur Gefechtsaufklärung eingesetzt.

»Seltsame Forderung«

»Das erschien mir wie eine seltsame Forderung«, sagte Eisenkot in dem TV-Interview. Er habe dem Ministerpräsidenten erklärt: »Es gibt ständig Gefahren für Zivilisten und Soldaten, aber dies war nicht richtig.«

Als Netanjahu auf seinem Wunsch bestanden habe, habe er erkannt, dass den Regierungschef offenbar eine persönliche Sorge belastete. »Da gab es irgendein Familienproblem, das ihn unter Druck gesetzt hat«, sagte Eisenkot. Um ihn herum seien »verrückte Dinge passiert«.

Der ehemalige Generalstabschef erklärte, er habe die Anweisung dennoch abgelehnt – zum Ärger des Ministerpräsidenten. Die geäußerten Sicherheitsbedenken seien aus seiner Sicht nicht gerechtfertigt gewesen.

Lesen Sie auch

Lebenslanger Personenschutz

Eisenkot, dessen Partei Jasar in mehreren aktuellen Umfragen vor Netanjahus Likud liegt, stellte den damaligen Vorfall in Zusammenhang mit jüngsten Berichten über den Umgang der Familie Netanjahu mit Sicherheitsbehörden. Dabei geht es insbesondere um Forderungen von Netanjahus Ehefrau Sara nach einem lebenslangen Personenschutz durch den Inlandsgeheimdienst Schin Bet.

Israelische Medien hatten berichtet, Sara Netanjahu habe den neuen Schin-Bet-Chef David Zini kontaktiert und eine dauerhafte Sicherheitsbewachung für sich und den Ministerpräsidenten gefordert. Nach Angaben von Channel 12 soll die Schutzregelung für Sara Netanjahu sowie die beiden Söhne des Ehepaars trotz Bedenken von Fachleuten um mindestens fünf Jahre verlängert werden.

Als Begründung seien die Sicherheitslage nach dem Krieg mit dem Iran sowie weitere Bedrohungen angeführt worden. Netanjahu selbst verfügt laut »The Times of Israel« bereits über zugesicherten Schutz für die kommenden 20 Jahre. Berichten zufolge wollte er eine Verlängerung des Schutzes für seine Familie unabhängig vom Ausgang der nächsten Wahlen sofort in Kraft setzen.

Zweifel an der Notwendigkeit

Vertreter des Nationalen Sicherheitsrats und des Schin Bet sollen jedoch Zweifel an der Notwendigkeit einer solchen Entscheidung geäußert haben. Zwar würden mögliche Gefahren ernst genommen, es gebe aber keinen Anlass, bereits jetzt über Sicherheitsmaßnahmen für einen Zeitraum von mehreren Jahren zu entscheiden.

Das Büro des Ministerpräsidenten wies die Berichte zurück. Der Nationale Sicherheitsrat und der Schin Bet äußerten sich nicht.

Eisenkot sagte im Interview, er sei »sehr beunruhigt« über die Berichte, wonach Sara Netanjahu den Schin-Bet-Chef direkt kontaktiert habe. Er bezeichnete den Vorgang als »schwerwiegend«. Versuche, den Leiter eines Sicherheitsdienstes über Familienangehörige, Vertraute, Kommentatoren oder mediale Unterstützer zu beeinflussen, seien »eine völlig verrückte Situation«. im

Washington D.C.

Künftige kolumbianische Regierung will Botschaft nach Jerusalem verlegen

Damit gibt es bald neun diplomatische Vertretungen in der israelischen Hauptstadt

 16.07.2026

Wahlkampf

Der Anti-Bibi

Erstmals führt Gadi Eizenkot mit seiner Partei Jaschar die Wahlumfragen an. Wer ist der überraschende Top-Herausforderer?

von Joshua Schultheis  16.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Israel

Oberstes Gericht stoppt Gesetz zum Schutz ultraorthodoxer Verweigerer des Wehrdienstes

Die Richter kündigen zudem eine rasche Anhörung über die Rechtmäßigkeit der Regelung an

 16.07.2026

Nachrichten

Basketball, Wahlen, Atombombe

Kurzmeldungen aus Israel

von Ralf Balke  15.07.2026

Israel

Das Studium der Tora wird zum »Grundwert« des Staates

Ein neues Gesetz soll nach Einschätzung von Experten die rechtliche Grundlage schaffen, um Ausnahmen von der Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer dauerhaft abzusichern

 15.07.2026

Nahost

Trump drängt Netanjahu zum Abzug israelischer Truppen aus Syrien und dem Libanon

»Sie wollen euch dort nicht. Ihr solltet euch neu positionieren«, soll der US-Präsident dem israelischen Ministerpräsidenten gesagt haben

 15.07.2026

Luftfahrt

Streit um Tankflugzeuge der US-Luftwaffe am Ben-Gurion-Flughafen

Israel will weitere Maschinen der US-Luftwaffe zunächst nicht auf dem zivilen Flughafen landen lassen. Das US-Zentralkommando sagt, die Maßnahme könne die militärischen Planungen beeinträchtigen

 15.07.2026

Jerusalem

Netanjahu plant Washington-Reise

Im Umfeld des israelischen Regierungschefs bestehen Sorgen über eine zunehmende Distanz zu US-Präsident Trump. Auch könnte Netanjahu an einer Trauerfeier für Senator Lindsey Graham teilnehmen

 15.07.2026