Nahost

Board of Peace: Gaza-Plan einzige Garantie für Verhinderung weiterer Hamas-Massaker

Nikolai Mladenov, Koordinator für das Board of Peace Foto: picture alliance / Anadolu

Die Umsetzung des von den USA unterstützten Gaza-Plans soll nach Ansicht des Sondergesandten Nikolai Mladenov sicherstellen, dass sich ein Angriff wie der vom 7. Oktober 2023 nicht wiederholt. Entscheidend sei dabei nicht das Vertrauen in die Hamas, sondern die lückenlose Überprüfung konkreter Schritte zur Entwaffnung der palästinensischen Terrororganisation.

Mladenov, der für das US-gestützte Board of Peace tätig ist, verteidigte den Plan in einem Interview mit Kanal 12 gegen die in Israel weit verbreitete Skepsis. Das Konzept sehe vor, die Kontrolle über den Gazastreifen schrittweise an ein palästinensisches technokratisches Gremium zu übertragen. Dieses sogenannte National Committee for the Administration of Gaza (NCAG) soll unter dem Dach des Board of Peace arbeiten.

»Was am 7. Oktober geschehen ist, wird niemals wieder passieren können, solange wir den Plan des Board of Peace vollständig umsetzen«, sagte Mladenov. Die nun vorgeschlagene Lösung sei »der einzige Weg, wie wir vorankommen können, der garantiert, dass sich diese Tragödie nicht wiederholt«.

Abzug nach Entwaffnung

Ein israelischer Truppenabzug soll dabei nicht am Anfang des Prozesses stehen. Nach Mladenovs Darstellung muss zunächst nachweisbar sein, dass Hamas ihre Waffen tatsächlich abgibt. Erst wenn die Waffen aus dem Besitz der verschiedenen bewaffneten Gruppen entfernt, eingelagert und schließlich unbrauchbar gemacht worden seien, solle Israel seine Truppen schrittweise zurückziehen.

»Niemand ist verpflichtet, irgendetwas zu tun – und schon gar nicht Israel –, bevor wir tatsächlich verifizierte Schritte vor Ort haben«, erklärte Mladenov. Die israelischen Streitkräfte würden sich erst zurückziehen, wenn die Entwaffnung nachweislich umgesetzt worden sei.

Dabei soll die sogenannte Gelbe Linie zunächst eine wichtige Rolle spielen. Sie teilte den Gazastreifen nach der Waffenruhe vom Oktober 2025 in israelisch kontrollierte Gebiete und die, in denen die Hamas die Kontrolle ausübt. Israel kontrolliert mittlerweile mehr als 60 Prozent des Gazastreifens.

»Schritt für Schritt«

Mladenov betonte, dass der Plan zunächst keinen Rückzug der israelischen Armee bis zur Grenze voraussetze. Israel solle seine Truppen nicht weiter als bisher über die Gelbe Linie in den Gazastreifen vorrücken.

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Mit Fortschritten bei der Entwaffnung soll sich die Gelbe Linie anschließend schrittweise zurückverlagern. »Sobald jeder Sektor entwaffnet ist und die Waffen zertifiziert sind – dass sie vom NCAG, dem Board of Peace, übernommen und eingelagert und unbrauchbar gemacht wurden –, muss sich Israel schrittweise, Schritt für Schritt und in Etappen zurückziehen, letztlich bis zum Grenzzaun in Gaza«, sagte Mladenov.

Israels militärische Handlungsfreiheit soll nach seinen Worten dennoch erhalten bleiben. Der Plan werde Israel nicht daran hindern, auf eine unmittelbar drohende Gefahr zu reagieren. »Nichts in dem Plan, den wir vorbereiten, schränkt Israels Möglichkeiten ein, auf eine Bedrohung zu reagieren, wenn sie unmittelbar ist und seine Truppen tatsächlich gefährdet.«

Auch die umfangreichen Tunnelsysteme der Hamas seien Teil der Herausforderung. Nach Einschätzung Mladenovs könnte deren vollständige Zerstörung mehr als ein Jahrzehnt dauern. Mit Unterstützung des Board of Peace könne dieser Prozess jedoch deutlich schneller und effektiver vorankommen.

Entwaffnung soll überprüfbar sein

Besonderen Wert legte Mladenov auf ein Kontrollsystem, das die Einhaltung der Vereinbarungen überwachen soll. Er verwies dabei auch auf die Rolle Ägyptens, der Türkei und Katars bei den bisherigen Verhandlungen. Gerade die Beteiligung der Türkei und Katars ist in Israel umstritten, da beide Staaten in der Vergangenheit enge Kontakte zur Hamas unterhielten beziehungsweise deren Führung beherbergten.

Mladenov erklärte, ohne die Vermittlung dieser Länder wäre es kaum gelungen, Hamas zu einer Zustimmung zu dem Fahrplan zu bewegen. Gleichzeitig soll ein »Verifikationsmechanismus« sicherstellen, dass alle Seiten ihre Verpflichtungen einhalten. Werden Vereinbarungen nicht umgesetzt, soll der gesamte Prozess gestoppt werden.

Überprüfung statt Vertrauen

Der Gesandte räumte ein, dass die Umsetzung des Plans erhebliche Risiken birgt. Er widersprach jedoch der Vorstellung, das Konzept beruhe auf gegenseitigem Vertrauen.

»Ich baue nichts davon auf Vertrauen auf, und niemand von uns tut das. Wir sehen die Risiken, die vor uns liegen, sehr klar«, sagte Mladenov. »Wir bauen auf Überprüfung, und das ist im Grunde die grundlegende Voraussetzung – die ich mir wünsche, dass beide Seiten wirklich darauf vertrauen –, dass wir durch den Verifizierungsprozess tatsächlich eine Chance haben. im

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